Festakt in der Bremischen Bürgerschaft 100 Jahre Frauenwahlrecht

Beim Festakt zu 100 Jahren Frauenwahlrecht in der Bremischen Bürgerschaft sprach sich die Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm für mehr Teilhabe für Frauen und einen entschiedenen Einsatz gegen Sexismus aus.
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100 Jahre Frauenwahlrecht
Von Lisa-Maria Röhling

Dass 100 Jahre Frauenwahlrecht ein Grund zu feiern sind, das ist für die Bremer Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm völlig klar. Dass in nochmal 100 Jahren nicht die vollständige Gleichberechtigung von Mann und Frau gefeiert werden kann, macht sie aber ebenso deutlich: 217 Jahre soll es nach aktuellen Auswertungen dauern, bis die Geschlechter in der deutschen Wirtschaft gleichberechtigt sind. Somit war der Festakt zu 100 Jahren Frauenwahlrecht am Freitagabend in der Bremischen Bürgerschaft auch als Mahnung für die Zukunft zu verstehen. Dorthin hatte die Landesfrauenbeauftragte zusammen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Verein Belladonna und dem Bremer Frauenausschuss als Abschluss der Veranstaltungsreihe „Wählen, wagen, winnen“ eingeladen.

„Was ist das für ein Demokratieverständnis, das die Hälfte der Bevölkerung nur als Randnotiz wahrnimmt?“, fragte Wilhelm das überwiegend weibliche Publikum im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft. In ihrem Vortrag blickte sie auf den Weg bis zur Wahlrechtsreform 1918, auf die Entwicklungen bis in die heutige Zeit zurück und sprach dann über die denkbare Zukunft. Dabei wurde sie von drei Darstellern des Improtheaters Bremen begleitet, die die angestoßenen Themen in kurzen und pointierten Sketches aufgriffen.

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Teilhabe, Freiheit und Selbstbestimmung, das sei es, was Frauen auch 100 Jahre nach der Einführung des Stimmrechts immer noch forderten. Dabei sei bei allen Diskussionen um den Zustand der Demokratie das Thema Gleichberechtigung stets untergeordnet – für Wilhelm ein Widerspruch: „Gleichstellung ist ein Gradmesser von Demokratie. Ohne Geschlechtergerechtigkeit gibt es keine Demokratie.“

Die Geschlechterhierarchie sei trotz der Errungenschaften der vergangenen Jahre noch längst nicht gebrochen, betonte Wilhelm. Deshalb vermisse sie mitunter den entschiedenen Einsatz gegen Sexismus in der Gesellschaft. Ihre Erklärung „Sexismus ist genauso gefährlich wie Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“ wurde mit viel Applaus gewürdigt.

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Wie wichtig die Zäsur 1918 auch für die deutsche Gesellschaft war, das betonte Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) in seinem Grußwort zum Festakt. „Vor 100 Jahren stand ein Haus wie die Bremische Bürgerschaft nur der Hälfte der Bevölkerung zur Verfügung.“ Umso mehr freue es ihn, dass die Feier zu diesem Jahrestag im Hause der Parlaments stattfinde, wo vor 100 Jahren zumindest die gesetzliche Gleichberechtigung eine Veränderung herbeigeführt habe. Allerdings, so Weber, habe die gesellschaftliche Realität der Gleichberechtigung damals anders ausgesehen – und in Teilen sei das auch heute noch der Fall. „Frauen müssen an der politischen Gestaltung dieses Landes teilnehmen“, erklärte er.

Dass Bremen in Sachen Geschlechtergerechtigkeit auch künftig eine entscheidende Rolle spielen könne, betonte Wilhelm mit Verweis auf den Wissenschaftsplan 2025: Einst sei Bremen eine Hochburg der Geschlechterstudien gewesen. Sie hofft, dass das auch in Zukunft wieder der Fall sein könne.

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