Strenge Auflagen

1500 Teilnehmer bei Palästinenser-Demo auf dem Domshof

Rund 1500 Menschen haben am Donnerstagnachmittag auf dem Domshof in Bremen für Palästina demonstriert. Der Innensenator hatte strenge Auflagen erlassen, die weitestgehend befolgt wurden.
13.05.2021, 13:02
Lesedauer: 2 Min
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1500 Teilnehmer bei Palästinenser-Demo auf dem Domshof
Von Joerg Helge Wagner
1500 Teilnehmer bei Palästinenser-Demo auf dem Domshof

Die Demonstration in Bremen richtet sich gegen die Behandlung der Palästinenser in Israel.

Christina Kuhaupt

Bis zu 1500 Menschen haben nach Polizeiangaben am Donnerstagnachmittag in der Bremer Innenstadt "gegen die Unterdrückung des Palästinensischen Volkes" demonstriert. Nach den mitgeführten Fahnen  bildeten die Teilnehmer auf dem Domshof einen Querschnitt der orientalischen Gemeinschaft: Neben Dutzenden Palästinenserfahnen sah man auch jene des Libanon, der Türkei, Algeriens und des "Freien Syrien". Am Rande Regenbogen mit "Pace"-Schriftzug, eine Friedenstaube und sogar Schwarz-Rot-Gold. Was es nicht gab: Israel-Flaggen, die angezündet oder als Fußabtreter missbraucht wurden.

Das Innenressort hatte jede Verherrlichung von Gewalt auf der "stationären Kundgebung" verboten. Dazu zählte auch "das Beleidigen von Personen und Personenmehrheiten in Wort, Bild oder Schrift". Zudem waren  Äußerungen untersagt, "die das Existenzrecht eines Staates verneinen – insbesondere dazu auffordern, Israel zu bekämpfen oder ,auszuradieren'". Für Gruppen und Organisationen, die derartige Aussagen unterstützen, durfte nicht geworben werden. 

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Zahlreiche Ordner der Palästinensischen Gemeinde und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft sorgten dafür, dass dies auch befolgt wurde. Die meisten Teilnehmer hielten sich auch an die Maskenpflicht, doch der Mindestabstand war auf dem mit Gittern umstellten Platz kaum einzuhalten: Die Veranstalter hatten nur etwa mit einem Fünftel der Teilnehmerzahl gerechnet. In Sprechchören wurde "Free Palestine" gefordert und Allah gepriesen. Judenfeindliche Parolen blieben aus, zumindest auf Deutsch.

Eigentlich sollte der Mufti der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem per Standleitung zugeschaltet werden und über Lautsprecher eine Rede auf Arabisch halten, doch das scheiterte an technischen Problemen. "Die Kundgebung richtet sich gegen die eskalierende Gewalt in Palästina und Israel, insbesondere die völkerrechtswidrige Unterdrückung des palästinensischen Volkes und der zunehmenden Vertreibung und geplante Annektionen in Jerusalem", betonte Detlef Griesche, Vizepräsident der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft. Das trete "momentan durch das absurde Raketenfeuer der Hamas und die durch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas abgesagten Wahlen in den Hintergrund".

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Die Rede des Bremer SPD-Politikers ging jedoch im allgemeinen Trubel ziemlich unter. Mittelpunkt des Geschehens war längst eine Gruppe junger Männer, die Parolen auf Arabisch skandierte und - angefeuert von den Umstehenden - mit ausgestrecktem rechten Zeigefinger offenbar auch kurze religiöse Phrasen rezitierte. Das Publikum war etwa so bunt wie die mitgeführten Fahnen und überwiegend jugendlich: Frauen mit Kopftuch oder Hijab in langen Gewändern neben Teenagern in knappen Topps, Sakkos und Trainingsanzüge, Afrikaner in traditioneller Kluft. 

Auf Plakaten hieß es in Anlehnung an die Black-Lives-Matter-Bewegung und den Mord an George Floyd "We can't breathe since 1948" - wir können nicht mehr atmen seit 1948, also seit der Staatsgründung Israels. Zudem sei "Jerusalem die alleinige und ewige Hauptstadt Palästinas" und Palästina "das einzige besetzte Land auf diesem Globus". Gegen 16 Uhr löste sich die Veranstaltung langsam auf, abgesichert von schätzungsweise einer Hundertschaft der Polizei. Vertreter der Deutsch-Israelischen Gesellschaft beobachteten das Geschehen vom Rande des Domshofs aus.

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