DRK-Weihnachtsmarkt Bremen 70 Kuchen und 60 Kilo Kekse

Fast seit Vier Jahrzehnten tummeln sich an einem Vorweihnachtswochenende Menschen in der unteren Ratrhaushalle, um zu erstehen, was ehrenamtliche kreiert haben.
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Matthias Holthaus

Durch die untere Rathaushalle wuseln am Freitag Dutzende Interessierte. Mittendrin steht Svenja Richter, verantwortlich für den Losstand auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Das ist immer wieder ein Highlight„, sagt sie. “Und wir zaubern damit ein Lächeln in die Gesichter der Besucher“, sagt Svenja Richter. Zusammen mit vielen anderen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern trägt sie dazu bei, den in diesem Jahr bereits 39. DRK-Weihnachtsmarkt im Rathaus zu einem Erfolg werden zu lassen.

„Wir haben wunderbare gespendete Objekte von Bremer Unternehmen, und als Hauptgewinn gibt es ein Fahrrad“, erzählt sie. Zudem gebe es nicht nur Gutscheine aus den Bereichen Kunst, Kultur und Kulinarisches, sondern mit dem Bremer Babbeler auch süße Trostpreise. Sympathisch und ein wenig skurril auch dies: „Immer treu dabei ist das „Roland-Mehl“. So einige Loskäufer fordern ihr jährliches Mehl, das ist immer ein Erfolg.“ Mit jedem Loskauf werden dabei Einrichtungen des DRK unterstützt, etwa die Begegnungsstätten Haferkamp und Aumund, den Ehrenamtlich betriebenen Sanitätsdienst in Bremerhaven oder aber der Singkreis im Kreisverband Bremen: „Die Noten, das Papier, Kopien oder Gemagebühren, das kostet ja auch alles Geld“, sagt Karin Markus, ebenfalls Losverkäuferin. Und Miete für die Obere Rathaushalle müsse auch entrichtet werden, „aus dem üblichen Etat ist das nicht zu bezahlen.“

Nicht nur die Lose, auch Selbstgestricktes findet auf dem Weihnachtsmarkt großen Anklang: „Das sind alles selbst gemachte Sachen. Wir sind Rentnerinnen, die das ganze Jahr stricken“, erzählt Gunhild Hölscher und zeigt auf die vielen bunten Socken, Mützen und Schals. Ob alleine zu Hause oder aber in Gemeinschaft, gestrickt wurde eifrig.

Das Ergebnis eines ganzen Jahres findet sich auf den Tischen des Standes, wobei es Zeiten gab, an denen wesentlich mehr Strickwaren verkauft werden konnten: „Heutzutage wollen junge Mütter keine selbst gestrickten Pullover mehr, alleine schon wegen des speziellen Waschens“, sagt Gunhild Hölscher, „doch Babysachen werden immer noch gerne genommen.“

Gerne genommen werden auch die vielen Kuchen und Kekse am Stand gegenüber. „Im Oktober fangen wir bereits mit den Keksen an, in diesem Jahr haben wir mehr als 600 Tüten zu je 100 Gramm“, berichtet Dorit Kückelhahn. Und auch die Kuchen sind jedes Jahr von Neuem heiß begehrt: „Es gibt Leute, die kaufen fünf bis sechs Kuchen – da sieht man ja, dass unsere Kuchen schmecken.“ Mehr als 70 Kuchen sind es in diesem Jahr geworden, gebacken von Dorit Kückelhahn, Liesel Hermes und Lisa Oealmann, die bereits seit 1980 dabei sind, und von Hannemarie Adrian, 1991 hinzugekommen.

Reine Handarbeit auch am Stand nebenan: Die Frauen vom Kreisverband Bremen-Nord haben ein vielschichtiges Sammelsurium aus Weihnachts- und Schneemännern, Tannen und Wichteln aus Ton anzubieten. „Nach Weihnachten fangen wir mit Ostersachen an und nach Ostern mit Weihnachtssachen, sonst schaffen wir das alles gar nicht“, erzählt Inge Mainka, die unter anderem zusammen mit Gisela George den Stand betreut. Insgesamt sechs Frauen treffen sich jeden Dienstagmorgen, um das kleine tönerne Weihnachtsdorf auf dem Tisch entstehen zu lassen. „Das ist sehr aufwendig, denn alles wird zwei Mal gebrannt und die rote Glasur muss sogar drei Mal aufgetragen werden“, sagt Inge Mainka. Zum zweiten Mal seien sie nun in der Unteren Rathaushalle dabei: „Mit den restlichen Sachen sind wir dann noch eine Woche im Klinikum Bremen-Nord.“

Auch die Second-Hand-Kleidung wird in jedem Jahr gut angenommen, weiß Karin Stürje zu berichten: „Das, was wir für gut befunden haben, kommt einem guten Zweck zugute. Manche Leute spenden sehr gute Sachen, aber leider werden auch qualitativ sehr minderwertige Sachen abgegeben.“ Diese Menschen würden die Altkleidersammlung dann eher als Abfallentsorgung betrachten. Auch hier sind es sechs bis sieben Ehrenamtliche, die die Kleidung sortieren und mit Größen- und Preisschildern versehen. „Es sind viele lange dabei mit dem Gefühl, etwas Gutes zu tun“, erzählt sie. Meist ab dem 10. Oktober herum trifft sich die Gruppe zwei Mal in der Woche und bearbeitet die gespendete Kleidung, „und eine Woche vorher kommt alles auf Kleiderbügel und anschließend wird die Kleidung von DRK-Helfern in die Rathaushalle gebracht.“

Nicht im Oktober, sondern bereits im Februar fängt die Bastelgruppe an, Weihnachtssterne, Grußkarten und Engel zu kreieren. „Wir machen viel zu Hause, treffen uns aber auch alle vier Wochen“, erzählt Marlene Dücker. „Dann trinken wir Kaffee und basteln. Wir gehen aber auch auf Hobbymärkte und schauen uns an, was es Neues gibt.“ Sie hätten Stammkunden, die jedes Jahr vorbeikämen, sagt sie. „Und jedes Jahr denken wir, dass wir gar nicht so viel haben, doch dann stellt es sich doch anders heraus.“ Im vergangenen Jahr etwa habe sie über 300 Karten mit Aquarellmotiven verkauft. „Die male ich und fotografiere sie ab“, sagt Marlene Dücker. Und 231 Engel aus alten Notenblättern hat in diesem Jahr Irmgard Kohl gefertigt. Die sieben bis acht Frauen seien das ganze Jahr fleißig, doch irgendwann werde das auch mal auslaufen, vermutet Marlene Dücker: „Es gibt dafür keine jungen Ehrenamtlichen mehr. Ich mache das jetzt seit 25 Jahren und da habe ich schon viele gesehen, die aus Altersgründen aufhören mussten.“

Interessierte an der Arbeit der vielen Gruppen zur Vorbereitung des Weihnachtsmarktes können sich jederzeit im DRK-Kreis- und Landesverband melden. So wie es Charlotte Schild aus der Bastelgruppe auch einst getan hat: „Das möchte ich auch mal machen, habe ich gedacht, und nun bin ich auch schon seit 18 Jahren dabei.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+