„Mein erstes Mal“ Abenteuer zwischen Stift und Papier

Erst nach ihrem 50. Geburstag wagte Inge Buck den Schritt in die Welt der Schriftsteller. Seit ihrer späten Jugend schreibt sie Gedichte. Doch für das eigene Buch musste sie erst den Mut finden.
27.01.2020, 10:09
Lesedauer: 3 Min
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Abenteuer zwischen Stift und Papier
Von Maurice Arndt

Mein erstes Buch zu schreiben war ein Abenteuer. Nach meinem 50. Geburtstag, das war 1986, fing ich damit an – wobei: eigentlich begann ich schon in den 50er-­Jahren, als ich meine ersten Gedichte schrieb, da war ich gerade Studentin der Germanistik. Also sind bis zu meinem ersten Buch knapp 30 Jahre vergangen. Das ist ein wahnsinnig langer Prozess.

„Gegen die Scheibe“, so heißt mein erstes Buch, ist ein Lyrikband. Damit habe ich mich auch einem gewissen Risiko ausgesetzt, denn mit dem Buch habe ich mich ja quasi als Schriftstellerin geoutet. Das passte eigentlich gar nicht zu meiner Rolle als Hochschullehrerin an der Hochschule Bremen. Entsprechend erhielt ich auch sehr widersprüchliche Reaktionen auf mein erstes Buch. Meine Kollegen an der Hochschule waren eher irritiert. Mein Vater war sogar sehr skeptisch. Er war immer dafür, dass ich einen ordentlichen Beruf habe, und der Meinung, dass man mit Lyrik ja sowieso kein Geld verdienen könne. Das war für mich etwas enttäuschend. Dafür habe ich aber von meinen Freunden viel Zustimmung erhalten. Kurz zuvor war ich bereits in den VS, also den Verband deutscher Schriftsteller, eingetreten. Auch der Kontakt mit den anderen Autoren und diese Zustimmung haben mich dann letztlich ermutigt, das Buch in Angriff zu nehmen.

Rund ein halbes Jahr habe ich dann an dem Manuskript gearbeitet. Viele Gedichte hatte ich zwar bereits geschrieben, aber ich musste diese nun in eine richtige Dramaturgie bringen. Einige Gedichte habe ich auch neu oder umgeschrieben. Zudem habe ich meine Texte mit eigenen Schwarzweiß-Fotografien kombiniert. Das hat alles seine Zeit gedauert, denn es sollte natürlich gut werden. Bei meinem ersten Buch war ich noch sehr emotional.

Und eine richtige handwerkliche, analoge Arbeit war es auch. Mein Manuskript habe ich nämlich noch auf einer Schreibmaschine getippt. Also musste ich zum Beispiel Fehler auch noch mit Tipp-Ex korrigieren. Als es dann fertig war, habe ich meine Rohfassung auch nicht einfach weggeschickt. Ich bin persönlich nach Berlin gefahren, um es meinem damaligen Verleger Klaus Guhl zu geben. Es war mir wichtig, den Mann kennenzulernen, der mein Buch verlegen wollte.

Vor den Kritiken hatte ich natürlich auch etwas Angst, aber ich bin dann offenbar ganz gut angekommen. Ich kann mich deshalb auch bis heute noch mit meinem ersten Buch identifizieren, auch wenn es unter meinen anderen Büchern, von denen es mittlerweile ja doch einige gibt, ein wenig in den Hintergrund gerückt ist. Das liegt aber auch daran, dass mir die Themen bis heute überraschenderweise noch ziemlich nah sind, wobei ich allerdings nicht mehr so emotional schreiben würde wie damals. In einem meiner ersten Gedichte schrieb ich zum Beispiel „Ich habe einen Garten / in dem die Goldfische / durch die Bäume schwimmen / Ich lerne nicht / eure objektive Terminologie“. Thematisch sind aber Gedichte wie „Es gibt keinen Sommer mehr“ in Zeiten des Klimawandels immer noch aktuell.

Ich muss aber auch sagen, dass das Schreiben selbst das Schönste ist. Wenn ein Buch dann fertig ist, auch bei meinem ersten war das so, dann ist es auch schon wieder vorbei. Dann geht die Arbeit wieder von vorne los. Das Schreiben ist der eigentliche Kern, denn Schreiben ist ein Stück Wirklichkeit und Autonomie. Ich setze ja etwas in die Welt, was noch gar nicht da ist. Deshalb bin ich auch froh, dass ich bis heute die Kraft und Energie habe, um weiter Bücher zu schreiben.

Aufgezeichnet von Maurice Arndt.

Info

Zur Person

Inge Buck

wurde am 13. Oktober 1936 in Tübingen geboren. Sie studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in ihrer Heimatstadt, sowie in München und Wien, wo sie 1968 promovierte. Anschließend produzierte sie für den Deutschlandfunk unter anderem Hörspiele. Später lehrte sie an der Hochschule Bremen in ihren Studienfächern. Ihr erstes Gedicht schrieb sie in den 50er Jahren. Bisher hat sie 15 Bücher veröffentlicht, ihr erstes 1986.

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