Kunst in der vierten Etage

„Abstraktionen“ verschönern die Flure

Da, wo sonst Finanzen dominieren, ist auch Plaz für Kunst. Bis Mai ist die Ausstellung „Abstraktionen“ im Kunst-Korridor des Haus des Reichs zu sehen.
01.03.2020, 06:34
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Chantall Moll
„Abstraktionen“ verschönern die Flure

Gudrun Eickelberg aus Schwachhausen ist eine der Künstlerinnen und Künstler, die im Finanzamt ausstellt. Für ihre Kunst verwendet sie Stoffe aus afrikanischen Ländern.

Roland Scheitz

„Die bunten Farben in dieser Ausstellung sind so optimistisch, dass man sich daran festhält“, sagt Dietmar Strehl. Der Senator für Finanzen zeigt sich bei der Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung „Abstraktionen“ im Finanzamt begeistert und berichtet von einem großen Publikum, das nachrückt. Außerdem begeistere ihn, dass so eine Ausstellung auf einer Büroetage möglich ist, wie er sagt. „Dieses Haus ist an sich schon ein Kunstwerk“, berichtet der Senator.

Siko Ortner suchte sich gemeinsam mit Sylvia Schriefer sechs Künstlerinnen und einen Künstler für „Abstraktionen“. Die abstrakte Malerei biete nicht nur den Künstlerinnen und Künstlern Freiräume zur Interpretation, sondern auch den Betrachterinnen und Betrachtern. Die Gemeinschaftsausstellung zählt rund 40 Bilder auf dem langen Gang in der vierten Etage des Finanzamts und verschönert dort die Wege zu den Büros. Genauso fing das Projekt auch vor rund neun Jahre an: Als eine Verschönerung, wie der Organisator Ortner berichtet. „Anfangs war es eine Verschönerung des Büroflurs, seit anderthalb Jahren machen wir das jetzt professionell“, erklärt er. Auf der Suche sind Ortner und Schriefer nicht nur nach professionellen Künstlerinnen und Künstlern, sondern auch nach denjenigen, die die Malerei als Hobby verfolgen. Der Kunst Korridor verstehe sich als einen Raum der Teilhabe und der Partizipation aller Bürgerinnen und Bürger, berichtet Ortner. Die Bilder der Gemeinschaftsausstellung zeigen unter anderem Reiseeindrücke, die Auseinandersetzung mit der Natur und ihre Naturkatastrophen, Eindrücke aus verschiedenen Ländern Afrikas und Interpretationen der Werke Franz Marcs.

Von Farbpigmenten bis Wandfarbe

„Was ich mache? Malen!“, sagt Karl Kodritsch. Der 71-Jährige ist der einzige Künstler unter den Frauen und zeigt drei Bilder, die 1,50 mal 1,40 Meter groß sind. Seit 1984 hat er seine Leidenschaft für die Malerei entdeckt und kreiert seitdem seine Bilder mit „Haut und Haar“. Angefangen hat er mit der klassischen Malerei, berichtet er. Dazu zählt der Künstler Landschaften und Porträts. Im Jahre 1993 besuchte er eine Ausstellung in Prag unter dem Thema „Floismus“, seitdem löste er sich von der realen Darstellung der Kunst. „Jede meiner Arbeiten ist ein Experiment und eine Herausforderung für mich selbst, gleichzeitig auch eine emotionale willkürliche Konstruktion“, verrät Kodritsch. In seiner Mischtechnik verwendet er unterschiedliche Farbe. Von hochwertigen Farbpigmenten bis zu Wandfarbe sei quasi alles dabei, berichtet er. Dabei konzentriert er sich vor allem auf eine Oberflächen Struktur. Bis zu einem Jahr malt er an einem Bild. „Ich hänge die Bilder auf und weiß noch nicht, ob sie fertig sind. Das ist eine sehr emotionale Sache“, sagt der Künstler. Emotionen seien auch das, was seine Bilder kennzeichnet. „Wenn ein Künstler ganz bewusst einen roten Punkt auf eine weiße Leinwand setzt, dann ist das Kunst für mich“, erklärt er. Denn bei Kunst gehe es für ihn vor allem um Emotionen und bewusste Gedanken. Wenn andere Menschen über die Bilder reden und interpretieren, was der Künstler damit ausdrücken wollte, dann ist das genau das Ziel der Kunst.

Ebenso Platz für Interpretationen lässt Delia Nordhaus. Die freischaffende Künstlerin engagiert sich in der Kunst-Szene Bremens. Sie initiierte den Kunsthafen Walle mit und sagt: „Ohne mich wäre der nicht entstanden.“ Außerdem leitet sie Bremer Kunstprojekte und die Galerie Wallerie. Neben ihren eigenen konstruierten Werken nimmt Nordhaus auch Auftragsmalerei an. Die 52-jährige Künstlerin stellt im Haus des Finanzamts fünf Monotypien ihrer Werkreihe vor, die sich das Thema Kissen zu eigen gemacht hat. Die Reihe entstand bereits 2009 und zählt hundert Bilder unterschiedlicher Farbtöne und Geschichten. Jedes Bild hat sein eigenes Farbkonzept, stellt wiederholt ein Kissen dar und lässt der Fantasie des Betrachters oder der Betrachterin freien Lauf. „Jedes Kissen hat in einer Nacht etwas erlebt“, sagt Nordhaus. Vor allem stellen sie Träume der auf ihn schlafenden Menschen dar. Senator Stehl plane, solche Arten von Ausstellungen alle zwei bis vier Monate im Finanzamt zu ermöglichen, wie genau das aussehen soll, stehe jedoch noch nicht fest.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Abstraktionen“ ist bis einschließlich Freitag, 8. Mai, in der vierten Etage des Haus des Reichs, Rudolf-Hilferding-Platz 1, zu sehen. Geöffnet ist sie montags und freitags von 8 bis 18 Uhr, dienstags und mittwochs von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+