Sportdeputation reagiert

Ärger über Schwimmbadpreise in Bremen

Seit Jahresbeginn sind die Bremer Bäder mit turnusgemäß erhöhtgen Eintrittspreisen am Start. Die Politik, zuletzt am Donnerstag die Sportdeputation, reagiert dennoch überrascht und teils verärgert.
10.01.2019, 22:09
Lesedauer: 3 Min
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Ärger über Schwimmbadpreise in Bremen
Von Justus Randt
Ärger über Schwimmbadpreise in Bremen

Erhöhte Preise fürs kühle Bad erhitzen die ­Gemüter.

Frank Thomas Koch

Neues Jahr, neue Preise. So handhabt es die Bremer Bäder GmbH seit 2013. Auch zum Jahreswechsel 2018/19 hat der Eigenbetrieb der Stadt die Eintrittspreise, wie angekündigt, um durchschnittlich 2,5 Prozent erhöht. Eine „routinemäßige Preisanpassung“ nannte es die Verwaltung in ihrem Bericht an die städtische Sportdeputation am Donnerstag – was noch einmal unterstrich, dass die Erhöhung des Badepreises alles andere als überraschend kam. Eigentlich, denn nicht nur Badegäste reagieren verärgert. Auch die SPD-Bürgerschaftsfraktion setzt sich mit einer Initiative dafür ein, die Preiserhöhung rückgängig machen.

Ehe sich die Bürgerschaft des Themas annimmt, gingen die Deputierten noch einmal mit der Preisänderung ins Gericht. Und nicht zuletzt war die Rede von einem Mangel an „Stil und Seriosität“, den Peter Zenner (FDP) Staatsrat Jan Fries vorwarf: „Mich hat die Ankündigung geärgert, wir haben uns über ein Jahr lang mit Preisen für die Bäder beschäftigt“, spielte er auf das sogenannte Schwimmkonzept an. „Ich hätte mir gewünscht, das nicht aus der Zeitung zu erfahren.“

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Der Gescholtene, auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bremer Bäder GmbH, erinnerte daran, dass es in den Haushaltsberatungen der vergangenen zwei Jahre immer schon schwierig gewesen sei, „das Notwendigste“ durchzukriegen. „Wir waren froh, mit der moderaten Erhöhung hinzukommen, ohne den Sporthaushalt zusätzlich zu belasten“, sagte er und sprach damit die Bäder-Geschäftsführerin Martina Baden direkt an. Das Schwimmkonzept „für mehr sichere Schwimmerinnen und Schwimmer im Lande Bremen“, von dem Zenner gesprochen hatte, lasse sich nur unter dem Vorbehalt durchsetzen, dass Geld vorhanden sei.

Prioritäten müssen abgewogen werden

„Das ist ein ungedeckter Scheck“, sagte Jan Fries. „Es geht darum, das Schulschwimmen zeitlich und personell zu stärken, den Unterrichtsbeginn vom dritten auf das zweite Schuljahr vorzuziehen und Vereine und die DLRG in die Lage zu versetzen, mehr Angebote machen zu können“, fasste er zusammen. „Wir müssen Prioritäten abwägen. Das Gießkannen-Preissystem, mit dem alle gleichermaßen geschont werden, ist nicht der Weg. Eine Rücknahme der Preise für nicht subventionierte Tickets würde uns fehlen. Man lügt sich in die Tasche.“

Genau dies hatte Cindy Tuncel (Linke) gefordert. „Es ist schade, dass wir nicht vor dem 1. Januar zusammengesessen haben. Wir hätten sicher einen Weg gefunden, es geht lediglich um 200 000 Euro“, sagte er und wandte sich an die Deputation. „Wenn Sie es ernst meinen und nicht in Richtung Wahl taktieren, kriegen wir das hin.“

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Mustafa Öztürk (Grüne) erinnerte daran, dass der Aufsichtsrat gezwungen sei, kostendeckend zu wirtschaften. „Die sind an Haushaltsbeschlüsse gebunden, die wir, Rot-Grün, gefasst haben.“ Andere sahen das anders. „Inhaltlich finde ich die Erhöhung falsch“, sagte Marco Lübke (CDU). Er ist für ein Aussetzen der Preissteigerung. „Damit treffen wir die, die wir eigentlich in die Schwimmbäder kriegen wollen.“

Es ging nur darum Kenntnis zu nehmen

Zu entscheiden gab es allerdings nichts, es ging lediglich darum, zur Kenntnis zu nehmen, dass die regelmäßige Preisanpassung auf einen Senatsbeschluss zurückgeht. Die SPD hatte zudem um eine Übersicht der Preisentwicklung und der Besucherzahlen gebeten. Demnach stieg die Zahl der Besucherinnen und Besucher in Bremer Bädern 2018 gegenüber dem Vorjahr um 124 474 auf 1 332 925.

Die Deputationsvorsitzende, Ingelore Rosenkötter (SPD), teilte die Kritik Peter Zenners an der „durchaus überraschend“ bekannt gewordenen Preiserhöhung und kritisierte, dass sich aus der Auflistung Steigerungen von teilweise acht statt 2,5 Prozent ergäben – „möglicherweise ein Fehler“. Martina Baden nahm den Auftrag mit, das nachzurechnen.

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Auch Anja Stahmann (Grüne), Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend, Frauen, Integration und Sport, schwebt eine sozial gestaffelte Preistafel vor. „An welchen Schrauben man da drehen kann, muss Frau Baden vorschlagen.“ Die Bädergeschäftsführerin wiederum macht sich Hoffnung, dass ein im Sommer erwartetes neues Kassen- und Zutrittskontrollsystem möglicherweise die technische Grundlage für mehr Flexibilität bilden könne.

Das letzte Wort ist in der Angelegenheit noch nicht gesprochen. „Es wird weitere politische und parlamentarische Befassungen geben“, sagte Ingelore Rosenkötter. „Ob sich nicht nur Herzen, sondern auch offene Portemonnaies öffnen, ist Sache der Bürgerschaft.“

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