Interview Alexandra Werwath: „Gutes Ergebnis dank Klimathemen“

Alexandra Werwath (26) ist, neben Hermann Kuhn, Landesvorstandssprecherin der Grünen. Was sie zum Ausgang der Bürgerschaftswahl sagt.
26.05.2019, 21:30
Lesedauer: 2 Min
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Alexandra Werwath: „Gutes Ergebnis dank Klimathemen“
Von Justus Randt

Was ist Ihnen nach der 18-Uhr-Prognose zuerst durch den Kopf gegangen?

Alexandra Werwath: Whow, ich bin, ehrlich gesagt, total geplättet, natürlich haben die Umfragen in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sich das einpendelt, da war wenig Spielraum drin. Aber trotzdem, dass Umfragen oder dass prognostizierte Stimmen am Ende des Tages auch zu Wahlstimmen werden – da kann ich nur mit Demut rangehen. Da hat der Wähler, die Wählerin mich noch mal echt von den Socken gehauen.

Was sagen Sie zur Wahlbeteiligung?

Das ist der Hammer: 68 Prozent in Bremen. Das wollte ich eigentlich eben noch auf der Bühne sagen wollen. Ich bin heute im Wahllokal gewesen und war völlig erstaunt, wie viele Leute da waren. Allein die Briefwahlbeteiligung in den letzten Wochen war der Hammer. Die Bremerinnen und Bremer haben gemerkt, es gab was zu entscheiden und daran wollten sie partizipieren, und sie wollten die schlechte Wahlbeteiligung beim letzten Mal nicht auf sich sitzen lassen.

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Wie weit waren denn Klimaschutzthemen ausschlaggebend?

Wenn man sich die Gesellschaft gerade anschaut, dann sind Klimaschutzthemen total relevant und in der Breite der Gesellschaft mittlerweile angekommen. Der Hitzesommer 2018 hat viele Leute zum Nachdenken darüber gebracht: Was passiert hier eigentlich gerade mit unserem Planeten, und ist das noch normal? Eine junge Generation möchte nicht mehr, dass ihre Zukunft in Kohlekraftwerken verheizt wird. Und das hat, glaube ich, auch für ein gutes grünes Ergebnis hier in Bremen gesorgt.

Hat es sich für die Grünen ausgezahlt, im Wahlkampf auf Abstand zum langjährigen Koalitionspartner SPD zu gehen?

Wir sind nicht auf Abstand gegangen, laut Wahlumfragen gab es für Rot-Grün einfach keine Mehrheit. Wir wissen, dass wir mit unseren Themen auch andere Leute erreichen als 2007, als es ein klassisches rot-grünes Lager gab – und damit wollten wir unsere Wählerinnen und Wähler auch erreichen. Rot-Grün hat sich über die Jahre abgenutzt.

Welche Koalition wäre Ihre Lieblingskonstellation?

Meine Lieblingskonstellation ist die, in der die meisten grünen Inhalte umgesetzt werden, und das mache ich auch zur Maßgabe. Deswegen haben uns die Wählerinnen und Wähler das Vertrauen mit auf den Weg gegeben.

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Das bisher fehlende Bekenntnis hat auch für Unsicherheit gesorgt, wem Grünen-Wähler mit ins Boot verhelfen.

Das Parteiensystem ist mittlerweile so volatil geworden, es gibt nicht mehr die klassischen Volksparteien, das sieht man auch heute Abend bei diesem Ergebnis. Die Parteien nähern sich immer stärker aneinander an, es findet also mehr auf Augenhöhe statt. Deswegen stellt sich auch die Frage von Koalition für uns neu. Aber als Grüne bleiben wir immer dabei: Die Inhalte entscheiden.

Auch als sogenannte Königsmacher werden die Grünen Kompromisse machen müssen. Was schließen Sie aus?

Wir reden mit allen demokratischen Parteien, das ist für uns klar. Für uns ist klar, dass wir Klimaschutz und Verkehrswende ganz enorm pushen wollen in Bremen, um die Klimakrise noch aufhalten zu können. Gleichzeitig muss man auch sagen, dass wir nicht wieder in die Schuldenspirale reingehen wollen. Letzte Woche hat man es ja gesehen: Die Schuldenuhr geht jetzt rückwärts.

Die Fragen stellte Justus Randt.

Info

Zur Person

Alexandra Werwath (26) ist, neben Hermann Kuhn, Landesvorstandssprecherin der Grünen. Sie studiert Soziologie an der Universität Bremen.

Wir haben für Sie die Diskussion zur Bürgerschaftswahl 2019 unterhalb des Liveblogs gebündelt. Dort können Sie gerne kommentieren. Wir freuen uns über Ihren Beitrag unter www.weser-kurier.de/bremenwahl-liveblog

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