Kassenreport für Bremen und Niedersachsen

Alkoholkonsum treibt Krankenstand hoch

Tausende Arbeitnehmer in Bremen und Niedersachsen konsumieren Alkohol in einem riskanten Maß. Betroffene fehlen doppelt so häufig am Arbeitsplatz. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK hervor.
02.07.2019, 11:00
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Alkoholkonsum treibt Krankenstand hoch
Von Sabine Doll

Alkohol, Zigaretten und Computerspiele: Das Suchtrisiko von Arbeitnehmern in Bremen und Niedersachsen wirkt sich gravierend auf Betriebe und die Erwerbstätigen selbst aus.

Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK mit dem Titel „Sucht 4.0 – Trinken, Dampfen, Gamen“, der an diesem Dienstag für beide Bundesländer in Hannover vorgestellt wurde.

Für die Untersuchung hat das Iges-Institut in Berlin die Daten von 13.300 Versicherten in Bremen und 237.000 Versicherten in Niedersachsen ausgewertet. Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

Allgemeiner Krankenstand: In Bremen und Niedersachsen hat der Krankenstand 2018 ein erneutes Rekordhoch erreicht – die Ausfalltage nahmen in beiden Ländern im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent auf 4,3 Prozent zu. Der Bundesschnitt liegt bei 4,2 Prozent.

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In Bremen entfällt etwa jeder fünfte Krankheitstag (19,7 Prozent) auf Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Danach folgen psychische Erkrankungen mit 18 Prozent und Erkrankungen des Atmungssystems, dazu zählen Atemwegsinfekte, mit 14,3 Prozent.

In Niedersachsen ist die Reihenfolge mit Muskel-Skelett-Erkrankungen (21,2 Prozent), psychischen Leiden (15,8 Prozent) und Erkrankungen des Atmungssystems (14,6 Prozent) bei leicht veränderten Quoten identisch.

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Suchtproblematik: Der Krankenstand von Arbeitnehmern mit einer sogenannten Substanzstörung wie einer Alkoholabhängigkeit ist in Bremen mit 8,2 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei Kollegen ohne auffällige Probleme.

Sie fehlten nicht nur im Job aufgrund von Krankmeldungen wegen ihrer Suchtproblematik. „Vielmehr zeigen sich bei ihnen in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den psychischen Leiden, hier sind die Fehltage fast dreimal so hoch“, heißt es in dem Gesundheitsreport.

In Niedersachsen ist der Krankenstand der Betroffenen im Vergleich zu Kollegen ohne auffällige Probleme mit 7,3 Prozent ebenfalls fast doppelt so hoch.

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Alkohol: Vor allem der Alkoholkonsum sticht in der Erhebung bei heraus: In Bremen ist mit 74 Prozent der Großteil der Krankmeldungen bei einer Suchtproblematik auf Alkohol zurückzuführen – der Bundesschnitt liegt bei 74,5 Prozent. In Niedersachsen ist der Anteil mit 81 Prozent noch einmal deutlich höher. Laut der Studie hat jeder zehnte Arbeitnehmer in Bremen und in Niedersachsen jeder neunte einen riskanten Alkoholkonsum.

Als Grenzwerte für riskante Alkoholtrinkmengen nennt die Krankenkasse mehr als zwölf Gramm pro Tag für Frauen und 24 Gramm für Männer. Riskant deshalb, weil das Risiko für alkoholbedingte Folgeschäden ab dieser Trinkmenge relevant steige. 42.000 Beschäftigte in Bremen und 425.000 in Niedersachsen setzen sich nach Angaben der Studie damit Risiken aus, krank oder abhängig zu werden.

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Der Landeschef der Krankenkasse im kleinsten Bundesland, Jens Juncker: „Beim Thema Alkoholprävention fehlen auch in Bremen noch flächendeckende und wirksame Angebote.“

Rauchen: Rauchen ist nach den Zahlen des Reports die verbreitetste Sucht in Bremen und Niedersachsen: Im kleinsten Bundesland ist danach jeder sechste (17,8 Prozent) und im Nachbarbundesland fast jeder achte Arbeitnehmer (12,7 Prozent) zigarettenabhängig.

Der Anteil in Bremen liegt damit deutlich über dem Bundesschnitt von 16,1 Prozent – umgerechnet entspricht dies im kleinsten Bundesland 72.000 Beschäftigte, die an der Zigarette hängen. Deutlich weniger verbreitet ist dagegen der Studie zufolge das Rauchen von E-Zigaretten in Bremen: „Derzeit dampfen 1,1 Prozent der Arbeitnehmer, bundesweit greifen fünf Prozent zur elektronischen Rauchvariante“, heißt es in dem Report.

In Niedersachsen sind es 3,6 Prozent. Raucher von E-Zigaretten konsumierten häufig parallel herkömmliche Zigaretten. Dampfer fänden sich deshalb fast ausschließlich unter Rauchern und Ex-Rauchern. Bundesweit konsumiere mit 85 Prozent die deutliche Mehrheit Liquid mit Nikotin. Juncker: „Dampfen mit Nikotin oder Tabak führt in die Abhängigkeit, genau wie herkömmliche Zigaretten. Deshalb brauchen wir endlich ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten – und E-Zigaretten.“

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Computerspiele: Erstmals hat der Report auch die Auswirkungen von Computerspielen (Gaming) auf die Arbeitswelt untersucht. Danach spielen rund 60 Prozent der Beschäftigten in Bremen Computerspiele, 7,5 Prozent gelten als riskante Gamer, was 30.000 Menschen entspricht.

Sie zeigten ein auffälliges Nutzungsverhalten. Für Niedersachsen beziffert die Krankenkasse den Anteil riskanter Spieler auf 5,2 Prozent, was 196.000 Arbeitnehmern mit einem auffälligen Nutzungsverhalten entspreche. Vor allem junge Erwerbstätige zwischen 18 und 29 Jahren (11,6 Prozent) seien riskante Computerspieler.

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