Seilbahn in Bremen

Allerhand Konzepte für den himmlischen Stadtverkehr

Nicht nur in Bremen ist eine Seilbahn Thema: Wo es in Deutschland sonst noch Konzepte, Pläne und tatsächlich Seilbahnen gab und gibt.
19.02.2019, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Allerhand Konzepte für den himmlischen Stadtverkehr
Von Justus Randt
Allerhand Konzepte für den himmlischen Stadtverkehr

Eine Gondel der Rhein-Seilbahn überquert im Jahr 2012 in Köln den Rhein und den Rheinpark.

Oliver Berg/dpa

Das Wuppertaler Seilbahnprojekt gilt als „entscheidungsreif“. Nach jahrelanger Planung geht es um die Gestaltung der Talstation und ein auf die Seilbahn abgestimmtes Buslinienkonzept. Auch wenn darüber noch gestritten wird, könnte Wuppertal die erste deutsche Stadt sein, die eine Seilbahn als innerstädtisches Verkehrsmittel über bewohntem Gebiet baut und betreibt. Auch in Bonn und Ratingen werden hoch hängende Stadt-Pläne diskutiert.

Als touristisches Fortbewegungsmittel, zumeist in freier Wildbahn, ist das Konzept Seilbahn längst etabliert. In Berlin wird versucht, das Überbleibsel der internationalen Gartenschau 2017 ins Netz der Verkehrsbetriebe zu integrieren. In Koblenz, wo die Seilbahn 2011 zur Bundesgartenschau gebaut wurde, verkehrt sie noch heute und bringt Touristen auf dem kürzesten Weg, der Luftlinie, zur Festung Ehrenbreitstein, und in Rüdesheim hat eine Seilbahn das mittelalterliche Foltermuseum zum Ziel.

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Die 90 Jahre alte Stuttgarter Standseilbahn wird von ihren Betreibern als Technikdenkmal bezeichnet. Im Volksmund heißt das Bähnchen, das zwischen Südheimer Platz und Waldfriedhof pendelt, Erbschleicherexpress. In Stuttgart-Vaihingen unterdessen versucht der grüne Städtebaubürgermeister Peter Pätzold aktuell, eine „urbane Luftseilbahn“ ins Verkehrsleben zu rufen. Im Sommer wird mit dem Ergebnis einer Grundlagenstudie gerechnet.

Pläne per Bürgerentscheid

Wie die schwäbische Metropole kämpft auch München gegen das Verkehrschaos und hat erst vor wenigen Wochen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wird im März des kommenden Jahres erwartet. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wünscht sich eine viereinhalb Kilometer lange Verbindung in west-östlicher Richtung, um den öffentlichen Nahverkehr zu bereichern und die Straßen zu entlasten. Für den Start ist das Jahr 2015 angepeilt. Die Baukosten werden mit 50 Millionen Euro veranschlagt. Das ist ein Zehntel dessen, was nach Kalkulation eines namhaften Seilbahnbauers eine entsprechende U-Bahn-Strecke kosten würde.

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Zu denjenigen, die das Thema Seilbahn zumindest zeitweilig verfolgt haben, zählt die Stadt Kiel. Im Jahr 2013 hatten Studenten der Fachhochschule ein Seilbahn-Projekt vorgestellt. Ab einer halben Million Fahrgäste pro Jahr könne sich der Betrieb der Bahn über die Förde rechnen, schätzen sie damals. 1,8 Kilometer lang wäre die Strecke gewesen. Schon ein Jahr später verlaufen sich die Nachrichtenspuren. Eine mit gut 140 Metern Strecke viel kleinere Seilbahn hatte es allerdings schon früher in Schleswig-Holsteinischs Hauptstadt gegeben: Von 1974 bis 1988 pendelte sie zwischen einem Kaufhaus und dessen jenseits des Bootshafens gelegenem Parkhaus.

Auch Hannover hatte eine Seilbahn

Hamburg hatte im Jahr 2015 per Bürgerentscheid Pläne für eine Seilbahn über die Elbe zu den Akten gelegt. Die 1,5 Kilometer lange Verbindung hätte rund 35 Millionen Euro kosten sollen. Vor etwa einem Jahr wurde ein neuer Anlauf an anderer Stelle bekannt: Stadtplaner stellen sich vor, so den Campus der Technischen Universität mit geplanten Neubauten an einem zweiten Standort im Harburger Binnenhafen zu verbinden.

Wie Kiel hat hat auch Niedersachsens Hauptstadt Hannover schon einmal eine Seilbahn gehabt: Die Gondelbahn schwebte zur Expo 2000 über dem Weltausstellungsgelände, wurde jedoch im selben Jahr wieder abgebaut. Nach neuesten Zahlen (Stand Ende 2017) des Verbandes Deutscher Seilbahnen verkehren in Niedersachsen neun Standseilbahnen. Pläne der Grünen in Hannover, die Zahl auf zehn zu erhöhen und so ein neues Baugebiet mit der Innenstadt zu verbinden, scheiterten. Nun soll eine S-Bahn-Strecke gebaut werden. Auch die ostfriesische Insel Baltrum, deren parteiloser Bürgermeister Berthold Tuitjer vor zwei Jahren eine Seilbahn ins Gespräch brachte, um seine Insel auch bei Niedrigwasser erreichbar zu halten, wird nicht angeleint.

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