Restaurantbesprechung

Alles außer Fleisch im Vengo

Das Vengo mag beim Service, bei der Präsentation der Speisen und vom Ambiente her teilweise unkonventionell sein. Aber leckere vegetarische und vegane Küche gibt es in diesem Lokal im Viertel ohne Frage.
31.10.2019, 17:47
Lesedauer: 3 Min
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Alles außer Fleisch im Vengo
Von Marcel Auermann
Alles außer Fleisch im Vengo

Küchenchef Ronald Perera bringt alles, was die vegetarische und vegane Küche zu bieten hat, auf den Tisch – und das ziemlich lecker.

Christina Kuhaupt

Wer glaubt, dass vegetarische und vegane Küche nur eine Minderheit ansprechen, der sollte ins Vengo im Viertel gehen. Wie gut, dass wir einen Tisch reserviert hatten. Denn dieser Laden brummte an diesem Sonnabendabend so sehr, dass es im Lokal noch bedeutend wärmer war als an diesem ohnehin milden Tag. Im Vengo wird einem auch sehr schnell deutlich, dass es sich nicht nur um hippe Jugendliche und junge Erwachsene handelt, die sich fleischlos ernähren wollen. Es saßen auch etliche Semester jenseits der 50 und 60 an den Tischen. Diese schöne Mischung des Publikums gefiel uns.

Klar, hier darf man kein edles Gourmetrestaurant mit blütenweißer Tischdecke und gestärkten Stoffservietten erwarten. Und auch kein Personal, das piekfein auf bestem Porzellan das Essen an den Tisch bringt. Aber: Jeder Beschäftigte ist sehr freundlich und hilfsbereit. Jeder trägt ein Lächeln im Gesicht und fragt, ob es einem schmeckt. Ja, das ist teilweise mehr als in so manchem noblen Lokal und bereitete uns einen schönen Besuch. Selbst wenn die Wohn- und Esszimmeratmosphäre und die Kunden des Außer-Haus-Geschäfts zu einer gewissen Unruhe im Vengo beitragen. Egal, wer in Bremen vegetarisch und vegan essen gehen möchte, sollte dieses Restaurant im Viertel ansteuern.

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Wir ließen uns komplett auf die Gerichte und Getränke ein. Wir begannen den Abend mit einem roten und grünen Gemüsesaftmix (3,80 Euro). Beide Mischungen schmeckten erfrischend und süffig. Als noch viel größerer Kracher erwies sich meine Thai-Zitronengrassuppe mit Koriander und Kokosmilch (4,30 Euro), weil sie pikant auf der Zunge kribbelte und vollmundig schmeckte, sodass ich am liebsten eine doppelte Portion des Schälchens ausgelöffelt hätte. Meine Begleitung schaute etwas traurig, als sie von meiner Suppe probierte. Denn ihre eigene Möhren-Erdnuss-Suppe (4,30 Euro) war eher lasch, hätte also noch einige Gewürze vertragen. Da fehlte eindeutig der Wumms.

Ähnlich erging es uns mit dem Petersilien-Avocado-Hummus, den wir unbedingt noch auf unserem Tisch sehen wollten, nachdem wir von der Theke mit der großen Antipasti-Auswahl angefixt waren. Doch der grüne Hummus schmeckte nur wenig nach Petersilie und wenig nach Avocado. Es war nur ein cremiger Aufstrich. Vielmehr begeisterte uns das Roggenbrot mit krosser Kruste und fluffiger Krume, das uns sowohl zu den Suppen als auch zum Hummus serviert wurde.

Unsere Hauptspeisen waren sicher kein Augenschmaus, weil sie der Koch schlicht ohne große Schnörkel auf die Teller legte. Aber geschmacklich gefielen sie uns gut. Die Pink Pasta (7,90 Euro) meiner Begleitung war mit Rote-Bete- und Zucchinistücken gespickt. Die geschmeidige, leicht ölige Soße generierte sich fast ausschließlich aus den Zutaten. Diese waren aber allesamt so gut gewürzt, dass es an der großen Portion Nudeln nichts zu meckern gab. Mein Ananas-Kichererbsen-Curry (8,90 Euro) besaß eine zu dominante Schärfe. Das lag auch daran, weil der Koch zu wenig Ananas einsetzte, die durch ihr süßliches Aroma eine zusätzliche Note in das Gericht gebracht hätte. Der Reis und die vielen Kichererbsen stopften mächtig. Zu den Hauptgerichten tranken wir einen Rotwein, den einzigen auf der Karte, der gerne mehr Bouquet und dichter hätte sein dürfen (0,2 Liter für 4,50 Euro).

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Auch wenn wir schon gut gesättigt waren, wollten wir das Vengo nicht ohne einen Nachtisch verlassen. Die Neugierde trieb uns an. Ich wählte ein Schoko-Avocadomousse (3,90 Euro), das ganz zart und mit einem immensen Schmelz im Mund lag. Schade, dass nur ein so kleines Gläschen mit diesem wahrlich grandiosen Dessert gefüllt war. Der Schokokuchen (3,90 Euro) meiner Begleitung hatte feste Böden, was oftmals auf harte, fast ungenießbare Teile hin­deutet. In diesem Fall machte sie Fett ­flutschig. Die Schokocreme war ohnehin lecker.

Fazit: Das Vengo mag beim Service, bei der Präsentation der Speisen und vom Ambiente her teilweise unkonventionell sein. Aber leckere vegetarische und vegane Küche gibt es in diesem Lokal im Viertel ohne Frage. Ein Besuch lohnt sich also allemal. Der Gast sollte sich einfach auf diese für manchen vielleicht neue Speisen einlassen und genießen.

Vengo – die Gemüseküche, Ostertor­steinweg 91, 28203 Bremen, Telefon: 0 4 21 / 89 78 52 43, Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch von 11 bis 21 Uhr, Donnerstag bis Samstag von 11 bis 22 Uhr, teilweise ­barrierefrei, Internet: www.vengo-bremen.de

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