Neue Ausstellung in der Weserburg

Andrea Bowers: Light and Gravity

Die Amerikanerin Andrea Bowers verknüpft politisches Engagement mit ihrer künstlerischen Arbeit. Was dabei herauskommt, ist ab dem 28. September in der Weserburg zu sehen.
25.09.2019, 18:09
Lesedauer: 3 Min
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Andrea Bowers: Light and Gravity
Von Alexandra Knief
Andrea Bowers: Light and Gravity

Parolen für alle: Die Arbeit "Political Ribbons" besteht aus Satinstreifen, die Besucher mit nach Hause nehmen dürfen.

Tobias Hübel/Weserburg

Mit weißen Schutzstulpen über den Schuhen schlurft eine kleine Gruppe Menschen durch das Museum Weserburg. Das ist amüsant anzusehen und passt zum Rest der Szenerie: Planen an den Wänden schützen, was nicht dreckig werden soll, und teilen den Raum in unterschiedliche Bereiche. In dem einen stehen Ausstellungsstücke bereit, die noch nicht in ihre endgültige Position gebracht wurden, in dem anderen wird gerade konzentriert gearbeitet – mit Grafit. Und der soll nicht unter den Schuhen hängen bleiben.

Verantwortlich für das kleine Durcheinander mitten im Museum ist die amerikanische Künstlerin Andrea Bowers, der die Weserburg ab Sonnabend unter dem Titel „Light and Gravity“ eine Ausstellung widmet. Die Künstlerin ist bekannt dafür, politisches Engagement und künstlerische Arbeit zu verknüpfen. Ästhetik trifft Protest trifft feministische Sichtweisen. Der Klimaschutz findet hierbei genauso seinen Platz wie die #MeToo-Bewegung, Kritik an Waffengesetzen, Alltagsrassismus oder Abtreibungsdebatten.

Zwei Arbeiten für Bremen

Es ist die erste Überblicksschau zu Bowers Schaffen weltweit, mit Werken aus den vergangenen 15 Jahren. Zwei Arbeiten hat die in Los Angeles lebende Künstlerin extra für die Bremer Ausstellung angefertigt. An einer arbeitet sie auch zwei Tage vor der Eröffnung noch: Es ist ein großes Wandbild mit dem Titel „Peoples' Initiative Poetic Protest“, das bedrohlich düster mit Grafit gemalte Blätter und Zitate zeigt, die sich auf den aktuellen Protest vieler Bürger gegen die Abholzung der 136 Platanen an der kleinen Weser zugunsten des Hochwasserschutzes beziehen.

Ihre zweite für Bremen entstandene Arbeit „Political Ribbons“ ist farbenfroher und bündelt eine ganze Liste an gesellschaftlichen Gegebenheiten, die Grund zum Protest bieten – zusammengetragen von Bowers' Team und dem Team der Weserburg. Auf dicht gehängten bunten Satinbändern stehen nun Parolen in Deutsch und Englisch stellvertretend für die Debatten, die aktuell Europa und Nordamerika prägen, von „equal means equal“ („gleich heißt gleich“) über „let boys be feminine“ („Lasst Jungs feminin sein“) bis hin zu „Kein Asyl für Nazis“. Wer mag, darf sich eine Parole mit nach Hause nehmen.

Künstlerische Vielseitigkeit

Insgesamt bestechen die Arbeiten von Bowers durch ihre Vielseitigkeit: An einer Stelle verarbeitet sie Fotografien von Protestbewegungen der 1980er-Jahre und macht daraus unfassbar realistische Zeichnungen; einen Raum weiter hängen große Bögen farbigen Geschenkpapiers, bedruckt mit Parolen der Arbeiterbewegung. Hier und auch in anderen Werken nutzt Bowers Mittel der Ästhetik und Farbigkeit, um den Betrachter erst einmal anzulocken und ihn dann mit der tieferen Botschaft zu konfrontieren. Ähnlich verhält es sich auch bei der Arbeit „Feminists Fans“ – bunt besprühte Fächer, die erst bei genauerem Hinsehen Sätze wie „It‘s okay to be angry“ („Es ist in Ordnung, wütend zu sein“) oder „Empower Women“ („Gebt Frauen mehr Macht“) offenbaren. Bowers arbeitet mit Videoelementen, nutzt historisches Material, schafft Installationen, macht aus alten Illustrationen zeitgemäße Adaptionen in Großformat auf Pappe oder stellt den Betrachter vor die blinkende Leuchtschrift „Trust Women“.

Eine beeindruckende dreiteilige Arbeit findet sich mit „Letters to The Army of Three“ auf der fünften Ebene des Museums: Die Army of Three waren drei amerikanische Frauen, die sich in den 1960er- und 70er-Jahren für die Rechte von Frauen, insbesondere auf dem Gebiet Geburtenkontrolle und Abtreibung stark machten. Bowers kombiniert Abdrucke von Briefen, die verzweifelte Frauen, ihre Partner oder Familien vor rund 50 Jahren an die Helferinnen geschickt haben erneut mit ästhetischen Aspekten in Form von buntem Geschenkpapier. „Light and Gravity“ ist eine sehenswerte Ausstellung, die zum friedlichen Protest aufruft – und dabei auch noch gut aussieht.

Weitere Informationen

Andrea Bowers: Light and Gravity ist bis zum 23. Februar 2020 in der Weserburg, Museum für Moderne Kunst, Teerhof 20, zu sehen. Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr.

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