Osterdeich-Anwohner machen mobil

Erneuter Protest gegen die Video-Wand am Weserstadion

Anwohnerschaft reicht beim Ausschuss für Bauen, Wohnen und öffentlichen Raum des Beirates Östliche Vorstadt Unterschriftensammlung gegen das Projekt ein.
31.03.2021, 17:27
Lesedauer: 3 Min
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Erneuter Protest gegen die Video-Wand am Weserstadion
Von Sigrid Schuer
Erneuter Protest gegen die Video-Wand am Weserstadion

An dieser Seite des Stadions soll eine Video-Wand montiert werden.

Petra Stubbe

Der Widerstand, speziell der Anwohnerschaft am Osterdeich, gegen die von Wohninvest, dem Sponsor des SV Werder Bremen geplante Video-Wall an der Außenwand des Weserstadions, reißt nicht ab. Er nimmt sogar noch zu. Innerhalb von drei Tagen hat nun eine verärgerte Anwohnerin 128 Unterschriften gegen die Video-Wand gesammelt und sie mit einem Antrag an den Fachausschuss Bauen, Wohnen und öffentlicher Raum des Beirates Östliche Vorstadt gesandt, mit der Bitte, das geplante Projekt zu verhindern.

Die Ausschuss-Mitglieder waren sich in Ihrer jüngsten, digitalen Sitzung einig: Mit diesem Antrag würde die Anwohnerin offene Türen einrennen. Hatte der Beirat doch schon selbst vor einem Jahr in einem einstimmigen Beschluss ein vehmentes Veto gegen die von Wohninvest geplante Video-Wall eingelegt. Das Argument: Das nötige Baurecht, das dafür geschaffen werden müsste, sei nicht mit den Grünanlagen in der Pauliner Marsch kompatibel. Das Bauressort beschied allerdings diesen Beschluss negativ. Das Argument, das es dagegen setzte: Da es sich bei dem Weserstadion um einen Industriebau handele, greife hier das Baurecht, zumal die Wand nur zur Hälfte auf den Osterdeich und zur anderen Hälfte zur Stadtseite hin wirke, erläuterte Manuela Jagemann vom Ortsamt die Argumentation der Baubehörde und der dort angesiedelten Schlichtungsstelle.

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In dem der Unterschriftensammlung beigefügten Antrag wird nun moniert, dass es für die Anwohnerschaft keinerlei Informationen gegeben hätte. Weiterhin heißt es da, dass die Pauliner Marsch kein Gewerbegebiet sei und die Reklame, die über die Video-Wand flimmern solle, alles andere als gemeinwohlfördernd sei, ja mehr noch, eine massive Einschränkung des Lebens bedeute und das alles zugunsten materiell geleiteter Interessen. Erschwerend hinzu komme die Ressourcen-Verschwendung und die Lichtverschmutzung, deren Auswirkungen ja bekannt seien. Harald Klussmeier von den Grünen empfahl, den Protest-Antrag zur Kenntnis zu nehmen, zu unterstützen und an die dementsprechenden Stellen weiterzuleiten. Beigefügt werden solle zwecks Bekräftigung der Beschluss des Beirates.

Peter Altvater von der Bürgerinitiative „Leben im Viertel“ merkte an, dass Wohninvest noch mit der Realisierung der Wand wegen einer Klage-Androhung gewartet habe. Er äußerte ebenso seine Verwunderung wie Peter Böhme von den Linken darüber, dass das Bauantrags-Ansinnen von Wohninvest über die 250 Quadratmeter große Video-Wand vom von einer grünen Senatorin geleiteten Bau-, Klima- und Umwelt-Ressort so wohlwollend durchgewinkt worden sei. Altvater und Böhme wollten unisono wissen, ob es für die grünen Mitglieder des Beirates Östliche Vorstadt nicht möglich sei, auf ihre Fraktion noch einmal Druck zu machen.

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Sie ärgerten sich zudem darüber, dass Werder es versäumt habe, auf die Anwohnerschaft zuzugehen und einfach Fakten geschaffen wurden. Darin sehe er einen Bruch des Moderationsverfahrens nach nur zwei Monaten, so Altvater weiter. Böhme und Altvater meinten, dass berechtigte Zweifel an der Seriosität und der Verlässlichkeit des Partners Werder angebracht seien, zumal ja auch lediglich derjenige einen Bauantrag stellen könne, der Eigentümer des Grund und Bodens sei, und zwar Werder und nicht Wohninvest.

Rainer Ballnus (SPD) forderte dazu auf, die emotionale Schiene zu verlassen, schließlich gehe es hier um Recht und Gesetz. Böhme insistierte allerdings noch einmal: In solchen Fällen müsse Werder das Leitbild-Gremium einberufen, um mit der Anwohnerschaft ins Gespräch zu kommen. Manuela Jagemann beschwichtigte schließlich: „Wir sind uns doch im Prinzip einig“ und beendete damit die Diskussion. A propos Pauliner Marsch: Peter Böhme hat einen weiteren Antrag und zwar zur Aufstellung von ein bis zwei weiteren Bänken gestellt. Die Finanzierung könne über das Programm „Bänke für Bremen“ oder über die Stiftung Pauliner Marsch erfolgen. Nun wollen die Ausschuss-Mitglieder einen Ortstermin vereinbaren.

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