Noch im Oktober

Quarantäne-Regeln werden verschärft

Rückkehrer aus Risikogebieten sollen die Quarantäne künftig frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Corona-Test abkürzen können. Außerdem sollen sie die Tests selbst zahlen.
06.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Quarantäne-Regeln werden verschärft
Von Sabine Doll
Quarantäne-Regeln werden verschärft

Künftig sollen Reiserückkehrer aus Risikogebieten die Kosten für den Corona-Test aus eigener Tasche zahlen.

Michael Reichel /dpa

Weil die Zahl der Corona-Infektionen weltweit zunimmt, sollen noch im Oktober verschärfte Regeln für Einreisende aus Risikogebieten gelten. Demnach wird die Quarantäne-Dauer voraussichtlich zwar auf zehn Tage herabgesetzt, bislang beträgt sie 14 Tage. Aber erst nach fünf Tagen soll es möglich sein, mit einem negativen Test die Quarantäne zu verkürzen. Darüber haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die zuständigen Minister am Montag beraten.

Bremen will die verschärften Regelungen übernehmen, wenn sie vom Corona-Kabinett beschlossen werden, bestätigt Lukas Fuhrmann, Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), dem WESER-KURIER. „Wir werden keinen nationalen Alleingang machen. Die Neuregelung wird dann in die Rechtsverordnung des Landes Bremen gegossen." In der vergangenen Woche hatte der Bund bereits den Entwurf für eine aktualisierte „Musterverordnung zu Quarantänemaßnahmen für Ein- und Rückreisende zur Bekämpfung des Coronavirus Sars-CoV-2“ als Vorschlag an die Länder verschickt.

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Für Einreisende aus Risikogebieten soll demnach gelten: „War es bisher möglich, die Quarantäne durch einen negativen Test abzukürzen, gilt dies dann nicht mehr“, erläutert Behördensprecher Fuhrmann. Das heißt: Eine Mindest-Quarantäne von fünf Tagen ist verpflichtend. In dieser Zeit dürfen sich die Betroffenen ausschließlich zu Hause aufhalten. Bislang konnte, wer aus einem Risikogebiet zurückkommt, einen negativen Corona-Test aus den letzten 48 Stunden vor der Einreise oder gleich danach vorlegen – und musste sich entsprechend gar nicht erst in häusliche Quarantäne begeben oder konnte diese vorzeitig beenden.

Die frühen Tests bergen laut Virologen Risiken: Wer sich kurz vor der Abreise noch negativ testen lässt, kann sich auf der Rückreise infizieren und andere Menschen anstecken. Die Zeit von der Infektion bis zum möglichen Auftreten von Symptomen, die sogenannte Inkubationszeit, liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) im Schnitt bei fünf bis sechs Tagen. Diese Zeit gilt deshalb als besonders gefährlich, weil die Betroffenen dann hochinfektiös seien. „Die Infektionen am Ende eines Aufenthalts in einem Risikoland oder bei der Rückreise werden durch frühe Tests nicht erfasst“, sagt Fuhrmann.

Betroffene sollen Kosten aus eigener Tasche zahlen

Bei einer Telefonkonferenz der Gesundheitsminister der Länder mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montagnachmittag ging es auch um die künftige Finanzierung der Corona-Tests für Einreisende aus Risikogebieten. Bislang finanziert der Bund die Kosten für Rückkehrer aus diesen Gebieten. Künftig sollen die Betroffenen die Kosten aus eigener Tasche zahlen, dies ist laut Fuhrmann das Ergebnis eines Mehrheitsbeschlusses.

Bremen, Bayern und der Bund hätten in der Telefonkonferenz dagegen votiert. „Ein Ende der Kostenübernahme birgt aus unserer Sicht die Gefahr, dass die Akzeptanz der Quarantäne-Regeln abnimmt. Folge könnte sein, dass sich Betroffene nicht beim Ordnungsamt als Rückkehrer melden, nicht in Quarantäne gehen und sich entsprechend auch nicht testen lassen, wenn sie dafür etwa 90 Euro zahlen sollen", betont der Sprecher der Gesundheitssenatorin. Es sei wichtig, ein möglichst niedrigschwelliges Angebot zu schaffen, ansonsten werde womöglich das Gegenteil erreicht.

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Neben der Quarantäne-Pflicht, die künftig frühestens ab dem fünften Tag abgekürzt werden kann, müssen sich Einreisende aus Risikogebieten auch weiterhin verpflichtend beim Ordnungsamt melden. In Bremerhaven ist das Gesundheitsamt die Anlaufstelle. Ab Mitte Oktober plant das Gesundheitsministerium zudem neue Regeln zu Tests, die stärker auf Ältere und Vorerkrankte, Pflegeheime und das Gesundheitswesen ausgerichtet werden sollen. Als Ergänzung sollen auch Antigen-Schnelltests verstärkt eingesetzt werden, wenn sie verfügbar sind.

Digitale Einreiseanmeldung bei der Grenzkontrolle vorzeigen

Zum 1. November soll darüber hinaus ein Online-Portal zur digitalen Einreiseanmeldung scharf geschaltet werden. Es soll so funktionieren, dass Reisende aus Risikogebieten ihren Eintrag bei der Grenzkontrolle vorzeigen, ausgedruckt oder digital. Verstöße sollen mit einem Bußgeld geahndet werden.

In Bremen sorgte am Montag eine Äußerung Spahns für Verärgerung: Angesichts stark steigender Corona-Neuinfektionen hatte der CDU-Minister Berlin und Bremen aufgefordert, die bestehenden Beschränkungen strikter umzusetzen. „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich für seine Äußerung mittlerweile ausdrücklich entschuldigt. Es tue ihm leid, sagte er in einem Telefongespräch mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte, für die Vorwürfe gegenüber Bremen gebe es keine Grundlage. Der Bürgermeister hat die Entschuldigung angenommen. Damit ist die Sache für uns erledigt“, teilt der Sprecher des Bürgermeisters, Christian Dohle, dem WESER-KURIER mit.

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