Ausstellung in der Unteren Rathaushalle

Buch-Premiere des Blaumeier-Ateliers

22 Portraits von Kulturschaffenden aus den verschiedenen Sparten des Blaumeier-Ateliers, porträtiert von der Fotografie-Werkstatt des inklusiven Vorzeige-Projektes, das ist das neue Porträt-Buch von Blaumeier.
07.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Buch-Premiere des Blaumeier-Ateliers
Von Sigrid Schuer
Buch-Premiere des Blaumeier-Ateliers

Projektleiterin Wiebke Emmerich und Schauspieler Aladdin Detlefsen präsentieren das Porträt-Buch.

Christina Kuhaupt

Aladdin Detlefsen ist Feuer und Flamme, wenn die Sprache auf die neueste Schauspiel-Produktion des Blaumeier-Ateliers kommt. Die steckt zwar noch in den Kinderschuhen und soll erst im Frühjahr 2021 Premiere haben, aber schon jetzt arbeiten „ganz viele Gehirne daran“, formuliert es Karolin Oesker vom integrativen Vorzeigeprojekt. Die Schauspiel-Produktionen sind bei Blaumeier immer Gemeinschaftsprojekte. Dieses Mal wird es eine bremische Kriminalkomödie sein, die im Ratskeller spielt.

„Schwarmintelligenz eben“, fügt Jutta Reichelt mit einem Schmunzeln hinzu. Ein Ergebnis dieser Schwarmintelligenz liegt nun vor ihnen im Blaumeier-Atelier auf dem Tisch. Eigentlich ist das Porträt-Buch „Blaumeier oder der Möglichkeitssinn“ schon seit einem halben Jahr fertig, doch dann legte Corona alles lahm. Nun wird es – von Mittwoch, 21. Oktober, bis Sonnabend, 7. November – unter dem Titel „Blaumeier, von Räumen und Menschen“ in einer Ausstellung in der Unteren Rathaushalle präsentiert. Jutta Reichelt, sonst Belletristik-Autorin, hat 20 der insgesamt 22 Porträts der Blaumeier-Kulturschaffenden verfasst. Und dabei alle Sparten der umfassenden Blaumeier-Kunst berücksichtigt: das Theater-Ensemble, die Maskenbildner, den Chor Don Bleu, die Mal-, Schreib- und die Fotografie-Werkstatt.

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Zwölf Mitglieder haben die Schwarz-Weiß-Fotografien gemacht. Texte und Fotografien seien immer im engen Dialog mit dem jeweils Porträtierten entstanden und zeigten ihn in der Umgebung, in der er sich am wohlsten fühlt, sagen die Autorin sowie Projektleiterin Wiebke Emmerich. Jutta Reichelt ist wie Aladdin Detlefsen und viele andere auch, per Zufall zum Blaumeier-Atelier gekommen. Vor 15 Jahren war das. In der Maskengruppe wirkte sie zunächst mit, aber es dauerte nicht lange, da stand sie selbst auf der Bühne.

Und Aladdin Detlefsen? Der ist schon lange Profi, wie Jutta Reichelt schreibt. Inzwischen hat er in zahlreichen Blaumeier-Schauspiel-Produktionen, aber auch in Filmen und im „Tatort“ mitgewirkt. Seine erste Liebe ist jedoch der Tanz gewesen. Bis heute tanzt er beim Tanzwerk im Lagerhaus. Eine weitere Station: Tanzbar Bremen, das integrative Tanztheater-Projekt in der Schwankhalle. Seit 2002 ist Aladdin Detlefsen bei Blaumeier dabei. Irgendwann ist auch er aus Interesse einfach in das offene Atelier-Angebot am Donnerstag hereingeschneit. Ein Auslöser sei auch Eike Besudens Film „Verrückt nach Paris“ gewesen. Da wusste er: „Das will ich auch machen.“

Lieblingsrolle Torero

Barbara Wenke, der Leiterin des Blaumeier-Theater-Ensembles, fiel sein großes Spieltalent auf. Schon lange ist er Profi, war unter anderem Orpheus, unternahm mit den Blaumeiers eine Spritztour nach „Emden Außenhafen“ und reiste mit ihm in einer Vielzahl von Rollen in „80 Tagen um die Welt“. Seine allererste Rolle, der Torero Escamillo in „Carmen“, ist bis heute eine seiner Favoriten. Er spielte die Rolle an der Seite der Blaumeier-Carmen Melanie Socher, die ebenfalls in dem Buch porträtiert ist. Gleich ganz am Anfang stand Aladdin Detlefsen zudem mit Frank Grabski, einem der „Verrückt nach Paris“-Stars, im Theater am Goetheplatz auf der Bühne. In Andreas von Studnitz' Hamlet-Inszenierung gaben sie 2003, gemeinsam mit Wolfgang Göttsch, die Schauspielergruppe in dem Shakespeare-Drama.

Detlefsen ist ein Multitalent

2019 kehrte der Vollblut-Schauspieler dann beim Mittenmang-Festival zurück an den einstigen Tatort. Für fünf Tage schanghaiten die Blaumeiers das Theater Bremen, mischten in einem Video-Film, der vor dem Festival gedreht wurde, Kasse und Küche auf. Und kidnappten – nur so zum Spaß, versteht sich – Intendant Michael Börgerding. Aladdin Detlefsen durfte kurzzeitig auf dem Intendanten-Sessel Platz nehmen. Und, wie war das? „Cool“, sagt er und grinst dabei schelmisch. Apropos: Aladdin Detlefsen ist ein Multitalent, er sprayt, malt und ist zudem Autor bei „Ohrenkuss“, einer Zeitung, in der Menschen mit Down-Syndrom schreiben. Seine Theater-Leidenschaft und die der Blaumeiers trug sie mit Shakespeares „Sturm“ 2018 gemeinsam bis nach Moskau.

In den Porträts von Julia Reichelt scheint ab und an auch eine Haltung auf. So fragt die Autorin in ihrem Porträt von Aladdin Detlefsen, weshalb es nicht vorgesehen sei, dass Theater, Film oder Fernsehen Schauspieler mit Behinderungen beschäftigen, weshalb sie als Profis nicht vorgesehen seien. Aladdin Detlefsen ist solch ein Profi, durch und durch.

Info

Zur Sache

Das Porträt-Buch „Blaumeier oder der Möglichkeitssinn“ ist erhältlich im Buch-Handel und kostet 24 Euro. Die Ausstellung „Blaumeier von Räumen und Menschen“ in der Unteren Rathaushalle ist vom Mittwoch, 21. Oktober, bis Sonnabend, 7. November, in der Zeit zwischen 11 und 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. An den Donnerstagen, 29. Oktober und 5. November sowie 22. Oktober (mit Gebärdensprache) wird aus dem Porträt-Buch gelesen. Kostenfreie Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung unter: tickets@blaumeier.de oder Telefon 0421 / 8 35 06 66. Der Eintritt ist frei.

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