"Neustart"-Programm

Bahnhofsvorplatz soll Visitenkarte Bremens werden

Der Platz vor dem Bremer Hauptbahnhof soll sicherer und sauberer werden. Eine wesentliche Rolle kommt dabei der Polizei zu. Aber sie soll es nicht alleine richten.
19.09.2018, 13:15
Lesedauer: 4 Min
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Bahnhofsvorplatz soll Visitenkarte Bremens werden
Von Ralf Michel
Bahnhofsvorplatz soll Visitenkarte Bremens werden

Jens Körber leitet das Projekt "Sichere und saubere Stadt". Bei dem Polizeidirektor laufen alle Fäden zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes zusammen.

Frank Thomas Koch

Sicherer werden soll der Bahnhofsvorplatz. Und sauberer. Weg vom Schmuddelimage, hin zu einem Platz mit hoher Aufenthaltsqualität. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) spricht von einer „wirklichen Visitenkarte Bremens“. Und Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) setzt noch eine ambitionierte Zeitvorgabe drauf: In drei, vier Monaten soll der Bereich vor dem Bremer Hauptbahnhof nicht wiederzuerkennen sein. Erreicht werden soll dieses Ziel durch ein umfangreiches Paket von Maßnahmen, für das ab sofort Polizeidirektor Jens Körber verantwortlich zeichnet, der eigens für dieses Projekt freigestellt wurde.

Gegen Trinkgelage, das Campieren auf öffentlichen Flächen, die Vermüllung des Platzes oder das Verrichten der Notdurft in der Öffentlichkeit werde künftig konsequent vorgegangen, heißt es in der Agenda für den ausgerufenen „Neustart am Hauptbahnhof“. Zudem sollen die öffentlichen Flächen im Umfeld des Bahnhofs künftig zweimal am Tag gereinigt, Schrotträder unverzüglich entfernt und gegen Müllsünder Verwarnungen und Bußgelder verhängt werden.

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Doch auch wenn Aspekte wie Sauberkeit und Stadtbild eine tragende Rolle bei der Umgestaltung des Bahnhofsplatzes spielen sollen – die Hauptlast dabei trägt weiterhin die Polizei. Die zeigt schon seit Monaten verstärkt Präsenz vor Ort und wird künftig durch modernste Video- und Lichttechnik unterstützt, erläuterte Innensenator Mäurer am Mittwoch bei der Vorstellung des Projektes. So wird im November das neue Lichtkonzept vorgestellt.

„Wenn erforderlich, bekommen wir den Platz auch nachts taghell.“ Und ab Januar soll dann die neue Videoüberwachung greifen. Moderne, hochauflösende Kameras, die präzise Bilder aus dem hintersten Winkel des gesamten Bereiches vor dem Bahnhof in die Leitstelle der Polizei übertragen. Dort kontrollieren Beamte rund um die Uhr die Bildschirme, um bei Bedarf sofort Einsatzkräfte auf den Weg schicken zu können.

Polizeiliche Maßnahmen allein reichen nicht

Hinzu kommt, dass die Bundespolizei von der Nordseite des Bahnhofs in das beim Überseemuseum gelegene Gebäude Bahnhofsplatz 14 zieht, das mittelfristig auch der Standort für das neue Innenstadtkommissariat der Bremer Polizei werden soll. In einem sind sich die Beteiligten jedoch einig: Polizeiliche Maßnahmen allein werden nicht reichen, um dem Vorplatz die angestrebte Aufenthaltsqualität zu verschaffen.

Seit September vergangenen Jahres haben sich deshalb unter Federführung der Innenbehörde Vertreter zahlreicher Vereine, Organisationen und Initiativen sowie der Bahnhofsanrainer und der BSAG getroffen, um unter Beteiligung der Ressorts für Soziales, Bau und Wirtschaft Ideen und Ansatzpunkte für die Umgestaltung zu entwickeln. Daraus habe sich die Initiative „Partnerschaft attraktiver Bahnhof“ entwickelt, berichtet Ulrich Mäurer.

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Diese Initiative zu einer dauerhaften Einrichtung zu machen, ihren Schwung in Gang halten und möglichst noch mehr Geschwindigkeit in den gesamten Prozess bringen, ist Aufgabe von Jens Körber, dem Projektkoordinator „Sichere und saubere Stadt“. Körber hatte in der Bremer Polizei bereits diverse Führungsaufgaben inne, zuletzt leitete er die Polizeiabteilung Nord-West. Er sei Ansprechpartner für alle Beteiligten, wolle vor allem dabei helfen, Hürden schnell und unbürokratisch aus dem Weg zu räumen, umschreibt der Polizeidirektor sein neues Tätigkeitsfeld.

Bürgermeister Sieling verbindet das Projekt mit der für kommendes Frühjahr geplanten Eröffnung des neuen Gebäudekomplexes „City-Gate“. Nach jahrelanger Hängepartie zu der Bebauung der mehr als 5000 Quadratmeter großen Fläche direkt gegenüber des Hauptbahnhofes, biete sich nun die Chance, „hier ein völlig neue und attraktive Eingangssituation“ für die Innenstadt zu erstellen.

Sieling betont dabei die Aufgaben, die der Polizei durch die Bekämpfung von Kriminalität in diesem Prozess zukommen werden. Gleichzeitig solle der Platz aber weiterhin für alle Menschen offen bleiben, sagt Bremens Bürgermeister. „Auch für diejenigen in schwieriger Lage.“

"Wie erreichen wir diese Menschen?"

Man werde dafür sorgen, dass der Hauptbahnhof nicht mehr länger das El Dorado für Dealer und Diebe sei und man werde gegen all diejenigen vorgehen, die den Bahnhof verschandeln, vermüllen oder in die Ecken urinieren, formuliert dies Innensenator Mäurer. „Aber jeder, der sich ordentlich verhält, darf sich natürlich auch viele Stunden und regelmäßig am Bahnhof aufhalten.“ Man stehe im engen Austausch mit den bereits vorhandenen Angeboten wie etwa den Suppenengeln, der Bahnhofsmission, Drogenberatungsstellen, Streetworkern oder dem Tagestreff für wohnungslose Menschen.

Darüber hinaus soll für obdachlose Menschen, Bettler, Alkoholiker und Konsumenten von Drogen, wie sie sich üblicherweise an allen großen Bahnhöfen aufhielten, ein neuer fester Platz geschaffen werden, ergänzt Jens Körber. In der Nähe des Intercity-Hotels am Gustav-Detjen-Tunnel ist ein von Sozialarbeitern betreuter Unterstand mit Toilette vorgesehen.

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„Wie erreichen wir diese Menschen?“, laute dabei die entscheidende Frage, sagt Körber. Seine Antwort darauf: „Mit einer Mischung aus vernünftigen Angeboten und Sanktionen.“ Mit vielen Menschen aus der sogenannten Bahnhofsszene könne man durchaus reden, weiß Körber aus polizeilicher Erfahrung zu berichten. Bei anderen dagegen werde es nur über den Geldbeutel gehen. Oder über die Erkenntnis, dass die neue Videoüberwachung innerhalb kürzester Zeit die Polizei auf den Plan bringt. Egal, ob es um eine Schlägerei geht, um Taschendiebstahl oder das Urinieren gegen die Bahnhofswand.

Die ersten Effekte des Programms würden sich schon innerhalb des nächsten Vierteljahres einstellen, skizziert Jens Körber seinen Zeitplan für die Umsetzung des Neustarts am Hauptbahnhof. Bis das komplette Konzept allerdings richtig greife, würden aber sicher noch zwei Jahre ins Land gehen. „Wenn wir heute schon fertig wären, wäre ich schließlich nicht hier.“

++ Dieser Artikel wurde um 20.47 Uhr aktualisiert. ++

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