Seit zehn Jahren unbeschadet Idyll mit politischer Botschaft

Das Öko-Wandbild am Bauernladen in der Straße Beim Paulskloster im Viertel besteht seit zehn Jahren – und das unbeschadet. Künstlerin Margarethe Paskos hat es damals in langwieriger Handarbeit gefertigt.
28.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Margot Müller

Der kleine gepflasterte Platz an der Straße Beim Paulskloster mitten im Viertel zeigt ein uriges Idyll. Er ist eingerahmt von Wohnhäusern in historischer und moderner Architektur sowie dem Zugang zum Kunsthaus Kubo mit der Galerie Mitte. Vorne am Platz ist neben einem Obstbaum ein „Denkmal“ in Form einer Sonnenuhr aufgestellt mit dem Schild „Ostertor/Remberti“. Es erinnert daran, dass es sich hier in der Paulskloster-Nachbarschaft um ein gerettetes Kleinod der ehemals geplanten aber nicht realisierten Verkehrsvision Mozarttrasse handelt.

Mitten auf dem Platz steht ein hochgewachsener Baum mit einer Holzbank drumherum. Eine weitere rustikale Holzbank, sogar mit einem Tisch, befindet sich vor dem Bauernladen der ökologischen Bremer Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft (EVG). Das Geschäft ist eine zentrale Anlaufstelle für den Einkauf regional produzierter Lebensmittel, eröffnet vor 35 Jahren als Selbstversorgungskooperative. Unverkennbar ist das Haus mit dem EVG-Bauernladen durch die farbige Wandbemalung: Ein junges Pärchen mit Möhren in der Tasche und Kürbis unterm Arm trägt eine Obstkiste mit roten Äpfeln. Darüber schweben Schmetterlinge und ein Luftballon mit der Anti-Atomkraft-Sonne. Die Haustür ist mit einer farbigen Aura als Torbogen geschmückt.

„Langwierige Handarbeit“

Die Bremer Künstlerin Margarethe Paskos hat das Wandbild im Oktober 2010 gleich nach einer Fassaden-Renovierung dort aufgebracht. Die Öko-Welt des Bauernladens sollte auf der Hauswand sichtbar sein, das war ihr wichtig. „Heute empfinde ich große Dankbarkeit, dass es nach mehr als zehn Jahren immer noch so unbeschädigt existiert“, freut sich die Malerin. „Es war eine langwierige Handarbeit damals – bei herbstlichem Wechselwetter mit Hitze, Regen und Wind“, erinnert sich Paskos noch ganz genau und sie betont, dass es kein Graffiti sei, sondern frei mit Pinsel und Farbe gemalt. Sprayer respektieren diese Arbeit und lassen die Fassade in Ruhe, sie blieb bisher von Übermalung oder sonstigen Schmierereien verschont. „Das aufwendig gestaltete Wandbild hat ganz offensichtlich keinen kommerziellen Charakter, und der Bauernladen ist eine gewachsene Institution im Viertel,“ meint Peter Stöcker, Graffiti-Künstler und Inhaber der Agentur Lucky Walls. Deshalb seien solche Flächen tabu für illegales Übersprayen.

Rechts und links vom Ladeneingang mit dem Schaufenster sind blühende Rosenstöcke aufgemalt. Ehrenamtliche aus dem Bauernladen hatten damals einige Pflastersteine an der Hauswand entfernt und gemeinsam mit Margarethe Paskos neue Rosenstöcke gepflanzt. Inzwischen sind diese ganz genau so üppig gewachsen wie gemalt und blühen also im Sommer und im Winter. So gestaltete die Malerin das Bild als Lob der Schöpfung, drei Wochen hatte sie für die Umsetzung gebraucht.

Paskos arbeitet mit Bühnenmaltechnik

„Meine Technik war die Bühnenmalerei“, erzählt sie. Denn Margarethe Paskos stammt aus Polen und praktizierte dort früher die Freihandtechnik für Bühnenbilder im Theater. Später studierte sie in Hamburg Design und kam dann nach Bremen. Als freischaffende Künstlerin hat sie nicht nur kreative Buchillustrationen und Modezeichnungen veröffentlicht, sondern auch fantasievolle Sonnen-Motive als energetische Zeichen gemalt und wachsende Pflanzenbilder auf einem Bioland-Hof präsentiert. Ein farbenfroher siebenteiliger Schöpfungszyklus von Margarethe Paskos ist übrigens in der Inselkirche auf der Nordsee-Insel Juist als Dauerausstellung zu sehen.

Auf dem Platz in der Straße Beim Paulskloster bleiben auch mit schöner Regelmäßigkeit Gruppen der alternativen Stadtführungen durch Bremen stehen. Dabei wird erklärt, dass man sich im sogenannten Milchquartier befindet. Dieser Name entstand wegen eines Milchladens, der sich früher an diesem Platz befand. Als besondere Attraktion findet an dieser Stelle alljährlich Mitte Februar der Auftakt zum Bremer Samba-Karneval seinen statt. Dann kommen leuchtende Masken- und Stelzen-Figuren zum sogenannten Lichtertreiben zusammen und wandern durch die schmalen Gassen des Milchquartiers.

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