Bienenfreundliche Wartehäuser Begrünte Haltestellendächer: BSAG testet Prototyp

Mit Sedum-Pflanzen begrünte Haltestellendächer könnten Bienen und Hummeln Nahrung bieten und das Stadtklima verbessern. Die Bremer Straßenbahn-AG testet über den Winter einen Haltestellen-Prototyp.
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Begrünte Haltestellendächer: BSAG testet Prototyp
Von Justus Randt

Bremens Bus- und Straßenbahnhaltestellen könnten außer Fahrgästen künftig auch jede Menge Insekten anziehen – vor allem Bienen. Mauerpfeffer, Fetthennen sind zwei von rund 420 Angehörigen der Gattung Sedum, die die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) gegenwärtig zur Begrünung der Wartehäuschendächer erprobt. Eine besonders bienenfreundliche Mischung sei testhalber auf einem transportablen roten Ersatzhaltestellenhäuschen auf dem Betriebsgelände ausgebracht worden. „Jetzt müssen wir abwarten, ob die Pflanzen den Winter überstehen“, sagt BSAG-Sprecher Andreas Holling. Schon jetzt aber werde nach einem Haltestellen-Standort für den Prototyp in der freien Verkehrswildbahn gesucht.

Sedum schon 21 Jahre am Flughafen

Ehe es jetzt hoch hinaus ging, haben sich die Dickblattgewächse bereits an der Straßenbahnbasis bewährt: An der Falkenstraße beispielsweise sind sie unverzichtbarer Bestandteil der sogenannten Grüngleise. „Vor dem Flughafen haben wir sogar schon seit 21 Jahren Sedum zwischen den Gleisen“, sagt Lars Jensen, Infrastruktur- und Bauchef bei der BSAG. Die Begrünung habe nicht nur optische Vorzüge, sondern sei auch überaus praktisch: „Man muss nichts machen, was Unkraut angeht“, sagt Jansen. Die Pflanzen seien niedrigwachsend, flachwurzelnd und robust. Der angepeilte Pluspunkt der Dachbepflanzung soll direkt auf das Konto der Bienen gehen und ihr Nahrungsangebot bereichern. Tipps und Anregungen hat sich die BSAG in Leipzig geholt, wo bereits seit Anfang Juli ein Pilotversuch „Bee Stops“ an 500 Wartehäuschen läuft.

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Die Idee geht auf eine Anregung des Bürgerschaftsabgeordneten Ralph Saxe (Grüne) zurück. Der hatte das Vorbild im niederländischen Utrecht entdeckt. Die Fraktion steht hinter ihrem umweltpolitischen Sprecher, der sich von den grünen Dächern Anreize für Bienen und Hummeln verspricht. Die Sedum-Pflanzen filterten auch Feinstaub aus der Luft und könnten Regenwasser speichern, was an heißen Tagen zur Abkühlung der Stadtluft beitrage.

Viele offene Fragen

Insgesamt gebe es rund 960 Fahrgastunterstände, sagt Lars Jensen. Wie viele der Häuschen zur Begrünung geeignet seien, müssen noch ermittelt werden. „Die Haltestellen sollten im Halbschatten liegen, und es ist natürlich eine Frage der Statik, ob das geht.“ Vorerst aber, das war im Spätsommer während einer Fragestunde in der Bürgerschaft deutlich geworden, dass einem groß angelegten Bremer Pilotversuch noch die Klärung zentraler Fragen vorausgehen müsste. Zum Beispiel: „Wer die Begrünungen pflegen würde, ist ungeklärt – die Stadt, die BSAG oder die Wall GmbH“, sagt Andreas Holling.

Die Wall GmbH mit Sitz in Berlin ist als Eigentümerin der Häuschen seit 1983 Partnerin Bremens in Sachen Wartehäuschen. Der Kontrakt läuft bis 2025. „Eine Dachbegrünung ist gegenwärtig kein Vertragsbestandteil“, sagt Frauke Bank, Sprecherin des Unternehmens, dessen Mutterkonzern J. C. Decaux ist. „Die Dachbegrünung ist vielerorts in der Diskussion“, weiß Bank. Wall sei in rund 30 deutschen Großstädten aktiv. „Wir haben aber noch keine Erfahrung damit. Wenn es in Bremen so weit ist, muss die BSAG mit dem Wunsch auf uns zukommen.“

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