Kritik der Wirtschaftsbehörde

Schausteller-Buden sollen in Schoppensteel umziehen

Den Bremern und den Touristen gefällt das Freimarkt-Flair durch die Schausteller-Buden in der Innenstadt am Liebfrauenkirchhof. Das Wirtschaftsressort will nun aus Sichtgründen einige von ihnen versetzen.
28.07.2020, 05:00
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Schausteller-Buden sollen in Schoppensteel umziehen
Von Nina Willborn
Schausteller-Buden sollen in Schoppensteel umziehen

Die Buden zwischen Rathaus und Karstadt versperren laut Wirtschaftsbehörde die freie Sicht auf den Markt.

Christina Kuhaupt

„Na, läuft's bei euch?“ Die von Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) eigentlich im Vorbeigehen gestellte und mehr rhetorisch gemeinte Frage kommt für Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Bremer Schaustellerverbands, und Vize Karlheinz Heine genau im richtigen Moment. Es läuft nämlich gar nicht so gut, finden die beiden.

Es ist Montagnachmittag, Robrahn und Heine stehen zusammen mit anderen Kollegen mäßig gelaunt am Rathaus vor Heines „Crêpes Hütt'n“. Soeben ist ein kleiner Rundgang der Schausteller mit Vertretern unter anderem vom Ordnungsamt, der Abteilung Gewerbe- und Marktangelegenheiten des Wirtschaftsressorts, der Handelskammer und der Einzelhändler zu Ende gegangen.

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Die Abordnung begutachtete die „temporäre Bebauung“, also die 13 Stände mit Eis, Mandeln und Süßigkeiten, die seit Mitte Juni einerseits dabei helfen sollen, die Innenstadt zu beleben, und andererseits den Schaustellern zumindest ein paar Einkünfte garantieren soll. Bis Dienstag, 4. August, läuft die aktuelle Genehmigung, die Fortsetzung der Sondernutzung bis Anfang September hat Robrahn am Montag beantragt. Aber spätestens seit dem Rundgang zweifelt der Verbandschef daran, ob sie – zumindest für einige, darunter für sich selbst mit seinem Frozen-Joghurt-Stand an der Obernstraße am Eingang zum Liebfrauenkirchhof – überhaupt sinnvoll ist.

Sowohl die Schausteller als auch die Marktaufsicht wünschen sich Änderungen. Aber an diesem Punkt ist es mit der Einigkeit dann auch schon wieder vorbei. „Wir waren vor zwei Wochen eigentlich so verblieben, dass wir gerne noch um zwei Betriebe nachlegen würden“, sagt Robrahn, „ein Mini-Kettenkarussell für Kinder vor dem Dom und einen Stand für frittiertes Gemüse schräg gegenüber vor der Bürgerschaft.“ Noch mehr Stände seien aber dort wohl eher nicht gewünscht, sagt Heine.

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Zudem sollte auf Wunsch der Schausteller die Brezel-Bude, die neben Robrahns Stand und der „Churros“-Braterei steht, mit dem derzeit vor dem Hauptbahnhof platzierten Raclette-Stand den Platz tauschen – auf dem Weg zum Zug sind Brezeln als Wegzehrung nun mal praktischer als flüssiger Käse. Der Tausch Raclette gegen Brezeln aber würde aus Sicht der Einzelhandels-Vertreter der Baguetterie-Filiale von „Crepes Suzette“ Konkurrenz machen. Überhaupt, das ärgert Robrahn und Heine am meisten, ist nun gewünscht, dass alle Stände am Eingang zum Liebfrauenkirchhof umziehen, und zwar in den Schoppensteel, den kleinen Durchgang hinter den Stadtmusikanten.

Der Grund: Die Sichtachse zum Marktplatz oder wahlweise auf die Kirche ist laut Wirtschaftsressort durch die Wagen zugestellt. Robrahn wiederum will sich nicht an den Schoppensteel stellen. „Das lohnt nicht. Da kommen doch kaum Leute vorbei“, sagt Robrahn. „Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass in Bremen immer geguckt wird, wo man noch Probleme finden könnte, statt Lösungen zu suchen.“ Beim Weihnachtsmarkt stünden noch viel mehr Buden zwischen Karstadt und dem Rathaus, die Sichtachsenproblematik sei bislang nie Thema gewesen, wundert sich Heine. „Außerdem kommt es ja auch immer darauf an, von wo man guckt.“

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Die Wirtschaftsbehörde dagegen verweist auf die unmittelbare Nähe des Schoppensteels zu den Stadtmusikanten, bekanntermaßen einer der Hotspots für Touristen und sehr wohl stark frequentiert. „Die Fläche dort bietet außerdem den Vorteil, dass dort noch zusätzliche temporäre Geschäfte aufgebaut werden könnten“, sagt Sprecherin Kristin Viezens. Moniert wurde laut den Schausteller-Vertretern während des Rundgangs auch, dass durch die Stände vor dem Rathaus günstige – und entsprechend häufig genutzte – Gelegenheiten für Wildpinkler entstanden seien.

Das liegt an der hinter den Wagen geparkten technischen Versorgung, die durch Bauzäune und Planen abgesperrt ist. „Wir können die Technik versetzen“, sagt Heine, „das haben wir angeboten“. Im Wirtschaftsressort wird der Antrag auf die Fortsetzung der Sondernutzung nun geprüft. Ziel sei es grundsätzlich, sagt Marita Wessel-Niepel, Abteilungsleiterin der Gewerbe- und Marktangelegenheiten, einen für alle Seiten – die stationären Geschäfte, die Gastro-Betriebe und die Schausteller – tragbaren Kompromiss zu finden.

„Aber es müssen eben alle, auch die Schausteller, Zugeständnisse machen“, sagt Viezens. Bei den Bremerinnen und Bremern sowie den Touristen kommt das Buden-Flair in der Innenstadt gut an. Otfried Hanstein, der mit seinem Sohn Sascha das Riesenrad auf dem Dom betreibt, sagt: „Es kommen wirklich viele Leute, die uns sagen: ,Es ist so schön, dass ihr da seid.'“

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Zur Sache

Beratungen über den Freimarkt

So lange wie möglich will sich das Wirtschaftsressort Zeit lassen, um über eine Zu- oder Absage für den Freimarkt (geplant 16. Oktober bis 1. November) zu entscheiden. Dieses Vorgehen ist auch im Sinn der Schausteller, die sich für eine Entscheidung bis Mitte September ausgesprochen hatten. Im Moment werden unter anderem die Hygienekonzepte der Zeltbetreiber bewertet. Eine Grundbedingung für einen Freimarkt während der Pandemie ist, dass es die Möglichkeit geben muss, jeden einzelnen Besucher zu identifizieren, sollte es Infektionen geben. Berechnet wird auch, wie viele Besucher zeitgleich auf die Bürgerweide kommen können. Aktuell wird von einer Mindestzahl von 10 000 Personen ausgegangen. In normalen Zeiten kommen pro Tag etwa 225 000 Besucher.

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