Impuls erhält Bafög-Anerkennung

Fachschulausbildung wird ab sofort mit Bafög gefördert

Inge Depperts Kampf für die Anerkennung der Fachschulausbildung in Bewegungstherapie hat sich gelohnt.
15.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Fachschulausbildung wird ab sofort mit Bafög gefördert
Von Sigrid Schuer
Fachschulausbildung wird ab sofort mit Bafög gefördert

Auch mit knapp 80 Jahren in voller Aktion: Inge Deppert

Frank Thomas Koch

Inge Deppert, seit Jahrzehnten Herz und Seele des 1984 von ihr gegründeten Vereins Impuls, der heutigen „Fachschule für Gesundheitssport und Bewegungstherapie“, freut sich hörbar. „Ein besseres Geburtstagsgeschenk konnte man mir nicht machen. Nach den neuesten Informationen haben wir festgestellt, dass durch das neue Aufstiegs-Bafög die Ausbildungskosten der Fachschule für Bewegungstherapie bei bestandener Prüfung zu 75 Prozent übernommen werden und ein Unterhaltsgeld von bis zu 892 Euro gezahlt wird.“ Das heißt, dass Interessierte sich die Ausbildung jetzt eher leisten können. Zudem gebe es einen Zuschuss für Kinder und für Alleinerziehende sowie noch dazu Kinderbetreuungsgeld, sagt die Bewegungstherapeutin. Es hätten sich immer wieder viele Frauen gemeldet, die diese Ausbildung gern hätten machen wollen, sie aber nicht finanzieren konnten. Für die Schulgeldbefreiung für ihre Fachschülerinnen und -schüler in Bewegungstherapie kämpfte die Diplom-Pädagogin und ehemalige Leistungssportlerin seit langem beharrlich.

Zwei, die sich mit ihr freuen, sind Professor Uwe Gonther, Ärztlicher Direktor des Ameos Klinikums in Bremen, und Roland Klein, Vizepräsident des Behindertensportverbandes Bremen und dort zuständig für Bildung und Reha-Sport. Beide haben die Kompetenzen und Fähigkeiten der Absolventinnen und Absolventen von Impuls zu schätzen gelernt. Klein leitet auch das Gesundheits-Studio des Turnvereins Tura. „Wir sind dringend auf die bei Impuls ausgebildeten Bewegungs-Therapeutinnen und -Therapeuten angewiesen, besonders vor dem Hintergrund, dass hier in Bremen vor Jahren der Studiengang Sport eingestellt wurde“, betont der Soziologe und Sportwissenschaftler.

Wie überhaupt Sportlehrer in Bremen an allen Ecken und Enden fehlen würden, in Schulen und eben in Sportvereinen. „Die müssen dann erst einmal aus anderen Bundesländern abgeworben werden, wo oft die Bezahlung besser ist“, stellt er fest. Nun solle 2024 nachgebessert werden, das würde allerdings bedeuten, dass es wohl vor 2030 keine Absolventen eines Sportstudienganges in Bremen gibt. Wenn denn bis dahin die maroden Uni-Sportstätten mit Millionenaufwand restauriert worden seien. Vor diesem Hintergrund komme dem Verein Impuls, der keinerlei staatliche Unterstützung erhält, eine besondere Bedeutung zu. Dass die Zuerkennung der Bafög-Förderungs-Fähigkeit allerdings für die Erhaltung dieser Ausbildung allein ausreiche, bezweifelt er.

Tura engagiere seit über 15 Jahren immer wieder bei Impuls ausgebildete Bewegungs-Therapeuten. Im Gesundheitsstudio werden Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen – etwa in Folge eines Schlaganfalles oder eines Unfalls – behandelt, mit dem Ziel, sie möglichst bald wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Das ist jedenfalls der Wunsch von Ärzten und Krankenkassen. Solch ein Schlaganfall sei für die Betroffenen schon ein massiver Lebenseinschnitt, schildert Klein. Umso mehr wisse er die Kompetenz, aber auch die Empathiefähigkeit der qualifizierten Übungsleiter, die von Impuls mit fundiertem Wissen und auch Lebenserfahrung kämen, zu schätzen. Die Befunde seien unterschiedlich, so gibt es bei Tura etwa Herz-, Schlaganfall- und Orthopädie-Gruppen. Seines Wissens ist Impuls die einzige Fachschule, die dieses spezifische Ausbildungsfach in Deutschland anbietet.

Ähnlich wie Klein argumentiert Professor Uwe Gonther: „Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht möchte ich die Bedeutung von Bewegungstherapie betonen. Insbesondere das Vorgehen von Impuls ist ausgesprochen sinnvoll und hilfreich“. Mehrere dort ausgebildete Personen arbeiteten am Ameos Klinikum. Sie würden besonders wegen ihres hohen menschlichen Engagements und des fachlichen Know-hows und Niveaus im Umgang mit psychisch kranken Menschen geschätzt. Gerade auch in Zusammenhängen, in denen Psychopharmaka gering dosiert oder bereits bestehende Dosierungen reduziert werden würden, seien bewegungstherapeutische Angebote, vernetzt mit Psycho- und Sozialtherapie, sehr wichtig, so Gonthers Fazit

Aber auch Bewegungs-Therapeuten, die ihre Ausbildung bei Impuls absolviert haben, arbeiten unter anderem im Tagesklinikum Bremen-Ost oder in der Spezialtherapie des Klinikums Bremen-Ost sowie in Volkshochschulkursen, um nur einige Institutionen zu nennen. Und die Tanz- und Bewegungs-Pädagogin Inge Deppert fügt hinzu, dass erst neulich vom Gesundheitsressort eine Video-Konferenz mit Vertretern verschiedener Kliniken abgehalten worden sei, die unisono bedauert hätten, dass es von Seiten der Impuls-Absolventinnen keine Bewerbungen mehr gegeben habe. Im September dieses Jahres wird es wieder einen neuen Ausbildungsgang zur Fachschulausbildung in Bewegungstherapie geben, dann gefördert durch Aufstiegs-Bafög.

Info

Zur Sache

Aufstiegs-Bafög

Das Aufstiegs-Bafög unterstützt den beruflichen Aufstieg bei mehr als 700 Fortbildungsabschlüssen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Förderleistungen deutlich ausgebaut. Wer eine Fachschule besuchen möchte, sollte sich im Bildungsinstitut seiner Wahl für einen Fortbildungslehrgang anmelden. Die Einrichtung muss die Anmeldung auf einem Formblatt bestätigen, das auf www.aufstiegs-bafoeg.de heruntergeladen wird. Wichtig ist, dass der Bestätigung zu entnehmen ist, wie hoch der Stundenumfang ist. Liegen alle relevanten Dokumente vor, kann der Antrag online ausgefüllt werden. Ratsam ist eine rechtzeitige Anmeldung.

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