Auch andere Gesundheitsberufe betroffen

Bis 2035 fehlen tausende Pflegekräfte in Bremen

Die Gesellschaft altert und braucht daher mehr Pflegepersonal. Doch der Nachwuchs fehlt. Eine Studie der Universität Bremen beziffert nun, wie viele Fachkräfte in den kommenden Jahren gebraucht wird.
30.04.2018, 13:00
Lesedauer: 2 Min
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Bis 2035 fehlen tausende Pflegekräfte in Bremen
Von Sara Sundermann
Bis 2035 fehlen tausende Pflegekräfte in Bremen

In Bremen fehlen Tausende Pflegekräfte.

Peter Steffen

Mehr als 2500 Pflegekräfte werden bis 2035 in Bremen benötigt. Hinzu kommen mehr als 1300 Gesundheitshilfskräfte, Altenpfleger, Physio- und Ergotherapeuten sowie Hebammen. Das geht aus einer aktuellen Studie der Universität Bremen im Auftrag der Gesundheitsbehörde hervor. Die Prognose basiert unter anderem auf Daten zur steigenden Zahl älterer Menschen und zu Pflegekräften, die bald selbst ins Rentenalter kommen.

Neun nicht-ärztliche Gesundheitsberufe wurden untersucht. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass bis 2035 deutlich mehr Gesundheitsfachkräfte in den Ruhestand gehen als neu ausgebildet werden. 40 Prozent der Pflegekräfte seien bereits jetzt über 50 Jahre alt, in den Helferberufen der Gesundheitsbranche treffe dies sogar auf mehr als 50 Prozent zu.

Das stellte der Gesundheitsökonom Heinz Rothgang fest, der für die Studie verantwortlich ist. Er betonte: „Es wird in Zukunft keine gute Gesundheitsversorgung ohne das entsprechende Personal geben.“ Die mit Abstand größte Lücke zeichnet sich in Bremen demnach bei den Pflegekräften ab.

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Zusätzlich werden der Studie zufolge bis 2035 knapp 700 Alten- und Krankenpflegehelfer, mehr als 540 Physio- und Ergotherapeuten und 97 Hebammen benötigt. Basis für die Berechnung waren amtliche Statistiken zum Beispiel von der Bundesagentur für Arbeit ebenso wie Befragungen in Krankenhäusern und Pflegeschulen.

Zudem wurden Daten der Krankenkasse Barmer zum Berufsein- und Ausstieg von ihren rund neun Millionen Versicherten ausgewertet. Die Wissenschaftler empfehlen vor allem, die Ausbildungskapazitäten für diese Berufe deutlich zu erhöhen. Überraschend: Obwohl zuletzt sowohl die absoluten Geburtenzahlen als auch die durchschnittliche Geburtenziffer pro Frau stiegen, sieht Rothgang aber ausgerechnet bei den Hebammen keinen steigenden Bedarf.

Zwei Jahre ansteigende Geburtenzahlen reichten noch nicht aus, um einen Trend auszumachen, sagte der Wissenschaftler und berief sich auf eine Prognose des Statistischen Landesamtes. „Es ist klar, dass wir zu wenig Pflegekräfte haben und zu wenig ausgebildet haben“, stellte auch Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) klar.

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„Die Ausbildungszahlen müssen erhöht werden, das ist ein Auftrag, der jetzt an die Pflegeschulen geht.“ In der Pflege würden etwa 287 zusätzliche Ausbildungsplätze benötigt. Auch für bessere Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen wolle sie sich im Gespräch mit der Bremer Pflegeinitiative gegen Fachkräftemangel einsetzen, sagte die Senatorin. Wie die Bedingungen konkret verbessert werden könnten, ließ sie offen.

Mehr Bewerber für eine Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege erhofft sich Quante-Brandt dadurch, dass künftig die Ausbildung für beide Berufe in den ersten beiden Jahren zusammengelegt werden soll. Dadurch seien Fachkräfte unterschiedlich einsetzbar. "Wir gehen davon aus, dass der Beruf dadurch attraktiver wird." Bremen arbeite außerdem daran, Pflegeberufe und den Beruf der Hebamme zu akademisieren.

Künftig sollen zudem angehende Ergo- und Physiotherapeuten ebenso wie Logopäden kein Schulgeld mehr entrichten müssen. Ab wann die Schulgeldfreiheit kommt, sei noch nicht klar, eine Entscheidung solle in diesem Jahr fallen, sagte Quante-Brandt. Im Januar hatte sie noch angekündigt, Auszubildende sollten bereits ab August kein Schulgeld mehr zahlen.

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