Nach jahrelanger Suche

Bremen bekommt drei neue Hundewiesen

Hunde dürfen künftig an fünf Orten in Bremen ohne Leine das ganze Jahr über toben und spielen – ohne dass Frauchen und Herrchen Ärger bekommen. Die Suche nach weiteren Freilaufflächen bleibt aber schwierig.
05.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel und Lisa Urlbauer

In den schleppenden Ausbau von Auslaufflächen für Hunde kommt Bewegung: Wie die Umweltbehörde mitteilt, werden demnächst drei weitere Gebiete in Bremen als Hundewiesen freigegeben. Im Stadtteil Burglesum soll eine Freilauffläche in Marßel an der Stader Landstraße am Eingang zu Pellens Park geschaffen werden. In Blumenthal geht es um ein etwa 2000 Quadratmeter großes Grundstück an der Ecke Kreinsloger/Striekenkamp. Und zuletzt wird bis Jahresende eine Hundewiese im Arster Park in Obervieland eingerichtet. Alle drei Flächen hatten die Stadtteilparlamente von sich aus vorgeschlagen.

Damit wird es bald fünf Plätze geben, an denen Herrchen und Frauchen das ganze Jahr über ihre Vierbeiner ohne Leine frei laufen lassen können. Konflikte mit Spaziergängern, Joggern und Radfahrern sollen so reduziert werden, die Hunde sollen sich trotz weitreichender Leinenpflicht in Bremen frei bewegen können. Seit 2011 sucht die Umweltbehörde in Kooperation mit den Beiräten Flächen, auf denen Hundehalter ihre Vierbeiner ganzjährig legal frei laufen lassen können.

Die erste Hundewiese hatte die Behörde im Jahr 2015 in Sebaldsbrück am Carl-Goerdeler-Park eingerichtet, eine zweite folgte 2018 am linken Weserufer in den Wallanlagen in Nähe des Neustadtsbahnhofs. Das Umweltressort will über das Stadtgebiet verteilt insgesamt etwa zehn Areale einrichten. Die Lage der möglichen Freilaufflächen werde in jedem Einzelfall zunächst mit den Beiräten besprochen, bevor Deputation und Bürgerschaft darüber entscheiden. Warum der Ausbau von Auslaufflächen nicht schneller vorangeht, begründet der Sprecher von Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) mit den vielen unterschiedlichen Interessen innerhalb einer Großstadt.

„Es gibt kaum Flächen in städtischer Hand, die nicht schon von anderen Nutzungen belegt sind und zugleich nicht für Bauprojekte vorgesehen sind“, sagt Jens Tittmann. Das ist auch der Grund gewesen, warum die Behörde den Vorschlag des Huchtinger Beirates erst kürzlich abgelehnt hat, eine Wiese im Grünzug ­Sodenmatt für Hunde freizugeben. Zu nah am viel genutzten Fußweg sei diese, daher könne es zu Konflikten kommen. Ein Zaun wiederum störe zu stark das Landschaftsbild an dieser Stelle, lautete die Begründung.

Protest von Umweltverbänden und Bürgern

In den vergangenen Jahren hat sich aber auch gezeigt, dass zum Teil auch Umweltverbände und Bürger gegen die Einrichtung von Hundewiesen protestieren. Besonders deutlich wird dieser Konflikt während der anhaltenden Diskussion um die Homannsche Wiese am Rande von Knoops Park in Burglesum: Diese 30.000 Quadratmeter große Fläche will der Beirat als Auslaufplatz für Hunde freigeben. Doch Naturschützer protestieren dagegen aus Angst, die dort wachsende Glatthaferwiese, die als selten und schützenswert gilt, würde dadurch gefährdet.

Bürger wiederum befürchten reichlich Kot auf der Wiese sowie Hunde, die ungehindert in den angrenzenden Park rennen und dort Besucher stören. Denn ein Zaun ist für keine der drei neuen Auslaufflächen nötig, heißt es in der fachlichen Einschätzung aus der ­Behörde.

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Die Bedenken gegenüber Hundewiesen kann Gaby Schwab nur teilweise nachvollziehen. Die Sprecherin des Bremer Tierschutzvereins könne verstehen, wenn Bürger gegen Freilaufflächen inmitten von Wohngebieten protestierten. Darum spricht sich Gaby Schwab dafür aus, Randgebiete zu nutzen.

„Hunde brauchen Auslauf, Bewegung und Kontakt zu ihren Artgenossen“, beschreibt sie eine artgerechte Hundehaltung. Idealerweise würde es pro Stadtteil eine Hundeauslauffläche geben. Sie freue sich daher über die neuen Hundewiesen.

Ordentlich und sauber

Bedenken aus Gründen des Umweltschutzes teilt die Tierschützerin nicht und verweist auf die Hundespielfläche nördlich der Galopprennbahn. „Dort ist es ordentlich und sauber“, sagt Schwab, selbst Nutzerin der Fläche in Sebaldsbrück. Außerdem würde dort weniger in die Natur eingegriffen als in der angrenzenden Parkanlage, in der ständig gemäht und das Laub entfernt werde.

Flächen einzuzäunen ist für Schwab die einfachste Lösung, Hunden Spielflächen zu bieten. Zugleich macht ein stabiler und ausreichend hoher Zaun ein solches Vorhaben teuer. „Das geht vom Grünflächenbudget ab, das wir auch für andere Dinge nutzen müssen“, erklärt Tittmann, weshalb das Umweltressort derzeit bevorzugt nach Flächen sucht, wo kein Zaun nötig ist, sondern Hinweisschilder ausreichen.

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Der Beirat Hemelingen hat allerdings bereits beschlossen, dass er in seinem Zuständigkeitsbereich ausschließlich umzäunten Hundewiesen zustimmen werde. Eine Bedingung, weshalb ein möglicher Auslaufplatz für Hunde am Mahndorfer See schließlich am fehlenden Geld für den geforderten Zaun scheiterte.

Die Sprecherin des Tierschutzvereins sieht keine Alternativen zu Hundefreilaufflächen. „Es kann nicht sein, dass Hundebesitzer aus der Stadt herausfahren müssen, damit ihre Tiere frei laufen dürfen“, sagt Gaby Schwab. Immerhin berechne Bremen für einen Hund 150 Euro Steuer pro Jahr. „Dafür muss die Stadt auch etwas tun.“

Info

Zur Sache

Hundesteuer und Leinenpflicht

Ende 2019 waren in der Stadt Bremen 16.265 Hunde gemeldet, die bei 15.175 Hundehaltern leben. Die Hundesteuer beträgt in Bremen 150 Euro pro Hund und pro Jahr. Die Steuer ist jedoch nicht direkt für Ausgaben bezüglich Hunden vorgesehen, sie fließt in die Finanzierung aller kommunaler Aufgaben.

Während der Vogelbrutzeit vom 15. März bis 15. Juli herrscht Leinenzwang für Hunde. Doch auch außerhalb dieser Zeit gilt in Bremen eine allgemeine Leinenpflicht in von Menschen stark frequentierten Bereichen wie Fußgängerzonen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Einkaufszentren sowie in abgegrenzten Park-, Garten- und Grünanlagen, die der Allgemeinheit zugänglich sind.

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