650 Aussteller

Bremen Classic Motorshow widmet sich den Kombis

Zum 17. Mal rollt von Freitag bis Sonntag die Oldtimermesse über die Bühne. Ein Treffen der Sammler, Händler und Schrauber, aber auch von Neugierigen und Laien. Mehr als 40 000 Besucher kommen jedes Mal.
01.02.2019, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen Classic Motorshow widmet sich den Kombis
Von Jürgen Hinrichs
Bremen Classic Motorshow widmet sich den Kombis

Donnerstag ist Aufbautag. Benzin in der Luft, das Aroma der Autofans.

Christina Kuhaupt

„James Bond in lang“, entfährt es einem Mitarbeiter der Messe, als er vor dem Aston Martin steht. Der Dienstwagen des britischen Geheimagenten, nur eben so gebaut, dass darin mehr Platz findet als das Hemd zum Wechseln, feiner Zwirn natürlich, die Pistole und ein gutes Fläschchen, falls mal Not am Mann ist. Ein Klassiker, der dafür umgebaut wurde, das ganz große Schießgeschirr unterzubringen, einen Hund vielleicht noch und auf der Rückfahrt das erlegte Wild, bevorzugt Fasane, ein Reh tut‘s aber auch.

So ein Auto ist das, ein sogenannter Shooting Brake, der als Aston Martin in den 1960er-Jahren nur zwölf Mal aus der Fabrik gekommen ist. Der Wagen steht in den Hallen der Bremen Classic Motorshow, edle Kiste, nachtblau, und soll man wirklich Kombi dazu sagen? Kann ein Kombi schön sein?

Bremen Classic Motorshow 2019

Alte Autos, die außen glänzen und innen interessante Details haben.

Foto: Christina Kuhaupt

Zum 17. Mal rollt von Freitag bis Sonntag die Oldtimermesse über die Bühne. Ein Treffen der Sammler, Händler und Schrauber, auch von Neugierigen und Laien, die einfach mal gucken wollen. Mehr als 40 000 Besucher kommen jedes Mal. Die Messe meldet auch in diesem Jahr wieder 650 Aussteller aus elf Nationen, die sich fast 50 000 Quadratmeter teilen. Sie haben Autos mitgebracht, Motorräder und Fahrräder. Jede Menge Zubehör außerdem, Ersatzteile und die Schrauben natürlich für die Schrauber.

Ein Mix von Geräuschen

Donnerstag ist Aufbautag. Benzin in der Luft, das Aroma der Autofans. Die Fahrzeuge werden bewegt, um am Ende akkurat dort zu stehen, wo ihr Platz ist. Manche benutzen ihre Muskeln, andere lassen den Motor an und schleichen durch die Gassen, bis die Box erreicht ist. Das röhrt, blubbert und dröhnt, Wohlklang in den Ohren der PS-Gemeinde. Fast überall an den Ständen wird noch gebaut, ein Hämmern und Sägen, es quietscht und knarrt. Insgesamt ein Mix von Geräuschen, für den das Wort Kakofonie erfunden wurde. Von draußen weht es durch die offenen Tore herein. Die Gemütlichkeit einer Werkstatt im Winter. Am nächsten Tag, wenn die Messe eröffnet ist, wird es muckelig warm sein oder wenigstens nicht mehr kalt.

Patrizia Albers wienert an ihrem Wagen herum, den sie mit ihrem Mann aus Springe mitgebracht hat. Es ist ein Austin A 35, ein knubbeliges Gefährt aus England, Baujahr 1967. Patrizia und ihr Mann Hartmut besitzen vier davon. Ein Spleen, würden die Engländer sagen. Verkaufen? Die beiden lachen: „Das sind Familienmitglieder, die geben wir nicht her.“ Sie haben den Wagen auch in weiß, „unser Hochzeitsauto“. Auf dem Weg zum Standesamt ist er damals liegengeblieben, eine Panne, peinlich. „Die Ehe funktioniert aber.“ Die Albers sind für den Allgemeinen Schnauferl-Club zur Messe gekommen, sie gehören zu einem Verein, der viel älter ist als die Austins in ihrer Garage. Gegründet wurde der Club im Jahr 1900 in Nürnberg.

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Es gibt Händler, die haben ihren Job für diesen Tag bereits erledigt. Zeit für ein Bier oder zwei, gerne auch schon am Mittag. Drei Männer aus Bayern, die aus der Flasche trinken. Man kennt die Kollegen, grüßt und flachst herum. Die Messe, könnte man sagen, ist wie ein Hochamt. Wer wirklich glaubt, lässt keine aus.

Autos in der Ausstellung, die ihren Preis haben. Eine Corvette von Chevrolet, 60 Jahre alt, soll 89 900 Euro kosten. Die Corvette daneben, ein Schnäppchen!, nur 54 900 Euro. Für den VW-Käfer Typ 1, Baujahr 1950, werden 46 900 Euro aufgerufen.

Das sind stolze Beträge, aber werden sie auch gezahlt? Der Hype um die alten Autos ist nicht mehr so groß wie noch vor fünf oder zehn Jahren. Messemacher Frank Ruge, von Anfang an dabei, hat diese Entwicklung beobachtet. „Es gibt zwar keinen Verfall der Preise, aber eine Beruhigung“, sagt der 51-Jährige. Er findet das gut: „Jetzt ist nicht mehr die Zeit der Spekulanten, sondern der Enthusiasten. Wir sind eine Messe für Enthusiasten.“

Für Ruge, sagt er, ist die Bremen Classic Motorshow wie ein Geburtstag: „Wir haben einen Ort der Begegnung geschaffen, die Leute freuen sich, sie gehen nett miteinander um, es ist schön.“ Erfolg will er aber auch haben, das Ziel: „Den Zuspruch halten und ausbauen.“

Weitere Informationen

Die Bremen Classic Motorshow öffnet von Freitag bis Sonntag jeweils von 9 bis 18 Uhr. Eine Tageskarte kostet 16 Euro. Beim Feierabendticket am Freitag ab 15 Uhr sind es 9 Euro.

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