Folgen der Corona-Pandemie

In Bremen dürfen nur die Eltern bei der Einschulung dabei sein

Die Einschulungsfeiern in diesem Jahr wird es nur in abgespeckter Form geben. Die Kinder dürfen nur von ihren Erziehungsberechtigten begleitet werden. Selbst Geschwister dürfen die Veranstaltung nicht besuchen.
01.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Nagel
In Bremen dürfen nur die Eltern bei der Einschulung dabei sein

In diesem Jahr werden die Veranstaltungen zur Einschulung nur in abgespeckter Form stattfinden. Lediglich die Erziehungsberechtigten dürfen ihre Kinder begleiten.

Frank Leonhardt /dpa

Die Einschulungen in Bremen werden in diesem Jahr einen deutlich kleineren Rahmen bekommen. War es in der Vergangenheit üblich, dass neben den Eltern auch Geschwister, Großeltern oder sogar enge Freunde der Familie zur Einschulung kamen, dürfen in diesem Jahr nur die beiden Erziehungsberechtigten an der Veranstaltung teilnehmen. Eine entsprechende Entscheidung hat das Bildungsressort nun den Grundschulen mitgeteilt.

In einem Schreiben der Behörde, das dem WESER-KURIER vorliegt, an die Schulleiter heißt es: „Die Einschulungsfeier findet im kleinen Rahmen wie geplant am Samstag, 29.8.2020, statt und soll die Kinder in den Schulen offiziell und empathisch willkommen heißen. Die Kinder kommen klassenweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten, begleitet werden sie nur von ihren Eltern beziehungsweise den Erziehungsberechtigten.“ Es gibt demnach nicht eine große Veranstaltung, sondern für jede neu eingeschulte Klasse eine eigene.

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Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), begründet die Entscheidung mit der aktuell gültigen Corona-Rechtsverordnung des Bremer Senats. Diese regele zwar, dass bei Veranstaltungen ab kommendem Donnerstag wieder bis zu 250 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 400 Personen unter freiem Himmel teilnehmen dürfen. „Aber die Vorgaben für die Schulen sind gesondert geregelt“, betont Kemp. Die Einhaltung der anderthalb Meter Abstand mache es in den Schulen faktisch nicht möglich, mehr Personen einzuladen. „Gleiches gilt für die Schulhöfe.“ Aus diesem Grund dürfen außer Erziehungsberechtigten keine weiteren Angehörigen den Einschulungen beiwohnen. Diese Regelung gelte demzufolge auch für Geschwister.

Verweis auf andere Bundesländer

Kritik kommt dafür von Nadine Eggers und Bianca Ziehm. Die Mütter haben zwei Söhne, die Ende August eingeschult werden sollen. Die Information, dass keine Geschwister zu den Einschulungsfeiern kommen können, sei nur über Dritte durchgesickert. „Dass in diesen Zeiten keine weiteren Angehörigen zur Einschulung kommen dürfen, ist nachvollziehbar. Aber die Geschwister gehören an so einem besonderen Tag dazu“, finden sie. Die abgespeckte Einschulung in diesem Jahr würde dafür sorgen, dass das Ereignis seine Besonderheit verliere.

„Es gab wegen der Corona-Krise keine Hospitationen und keine Einführungen. Die Kinder kennen die Schule noch gar nicht“, sagen die Mütter und richten ihre Kritik an die Bildungsbehörde. Wie die Einschulung an der Schule ihrer Söhne letztlich ablaufen soll, wissen die beiden zwar noch nicht. „Aber wir würden uns über eine feierliche Einschulung freuen.“ In anderen Bundesländern wie Bayern, Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern habe sich die Politik für eine schöne Einschulung ausgesprochen. „Daran könnte sich Bremen mal orientieren“, fordern Eggers und Ziehm.

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25 Kinder pro Klasse, je zwei Erziehungsberechtigte und ein Dutzend Lehrer ergäben nicht einmal hundert Personen. Bei bis zu 250 Teilnehmern für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sei hier noch genug Spielraum. „Ein Kind plus vier Begleiter, das wäre ein Traum“, sagen die Mütter. In Niedersachsen sind Schulveranstaltungen mit bis zu 250 Personen erlaubt. Wie das niedersächsische Kultusministerium mitteilte, können die Schulen auf Grundlage der aktuell gültigen Landesverordnung selbst entscheiden, wie sie ihre Einschulungsfeiern gestalten. Einen pauschalen Ausschluss der Geschwister oder anderer Familienangehöriger gibt es nicht.

Wichtig, dass es überhaupt Einschulungsfeiern gibt

Martin Stoevesandt, Sprecher des Zentralelternbeirates (ZEB) Bremen, zeigt dagegen auch Verständnis für die Entscheidung der Behörde: „Das Problem ist, dass die meisten Schulen weder eine Turnhalle noch eine Aula haben, die auch nur 100 Menschen mit einem Abstandskonzept beherbergen könnte.“ Der ZEB Bremen sei in die Planung eingebunden worden und halte es für richtig und wichtig, dass es überhaupt Einschulungsfeiern gibt.

„Aber es wäre schön, wenn die Kernfamilie mit Geschwistern, aber ohne Freunde und sonstige Verwandte, kommen könnte“, sagt Stoevesandt. Dafür müsse die Veranstaltung jedoch zwingend unter freiem Himmel stattfinden. „Das könnte meiner Meinung nach funktionieren. Wir befinden uns zu diesem Thema in einem engen Austausch mit der Bildungsbehörde", betont der ZEB-Sprecher.

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