Mehr Geld gefordert

In Bremen wurden mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt

In Bremen sind in den vergangenen Jahren mehr Straßenbäume gefällt als ersetzt worden. Das geht aus einer Vorlage für die Umweltdeputation hervor. Die Politik fordert nun mehr Geld.
04.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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In Bremen wurden mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt
Von Pascal Faltermann
In Bremen wurden mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt

Zahlreiche Bäume in Bremen sind in den vergangenen Jahren gefällt worden.

Frank Thomas Koch

Das Ziel ist klar: Jeder gefällte Baum soll ersetzt werden. Doch das ist in den vergangenen Jahren in Bremen nicht passiert. Von 2017 bis 2019 sind mehr Straßenbäume in der Stadt entfernt als neu eingesetzt worden. Das geht aus einer Vorlage für die Umweltdeputation hervor, die am Mittwochnachmittag tagte. Bei Politikern von SPD, CDU, Grünen, Linken und FDP sorgte das für Kritik. Die Vertreter aller Fraktionen forderten mehr Geld im Haushalt für neue Bäume, Schutz und Pflege.

1449 Bäume waren es, die 2019 abgesägt wurden, 571 Neupflanzungen gab es. In den beiden Jahren davor sah es ähnlich aus: 1200 gefällte Bäume und 609 neue im Jahr 2018 und 850 (596) im Jahr 2017. Trotzdem ist laut Umweltressort die Zahl der Straßenbäume insgesamt von 69 510 (2017) auf 71 168 (2019) gestiegen. Diese Zunahme ergibt sich durch die digitale Erfassung von bisher nicht registrierten Bäumen durch den Umweltbetrieb Bremen (UBB). Die Zahlen zeigen nur die Nachpflanzungen durch den UBB, darüber hinaus gibt es nach Angaben des Umweltressorts zahlreiche neue Bäume, die durch Dritte in die Erde gesetzt wurden.

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„Ich bin enttäuscht, dass die Fällungen nicht kompensiert werden konnten“, sagte Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU), in diesem Fall als Deputierter. Er könne nicht verstehen, dass das seit mehr als zwölf Jahren von den Grünen geführte Umweltressort dies nicht hinbekommen habe. Der Baumbestand werde seit Jahren nicht so erneuert, wie er abgehe.

„Sie müssen die Bäume eins zu eins ersetzen, daran werden wir Sie messen“, sagte Imhoff an Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) gerichtet. Es sei das erklärte Ziel, jeden Baum zu ersetzen, auch wenn dies nicht immer an der gleichen Stelle funktioniere, entgegnete Schaefer. Deswegen suche man im Ressort derzeit nach weiteren Flächen. Dem FDP-Deputierten Magnus Buhlert reichte das nicht: „Ziel muss es sein, mehr Bäume zu haben als vorher.“

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Das Stadtgrün durch Bäume und Parks sei vor allem zu Zeiten der Corona-Krise „systemrelevant“, weil sich die Menschen vermehrt in Grünanlagen aufhielten, sagte Ralph Saxe (Grüne). Und weiter: „Es ist eine schwierige Situation, es fehlt ganz klar das Geld.“ Zudem sei das Grün entscheidend, um die Stadt dem Klimawandel anzupassen. „Es dürfen nicht nur ein paar hunderttausend Euro sein, sondern ein großer Schluck, der dafür in den Haushalt eingestellt werden muss“, so Saxe. Dies müsste sicher ein zweistelliger Millionenbetrag sein.

Ähnlich sieht es Arno Gottschalk (SPD): „Geld ist das Hauptthema.“ Er sei unzufrieden mit der derzeitigen Situation, und es müsse nachgebessert werden. „Dafür brauchen wir aber eine Gesamtbetrachtung, was wir an finanziellen Mitteln benötigen“, so Gottschalk. Zudem müsse der Umweltbetrieb personell verstärkt werden, ergänzte Ingo Tebje (Linke).

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Die Pflege, das Wässern und der Schutz der Bäume waren weitere Aspekte der langen Diskussion in der Umweltdeputation. Es sei mittlerweile der dritte Sommer mit einer starken Trockenheit, der den Pflanzen zu schaffen mache, sagte CDU-Politiker Imhoff. Die Dürreperioden und die Herbststürme durch den Klimawandel sowie das Parken auf Wurzeln seien weitere Faktoren, die vor allem den Altbäumen Probleme bereiteten, betonte Senatorin Schaefer.

Derzeit rechne man für die Pflege mit 45 Euro pro Baum, was bei mehr als 70 000 Straßenbäumen eine Summe von gut 3,5 Millionen Euro ergebe, die dem Umweltbetrieb auch zu Verfügung gestellt werde, erklärte Thomas Knode aus dem Umweltressort. „Bundesweit gibt es allerdings einen Richtwert von 60 Euro pro Baum“, so Knode. Hinzu kämen 250 000 Bäume in Bremens Grünanlagen. Wie aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage aus dem März hervorgeht, gibt es in dem Bereich einen akuten Bedarf von etwa zehn Millionen Euro.

Weil das öffentliche Grün in der Hansestadt seit vielen Jahren unterfinanziert sei, hatte das Bündnis „Lebenswerte Stadt – grünes Bremen“ Ende Mai Investitionen in Höhe von mindestens 35 Millionen Euro gefordert und in einem Positionspapier konkrete Sofortmaßnahmen vorgeschlagen. Diese sollten aus geplanten Konjunkturprogrammen finanziert werden, so das Bündnis.

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