Mitteilungspanne zwischen Gesundheitsämtern

Quarantäne-Anordnung nach vier Wochen

Die Bremer FDP-Fraktion fordert Aufklärung zu einem Fall, bei dem zwei Kontaktpersonen eines Corona-Infizierten mit vierwöchiger Verzögerung informiert wurden. Die Bremer Behörde weist die Vorwürfe zurück.
13.10.2020, 05:00
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Quarantäne-Anordnung nach vier Wochen
Von Sabine Doll
Quarantäne-Anordnung nach vier Wochen

Antworten auf Fragen zu den Engpässen des Gesundheitsamtes will die FDP-Fraktion in der kommenden Gesundheitsdeputation am 10. November von Senatorin Claudia Bernhard (Linke) bekommen.

Stefan Puchner

Wie groß sind die personellen Engpässe im Gesundheitsamt für die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen? Und wie kann es sein, dass es zu einer mehrwöchigen Verzögerung kommt, bis Betroffene nach einem Kontakt mit einem Corona-Infizierten vom Gesundheitsamt über die Quarantäne-Verordnung informiert werden? Dies vor allem zu einer Zeit, als die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Bremen noch vergleichsweise moderat war?

Antworten darauf will die FDP-Fraktion in der kommenden Gesundheitsdeputation am 10. November von Senatorin Claudia Bernhard (Linke) bekommen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Liberalen, Magnus Buhlert, hat am Montag einen Sachstandsbericht eingefordert. Anlass ist ein Fall, der bereits auf Anfang September datiert und über den die Zeitung „Welt“ zuerst berichtet hat.

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Das Schreiben des Gesundheitsamts Bremen, auf das sich der Bericht bezieht, ist vom 6. Oktober: Darin wurden zwei Bremer darüber informiert, dass sie am 8. September Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten und sich daher in eine 14-tägige häusliche Isolierung begeben müssen. Der Behördenbescheid ging demnach zwei Wochen nach dem eigentlichen Ende der Quarantäne bei den Betroffenen ein.

Anfang September war Bremen noch ein gutes Stück von dem Inzidenzwert 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern entfernt. Die tägliche Zahl der Neuinfektionen bewegte sich unter 20. Dem Bericht zufolge kam der Infizierte nicht aus Bremen, sondern aus dem niedersächsischen Umland. Dieser hatte das für ihn zuständige Gesundheitsamt über die Infektion informiert, ebenso seine Kontaktpersonen aus Bremen, sodass sie sich testen lassen konnten. Die offizielle Benachrichtigung über die Quarantäne kam erst am 6. Oktober.

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„Die berichtete Mitteilungspanne macht deutlich, wie wichtig die Besetzung der Stellen im Gesundheitsamt ist. Es darf nicht sein, dass jemand erst mehr als vier Wochen nach dem Kontakt über die Anordnung der Quarantäne informiert wird“, fordert Buhlert. „Damit zerstören wir jegliches Vertrauen in die Akzeptanz der Maßnahmen.“ Angesichts der vielen Corona-Infektionen mit sehr geringen Symptomen bestehe eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene unbewusst noch andere Menschen ansteckten. Die Panne habe die Gesundheit von Menschen gefährdet.

Wenn schon bei den geringen Infektionszahlen im September die Nachverfolgung nicht klappe, müsse dafür gesorgt werden, dass sie nun besser gelinge, so der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete. „Ich habe die klare Erwartung an die Gesundheitssenatorin, dass die Probleme im Gesundheitsamt jetzt endlich angepackt werden. Nicht nur bei der Nachverfolgung wird die Problematik der teilweise seit Jahren unbesetzten Stellen im Gesundheitsamt deutlich.“

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Das Gesundheitsressort weist im konkreten Fall die Vorwürfe zurück. „Die entscheidende Information ist, dass der Infizierte aus dem niedersächsischen Umland kam. Das Bremer Gesundheitsamt kann erst reagieren, wenn wir vom dort zuständigen Gesundheitsamt Informationen über eine Infektion bekommen. Ansonsten können Kontaktpersonen in Bremen nicht nachverfolgt und über Quarantäne-Maßnahmen benachrichtigt werden. Schlicht deshalb, weil wir nichts von einer Infektion und Kontaktpersonen in Bremen wissen“, sagt der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, dem WESER-KURIER.

Im fraglichen Zeitraum Anfang September habe es deutlich weniger Corona-Infektionen in Bremen gegeben. „Wir können auf jeden Fall versichern, dass allen Fällen, von denen wir Kenntnis haben, zeitnah nachgegangen wird und die Betroffenen informiert werden. Die Information im konkreten Fall ist mit großer Wahrscheinlichkeit keine vier Wochen im Gesundheitsamt Bremen liegen geblieben“, betont der Sprecher. Ein Indiz dafür sei, dass sich das Gesundheitsamt telefonisch auch erst an dem Tag gemeldet habe, an dem der Brief verschickt worden sei, verweist Fuhrmann auf den Bericht in der „Welt.“

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