Geschäfte schließen in der Bremer City

Die Bremer Innenstadt blutet aus

Ein Schlag nach dem anderen, und sie treffen die Bremer Innenstadt hart. Viele Geschäfte sind bereits geschlossen. Aufhören wird nach dem Auszug von Galeria Kaufhof im selben Gebäude nun auch der Edeka-Markt.
18.12.2020, 05:00
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Von Jürgen Hinrichs und Lisa Boekhoff
Die Bremer Innenstadt blutet aus

Die Rolltreppe steht still, die Räume sind leer – so sieht es jetzt in der ehemaligen Esprit-Filiale in der Lloydpassage aus.

Christina Kuhaupt

Galeria Kaufhof hat vor zwei Monaten aufgegeben, trotzdem sollte es mit dem Edeka-Markt im Untergeschoss des Gebäudes weitergehen, doch das ist nun vorbei: Auch der Lebensmittelhändler hört auf, obwohl er erst vor Kurzem einen neuen Mietvertrag vereinbart hatte. Das ist Teil einer Kaskade von Ladenschließungen, die der Innenstadt schwer zu schaffen macht. Überall Leerstände. Geisterstimmung, zumal während des Lockdowns.

„Wir schließen am 9. Januar“, sagte Edeka-Inhaber Michael Bredow am Donnerstag im Gespräch mit dem WESER-KURIER. In den vergangenen Monaten habe es starke Umsatzeinbußen gegeben, bis zu 50 Prozent. Der zweite Lockdown verschärfe diese Entwicklung noch. Hinzu komme, dass viele Menschen im Homeoffice arbeiten würden. Und es fehlten die Touristen. Bredow: „Es geht kaum noch einer in die Stadt. Da kommt man auf keinen grünen Zweig.“

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Aktuell sind es außerdem zwei Schuhläden, die dichtgemacht haben: die Filiale von CCC in der Hutfilterstraße und das inhabergeführte Schuhhaus Meineke in der Sögestraße. Reiner Hautop hatte für Heiligabend angekündigt, sich verabschieden zu wollen. Sein Fachgeschäft für besonders edle Fußbekleidung gibt es in der Carl-Ronning-Straße seit 35 Jahren. Nachdem die Läden wegen Corona alle wieder schließen mussten, mindestens bis zum 10. Januar, bedeutet das für den Verkauf bei Hautop möglicherweise schon das Ende.

Schräg gegenüber werden in einem weiteren Laden gerade alle Innenausbauten beseitigt. Hier, auf der Ecke zur Knochenhauerstraße, wurde bei L'Uomo 41 Jahre lang Luxuskleidung verkauft. Vorbei. Mieter und Vermieter konnten sich nicht über einen neuen Vertrag einigen. Direkt daneben hat Pelze Graupner seinen Laden. „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“, prangt im Schaufenster. Wieder nur ein paar Häuser weiter unterhielt das Textilunternehmen Wellensteyn eine Filiale. Sie wurde aufgegeben und steht leer. Wellensteyn hat sich verkleinert und ist in die Obernstraße gezogen. Überhaupt gibt es nicht nur Schwund in der Innenstadt, auch wenn es so scheint. Schuhanbieter Ecco zum Beispiel ist ebenfalls innerhalb der City umgezogen. Görtz hat sich dabei sogar vergrößert.

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Insgesamt ist aber ganz klar ein Aderlass zu beobachten, insbesondere in der Textilbranche. Marken wie Mango, Gerry Weber, Benetton, Brax und Orsay sind in der Innenstadt Geschichte. Esprit ist auch verschwunden, vor anderthalb Jahren war Schluss. Der Nachfolger auf der großen Fläche zwischen Obernstraße und Lloydpassage, ein Outlet-Store, hat auch schon wieder die Zelte abgebrochen. Am Donnerstag waren Arbeiter damit beschäftigt, die Ladeneinrichtung zu demontieren und zu entsorgen. Der Krach hallte durch die Straßen und klang wie Abbruch. Bei Gerry Weber zieht mit Unterstützung der Stadt demnächst ein sogenannter Concept-Store ein. Das Einkaufen besonders nachhaltiger Produkte soll dort zum Erlebnis werden.

Die Lloydpassage ist binnen weniger Jahre von einer ansehnlichen Shopping-Mall zu einem Problemfall geworden. Zu tun hat das insbesondere mit der unsicheren Situation, seitdem es den Plan von Kurt Zech gibt. Der Bremer Unternehmer will das Parkhaus Mitte abreißen, um die Fläche und das Gebiet drumherum neu zu entwickeln. Eingeschlossen werden sollen das denkmalgeschützte Karstadt-Gebäude und die ehemalige Galeria-Immobilie.

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Dort wird nach dem angekündigten Auszug von Edeka im Wesentlichen nur noch der Elektronikhändler Saturn die Stellung halten, bis im Sommer als weiterer Ankermieter die Möbelhauskette Opti hinzustößt. Dass der Eigentümer so entschieden hat und nicht auf die Offerte von Zech eingegangen ist, könnte dessen Pläne entscheidend zurückwerfen. Allemal bleibt aber die Ungewissheit – Gift für Geschäfte.

Michael Bredow sieht – ebenso wie es beim Unternehmen Edeka selbst der Fall sei – derzeit keine Perspektive für den Standort in der Bremer Innenstadt. Mit dem neuen Rewe-Markt in der Obernstraße gebe es zudem noch neue Konkurrenz. Die Verluste hätten ihn gezwungen, seine Ersparnisse aufzubrauchen. „Die Corona-Hilfen fließen nicht“, so der Geschäftsführer. Die letzten Reserven wolle er nun für seine Altersvorsorge einsetzen. Vor der Schließung solle es noch einen Rabattverkauf für Tiefkühlware, Obst, Gemüse und andere Frischeprodukte geben. Trockenware wie Konservendosen gingen in den Verkauf anderer Märkte von Edeka.

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