Nach Trockenheit im April Hoffen auf den Regen - nicht nur in Bremen

Pflanzen leiden unter der extremen Trockenheit der vergangenen Wochen. Auch in den kommenden Tagen soll nur wenig Regen fallen.
28.04.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hoffen auf den Regen - nicht nur in Bremen
Von Elena Matera

Sonnenschein und kaum ein Tropfen Regen – das frühlingshafte Wetter in den vergangenen Wochen hat viele Bremerinnen und Bremer nach draußen gelockt. Die wochenlange Trockenheit ist laut Annika Brieber allerdings ungewöhnlich. „Zuletzt hat es Mitte März geregnet“, sagt die Meteorologin aus dem Klimahaus Bremen.

Der April war in den vergangenen zehn bis elf Jahren laut der Wetterexpertin stets recht trocken. Die Niederschlagsmenge habe immer um die 40 bis 60 Prozent des Monatssolls erreicht. In diesem Jahr seien es im Land Bremen hingegen nur ein bis drei Prozent. „Das ist absolut extrem, ein starker Ausreißer nach unten“, sagt Brieber. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) gab es bisher in diesem April nur 0,6 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Weniger Niederschlag gab es demnach noch nie in einem Monat in Bremen seit Beginn der Aufzeichnungen. Allerdings: Für die Jahre zwischen 1946 und 1964 liegen keine genauen Daten vor.

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Die extreme Trockenheit setzt laut Brieber den Pflanzen zu und betrifft vorwiegend die obersten Zentimeter des Bodens – Schichten, in denen zurzeit gesät wird. „Das ist vor allem ein großes Problem für die Landwirte“, sagt die Meteorologin. „Sie müssen jetzt viel selbst wässern.“

Gerade im Norden Deutschlands sei es in den vergangenen Wochen sehr sonnig und kühl gewesen. „Diese trockene, kühle Luft war nicht warm genug, damit sich auch Gewitter bilden können“, betont die Wetterexpertin. In den kommenden drei bis vier Tagen soll den Voraussagen zufolge zwar wieder ein andauernder Regen fallen, doch die Menge sei vermutlich gering. „Starkregen wird es nicht geben, sondern eher Niesel- bis Landregen. Am Tag werden um die fünf Millimeter fallen", so Brieber.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Nur wenn es längere Zeit regnet, könne der Boden wieder genug Feuchtigkeit bekommen. „Es kann aber auch gut sein, dass nach ein paar Regentagen wieder die Trockenheit einsetzt“, sagt Brieber. Dann wären die Regentage nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Tim Großmann, Direktor des Bürgerparks, wartet sehnsüchtig auf Regen. „Für diese Jahreszeit ist es sehr trocken“, sagt er. Da es im Januar und Februar allerdings kräftig geregnet habe, gebe es noch Feuchtigkeit in den tieferen Bodenschichten. Die älteren Bäume des Bürgerparks profitierten davon, da sie tief mit ihren Wurzeln in den Boden greifen. Anders sehe es bei Pflanzen mit flachen Wurzeln aus. „Da merken wir schon deutlich, dass sie unter Trockenstress leiden“, betont Großmann. „Die großen Heuwiesen vor dem Parkhotel wachsen deutlich langsamer, und auch die Rasenränder sind extrem trocken.“

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Neu gepflanzte Bäume und Sträucher müssten daher zurzeit intensiv bewässert werden, da sie noch nicht verwurzelt seien. „Wir sind auch schon dabei, die im vergangenen Jahr angepflanzten Bäume zu bewässern“, sagt Großmann. Wenn die Trockenheit nach den erwarteten Regentagen wieder Einzug halte, müsse die intensive Bewässerung fortgesetzt werden. „Das kostet natürlich viel Zeit und Geld“, sagt der Parkdirektor.

Halte die Trockenheit an, verschlimmere dies die Lage. „Die Bäume werden weiter treiben und ihr Laub bilden. Sie verdunsten dadurch schneller. Der Boden wird gleichzeitig immer trockener werden“, sagt Großmann. Werde es wärmer, seien die Auswirkungen auf die Pflanzen des Bürgerparks noch sehr viel stärker. Dann werde man auch ganz schnell bei den Bäumen den Trockenstress erkennen.

Sorgenvoller Blick auf den Sommer

„Nach den beiden vergangenen sehr trockenen Sommern blicke ich schon mit Sorge auf diesen Sommer“, sagt der Parkdirektor. „Wenn er wieder so trocken wird, haben wir ein Problem. Ich sehe die Lage sehr kritisch.“

Diese Befürchtung gibt es auch beim Umweltbetrieb Bremen. Auch dort ist man auf ein weiteres Jahr mit Trockenheit eingestellt, wie Sprecherin Kerstin Doty betont. „Es ist schon sehr auffällig, dass wir in den vergangenen Jahren sehr trockene Sommer und Frühjahre hatten. Wir gehen davon aus, dass erneut ein trockener Sommer auf uns zukommt.“ Wenn es dieses Jahr mit den Trockenphasen weitergehe, müsse der Umweltbetrieb erneut ressortübergreifend um Unterstützung bitten, damit zum Beispiel Bäume bewässert werden können – etwa von der Freiwilligen Feuerwehr.

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Frisch gepflanzte Bäume würden bereits jetzt bewässert. „Und auch die Jungbäume werden wir auch schon bald wässern müssen“, sagt Doty. Die älteren Bäume könnten noch aus ihren eigenen Reserven schöpfen. „In Bremen ist der Grundwasserspiegel noch recht gut“, sagt die Sprecherin. „Die richtigen Probleme haben die Landwirte, denn sie müssen mit Ernteeinbußen rechnen.“

Ob der trockene Frühling ein Vorbote auf einen Dürresommer wird? „Das können wir noch nicht prognostizieren“, sagt Meteorologin Brieber. „Es gab schon Aprilmonate, die trocken waren und dann folgte ein feuchter Sommer.“ Falls es allerdings erneut zu einem trockenen Sommer kommen sollte, dann hätte die Trockenheit bereits früh im Jahr angefangen. „Das wäre vergleichbar mit 2018. Da hatten wir ein trockenes Frühjahr und einen trockenen Sommer“, sagt Brieber. „Wir müssen das weiter beobachten.“

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