Nationale Teststrategie

Bremen wartet auf die Corona-Schnelltests

Pflegeheime und Krankenhäuser sollen künftig vorrangig Corona-Schnelltests einsetzen, das sieht die nationale Teststrategie des Bundesgesundheitsministers vor. Sie soll an diesem Mittwoch in Kraft treten.
14.10.2020, 06:09
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Bremen wartet auf die Corona-Schnelltests
Von Sabine Doll
Bremen wartet auf die Corona-Schnelltests

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Corona-Schnelltests für Pflegeheime und Kliniken angekündigt.

Bodo Schackow

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Corona-Schnelltests für Pflegeheime und Krankenhäuser angekündigt. An diesem Mittwoch soll eine nationale Teststrategie in Kraft treten, die unter anderem den Einsatz sogenannter Antigentests in hochsensiblen Bereichen ermöglicht. Nach etwa 15 Minuten soll das Ergebnis eines solchen Tests vorliegen, ganz ohne Labor. Wann die Tests in großem Umfang zur Verfügung stehen und wie sie in Ländern, Kreisen und Kommunen verteilt werden, ist noch unklar.

„Der Bund hat mit vier Unternehmen verhandelt und sich eine Abnahmemenge gesichert. Die Länder können selbstständig Kontingente bestellen. Allerdings wissen wir noch nicht, wann und in welchem Umfang mit den Lieferungen gerechnet werden kann“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, auf Anfrage des WESER-KURIER. Die Länder sollen eine Liste mit den Anbietern erhalten. Finanziert werden sollen die Tests aus dem Gesundheitsfonds, über den die gesetzlichen Krankenkassen ihre Mittel erhalten.

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„Wir warten sehnsüchtig“, sagt der Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Mit der Zunahme der Neuinfektionen steigt der Druck vor allem auch auf Kliniken und Pflegeheime. Patienten und Bewohner zählen zur Risikogruppe für schwerwiegende und tödliche Folgen einer Infektion. Auch die Beschäftigten in diesen Bereichen sind einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt. Es geht um Kapazitäten: Im Herbst und im Winter sind die Kliniken etwa durch die Grippewelle in der Regel stärker ausgelastet, das gilt auch für die Intensivstationen. Und auch beim Personal ist der Krankenstand saisonbedingt höher.

Bremen will die Schnelltests laut Fuhrmann vorrangig in diesen „hochsensiblen Bereichen“ einsetzen. „In den Kliniken wird jeder, der etwa mit Fieber kommt, als potenzieller Corona-Patient eingestuft. Das heißt: komplizierte und aufwendige Isolierung, bis ein Testergebnis vorliegt. Das kann bis zu einem Tag oder auch länger dauern, je nach Auslastung der Labore.“ An diesen Stellen könnten die Tests „unglaublich hilfreich sein, um einen schnelleren Überblick zu bekommen und um Risikogruppen noch effektiver zu schützen“.

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In den Pflegeeinrichtungen wird ebenso sehnsüchtig auf den Einsatz der angekündigten Corona-Schnelltests gewartet. Der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände (LAG) in Bremen, Arnold Knigge, sieht mehrere Vorteile durch schnelleren Ergebnisse: „Das gibt Beschäftigten mehr Sicherheit. Wir haben den Behörden vorgeschlagen, dass sie in den Einrichtungen von examinierten Pflegefachkräften vorgenommen werden können, damit nicht zusätzliches Personal des Gesundheitsamts eingesetzt werden muss.“ Dieser Vorstoß sei bislang abgelehnt worden. Die Schnelltests könnten auch bei Besuchern eingesetzt werden. Knigge: „Das würde die Situation entlasten.“

Auch die Krankenhäuser hoffen auf Entlastung durch zusätzliche Schnelltests. Das Rotes Kreuz Krankenhaus (RKK) in Bremen hat laut Sprecherin Dorothee Weihe „einige hundert Antigentests bis Ende des Jahres“ in Eigenregie bestellt, geplant ist der Einsatz ab kommender Woche. „Die kurze Testzeit ist das eine. Wir versprechen uns davon, dass Kapazitäten besser geplant, Personal gezielter eingesetzt werden kann, wenn Ergebnisse schneller vorliegen“, so die Sprecherin.

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Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer hält Schnelltests für eine gute Ergänzung – auch um die Labore zu entlasten und die Kontaktnachverfolgung zu beschleunigen. Er warnt aber auch davor, in ihnen ein „Allheilmittel“ zu sehen. Antigentests sind laut Dotzauer in der Aussagekraft nicht so zuverlässig wie PCR-Tests, die es auch als Schnelltest gibt. Vorteil der Antigentests sei zwar, dass sie unkompliziert überall vorgenommen werden könnten.

Für den PCR-Schnelltest sei ein mobiles und kleines, aber teures Kartuschen-Gerät erforderlich. Dotzauer: „Die Tücke bei Antigentests ist, dass eine hohe Konzentration der für das Virus typischen Proteine erforderlich ist. Bei Menschen mit einem milden Verlauf oder gegen Ende der akuten Infektion kann die Viruslast aber gering sein.“ Deshalb sei nicht sicher, ob auch asymptomatische Patienten oder jene mit milden Verläufen durch die Tests erkannt würden. Es bestehe das Risiko einer falschen Sicherheit.

Die Tests seien „definitiv“ nichts für den Heimgebrauch oder beim Einlass von Veranstaltungen, sie gehörten in professionelle Hände. Und: Positive Befunde müssten durch PCR-Tests bestätigt werden. Angesichts steigender Infektionszahlen weist der Virologe darauf hin, dass das Verhalten maßgeblich für den Pandemie-Verlauf sei: „Das Virus ist nicht aggressiver geworden. Viren sind Opportunisten, sie nutzen Gelegenheiten. Die Gelegenheiten werden mehr, deshalb steigen die Zahlen.“

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