Für soziales Engagement geehrt

Ute Wedemeier mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Bremens ehemalige First Lady, Ute Wedemeier, ist im Rathaus für ihr langjähriges Engagement im gemeinnützigen und karitativen Bereich im Rathaus mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.
27.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ute Wedemeier mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet
Von Sigrid Schuer

Für ihr langjähriges Engagement für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist Ute Wedemeier am Mittwoch im Auftrag des Bundespräsidenten von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) im Rathaus das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen worden. Mit der höchsten Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland werde ihre „herausragende, persönliche Leistung für das Gemeinwohl“ gewürdigt: „Du hast viel Zeit und Herzblut in Deine ehrenamtliche Tätigkeit investiert“, betonte Bovenschulte.

Für Bremens ehemalige First Lady ist es bereits die dritte Auszeichnung. 2012 wurde ihr die Marie-Juchacz-Plakette der Arbeiterwohlfahrt verliehen. 1996 erhielt sie das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen für den Einsatz bei der humanitären Danzighilfe.

Kinderhilfe Riga gegründet

Wedemeier hat eine besondere biografische Beziehung zu Danzig. Ihre Eltern stammen aus Danzig. 1945 flohen sie nach Norddeutschland, dort wurde drei Jahre später Ute Flämig in Kleinwörden bei Hemmoor geboren. 1984 heiratete sie Klaus Wedemeier, von 1985 bis 1995 Bremer Bürgermeister. Zu Beginn seiner Präsidentschaft des Senates wurde Riga weitere Partnerstadt Bremens, Danzig war dies bereits seit 1976. Mitte der 1990er-Jahre ereignete sich auf der ehemaligen Lenin-Werft in Danzig ein Unglück: Bei einer Disco-Veranstaltung geriet eine der ehemaligen Werfthallen in Brand. Das Inferno forderte 280 Schwerverletzte. Wedemeier sprach Professor Dieter Paschmeyer, den Armspezialisten der Roland-Klinik an, und erreichte, dass die Schwerverletzten kostenlos operiert werden konnten.

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Neben Danzig entwickelte sich in Riga ein weiterer karitativer Schwerpunkt der Sozialpolitikerin, die von 1971 bis 1987 im Auslandsamt der Bremer Universität arbeitete. „Ich habe meinen Mann auf seinen Reisen nach Riga begleitet und unter anderem die einzige Kinderklinik Lettlands besucht“, erzählt sie. Die Zustände, die sie dort vorfand, seien unbeschreiblich gewesen.

Die Klinik wurde um die Wende des vorletzten Jahrhunderts gebaut und genauso habe sie 1986 immer noch ausgesehen. Die Infektionsstation: Völlig feucht. „Auf der Leukämiestation sind damals 80 Prozent der kleinen Patienten gestorben“, sagt sie. Mit Dirk Fiedler, dem damaligen Obermeister der Bremer Maler- und Lackierer-Innung, dem sie von den Missständen erzählt hatte, flog sie nach Riga. Fiedler renovierte mit seinen Auszubildenden die Kinderklinik.

Kontakte zu privaten Hilfsorganisationen aufgebaut

Wedemeier baute zudem Kontakte zu privaten Hilfsorganisationen auf, die Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen gegründet hatten. Wie in vielen Ostblockstaaten damals üblich, seien diese Kinder oftmals weggesperrt worden. In einer konzertierten Aktion ließ Bremens ehemalige First Lady Kinderheime und in Kooperation mit dem Martinsclub in Bremen Behindertenwerkstätten einrichten: „Von dort wurden Wolle und Webstühle gespendet“.

Wie es ihr gelang, in der Bremer Wirtschaft und bei Bremer Bürgern von 1990 bis 2002 rund drei Millionen an Geld- und Sachspenden für die von ihr gegründete Kinderhilfe in Riga zu sammeln? „Man braucht schon einen langen Atem, muss hartnäckig sein und auf die Menschen zugehen“, sagt Wedemeier. Anpacken und überzeugen – dies seien wesentliche Voraussetzungen.

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Wedemeier ist noch immer Vorstandsmitglied bei der AWO international, deren stellvertretende Vorsitzende sie lange Jahre war. Mit Finanzmitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden Hilfsprojekte etwa in Guatemala und auf den Philippinen, aber auch in Nepal und von dort aus auch in Indien und Bangladesch realisiert. Hilfe zur Selbsthilfe, Nachhaltigkeit und internationale Solidarität seien die Ziele der Organisation, die unter anderem Frauenprojekte unterstützt und Notfallhilfe nach dem Erdbeben in Kathmandu leistete. Sie sehe in der hohen Auszeichnung auch einen Dank an die vielen Menschen, die sich mit ihr engagiert hätten, betont Wedemeier.

Info

Zur Sache

Ehrenamtliche Tätigkeit

Ute Wedemeier amtierte 23 Jahre, von 1993 bis 2016, als Vorsitzende des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt Bremen. Von 2000 bis 2008 war sie Mitglied im Bundesvorstand und ab dann weitere vier Jahre Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes. 1990 gründete sie die Kinderhilfe Riga. 1999 war die Sozialpolitikerin Gründungsmitglied der AWO international, von 1985 bis 1995 Kuratoriumsmitglied des Müttergenesungswerkes.

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