Bildung in Zeiten von Corona

Bremens Schulen und Kitas wachsen

Die Zahl der Bremer Lehrkräfte ist seit dem Vorjahr gestiegen - trotzdem fehlen Pädagogen und Erzieher. Die Bildungssenatorin informiert über das neue Schul- und Kita-Jahr und gibt neue Corona-Regeln bekannt.
26.08.2020, 05:00
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Bremens Schulen und Kitas wachsen
Von Sara Sundermann
Bremens Schulen und Kitas wachsen

Schulstart in Corona-Zeiten: Wie die anderen Länder hat sich Bremen darauf mit einer Reihe von Vorgaben vorbereitet.

Arne Dedert /dpa

Mehr Kita-Kinder, mehr Schüler, mehr neue Lehrer, und trotzdem bleibt Personalmangel ein großes Thema. Das neue Schul- und Kita-Jahr steht im Zeichen des Wachstums. Und es wird weiter von Corona geprägt, das hat Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) am Dienstag bei einer Pressekonferenz zum Ende der Sommerferien deutlich gemacht: „Wir haben einen Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen.“ Der Senat hat am Dienstag auch veränderte Corona-Regeln für Kitas und Schulen beschlossen.

So tritt ab diesem Donnerstag wie angekündigt eine Maskenpflicht für alle weiterführenden Schulen und Berufsschulen ab der fünften Klasse in Kraft. Diese gilt nur für die Flure, in den Klassenräumen muss keine Maske getragen werden. Zufällige Begegnungen im Gang seien nicht gut nachzuverfolgen, sagte Bogedan – wer zusammen in einem Klassenraum gesessen habe, dagegen schon.

Lockdown soll verhindert werden

Es seien in den Ferien von der Behörde sogenannte Stufenpläne für Kitas und Schulen erarbeitet worden. Diese stellen dar, wie man im Fall eines Ausbruchs an einer Bildungseinrichtung vorgehen will. Wenn die Infektionen beispielsweise an einer Schule oder in einem bestimmten Stadtgebiet ansteigen würden, könne es dazu kommen, dass an der Schule wieder in Halbgruppen unterrichtet werde oder dass beispielsweise eine Kita für zwei Wochen ganz schließen müsse, erläuterte die Senatorin. „Aber wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass es wieder zu einem pauschalen Lockdown kommt.“

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Bremen hatte das Glück der späten Ferien, sagte Bogedan: Dadurch habe man in anderen Bundesländern, die zum Teil schon vor vier Wochen in den Schulbetrieb zurückkehrten, beobachten können, wie sich dies auf die Infektionsrate auswirke. „Wir haben keine Indizien dafür, dass Schulen das Ausbruchsgeschehen verstärkt haben“, so die Senatorin.

Sie betonte, ein zentrales Element der Corona-Strategie in diesem Schuljahr werde das Lüften sein. Mindestens alle 45 Minuten müsse stoßgelüftet werden. „Das gilt auch für die Wintermonate“, sagte die Senatorin. Eltern sollten ihren Kindern bei kühleren Temperaturen deshalb Mützen und Schals mit in die Schule geben.

Kohorten-Prinzip soll jetzt auch für Kitas kommen

Neuerungen gibt es auch für die Kitas: In Krippen und Kindergärten darf es in Bremen nun wieder gruppenübergreifende Angebote geben. Das sogenannte Kohorten-Prinzip, das für Schulen bereits gilt, soll jetzt auch für die Kitas kommen. Das bedeutet: Es dürfen nicht alle Kinder einer Einrichtung in Kontakt kommen, sondern nur die Kinder, die zu einer festen Gruppe, gehören – zu einer Kohorte. In einer Kita können nun laut dem neuen Senatsbeschluss bis zu 60 Kinder zu einer Kohorte gehören, an einer Schule bis zu 120 Kinder.

Das Ziel dieser Öffnung sei, Betreuung in Randzeiten zu vereinfachen. Bislang hätten städtische Kitas nur für 55 Prozent der Kinder die vertraglich vereinbarte Betreuungszeit angeboten, so die Bildungssenatorin. Insbesondere habe es bei Früh- und Spätdiensten gehakt. In Randzeiten werden oft Kinder verschiedener Gruppen einer Kita gemeinsam betreut. Dies soll durch die neue Regelung nun wieder möglich werden.

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Unabhängig von Corona gilt: Die Zahl der Kita-Kinder und der Schülerinnen und Schüler ist laut Bildungsbehörde gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen. „Der Ausbau muss oberste Priorität haben“, bekräftigte Bogedan. Größtes Problem bleibe der Fachkräftemangel: Sowohl Lehrkräfte als auch Erzieher werden dringend benötigt. In Bremen konnten 61 Lehrerstellen nicht besetzt werden, vor allem an Oberschulen. Für rund 1100 zur Betreuung angemeldete Kinder gibt es keine Betreuung. Bei den Kitas sei durch die vielen neu gebauten Einrichtungen Raummangel nicht mehr das Hauptproblem: „Der größte Engpass ist das Finden von Fachpersonal.“

Trotz der unbesetzten Stellen zeigte sich die Senatorin optimistisch: „Ich sehe einen kleinen Hoffnungsschimmer.“ In diesem Jahr seien mehr neue Lehrer eingestellt worden als im Vorjahr, zugleich hätten weniger Lehrer den Schuldienst verlassen. „Ich hoffe, dass sich die Schere weiter schließen lässt.“ Verstärkung bekommen die Pädagogen von zusätzlichen Sozialarbeitern: Die bisherigen 118 Schulsozialarbeiter sollen 40 neue Kollegen bekommen. Ihre Stellen wurden im Haushalt verankert.

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Zur Sache

Zahlen zum Start des Kita- und Schuljahres

Derzeit fehlen rund 1100 Kita-Plätze. Mehr als 1480 neue Betreuungsplätze sollen laut Bildungsbehörde im Laufe des Kita-Jahres bis zum kommenden Sommer geschaffen werden. Elf neue Kitas sollen in verschiedenen Stadtteilen den Betrieb aufnehmen. Zum Vergleich: Derzeit gibt es in Bremen mehr als 23 100 Kita-Plätze.

In Bremen gibt es aktuell mehr als 54 700 Schülerinnen und Schüler. Das sind 730 mehr als vor einem Jahr. Vor allem die jüngeren Kinder werden mehr: Die Zahl der Erstklässler erhöht sich deutlich. In diesem Jahr haben 4980 Kinder am kommenden Sonnabend ihren ersten Schultag, im Vorjahr gab es 4600 Erstklässler.

Drei neue Schulen starten in der Stadt: Die Grundschule Überseestadt, die Grundschule Sodenmatt in Huchting, die fürs Erste noch in einem Mobilbau untergebracht ist, und die Oberschule Borchshöhe in Vegesack.

197 Lehrkräfte wurden neu eingestellt. 126 Pädagogen gingen in Pension oder verließen die Schulen aus anderen Gründen. Derzeit gibt es 5384 Lehrkräfte an öffentlichen Schulen in der Stadt, das sind 197 mehr als im Vorjahr.

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