Landesamt Geoinformation

Bremens Stadtplan in 3D

Das Landesamt Geoinformation hat Bremen in 3D vermessen. Spätestens am Jahresende soll die Karte online verfügbar sein. Wozu sie dient und warum sie mehr kann als Google Maps.
16.10.2019, 19:43
Lesedauer: 3 Min
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Bremens Stadtplan in 3D
Von Nina Willborn
Bremens Stadtplan in 3D

Nicht ganz so prachtvoll und farbig wie das echte, aber doch unverkennbar das Bremer Rathaus: Dieses 3D-Modell wurde gedruckt.

Christian Walter

Der Sex-Appeal des Wortes Liegenschaftskataster hält sich in Grenzen. Genauso, jedenfalls für die meisten Menschen, das Vergnügen beim Betrachten der entsprechenden Karten. Das liegt auch daran, dass auf ihnen die Stadt mit all ihren Bauten nur nach Länge und Breite abgebildet werden kann – bislang. Bremen erreicht nun sozusagen eine neue, nämlich die dritte Dimension in den Bereichen, für das Landesamt Geoinformation zuständig ist. Das dreidimensionale, digitale Abbild der Stadt ist so gut wie fertig und soll am Ende des Jahres online abrufbar sein.

Digitales Abbild ist das Ziel

Das gibt’s doch längst schon in Form von Google Maps, mag nun vielleicht jemand einwenden. Ja, gibt es, sagt Ulrich Gellhaus, Direktor von Geoinformation. „Aber Google Maps sind bunte Bilder. Uns geht es um Antworten und Analysen, nicht nur um die Daten. Unser Ziel ist ein digitales Abbild der Stadt in ihrer ganzen Komplexität.“ Was Gellhaus mit Komplexität meint, geht weit über die Informationen einer hergebrachten geowissenschaftlichen Karte hinaus. Im Prinzip können die Daten als Grundlage für fast alle Fragen einer Stadtgesellschaft dienen, für Aspekte des Verkehrs ebenso wie der Bildung, der Freizeit oder der Sicherheit – und natürlich auch architektonische Belange. „Die Kollegen in anderen Ressorts wissen oft gar nicht, welchen Datenschatz wir hier haben“, sagt er.

Wollte ein Architekt bislang wissen, wie hoch das Haus werden darf, das er neben schon vorhandene bauen will, musste im ungünstigsten Fall erst mal jemand vor Ort vermessen. „Die neue Kartenversion liefert Informationen wie Gebäudehöhen mit“, sagt Vermessungsingenieurin Sarah Tesmer. Die fraglichen Gebäude könnte sie sich bei Bedarf im Kleinformat anschauen, Teil des Projekts war auch die Anschaffung eines 3D-Druckers. „Wir überlegen noch, ob wir als Service anbieten, gegen Gebühr bestimmte Gebäude auszudrucken“, sagt Gellhaus. Bei den meisten Häusern wäre das allerdings relativ langweilig, weil sie im Modell wie Monopoly-Hotels aussehen. Nur bei aufwendig verzierten Stuckfassaden oder markanten Gebäuden wie dem Rathaus sind Details erkennbar.

Geoinformation hat die Stadt in 3D vermessen und stellt uns "Bremens digitalen Zwilling" vor - Anna Leonie Knoke Projektleiterin 3D

Projektleiterin Anna Knoke zeigt Modelle von Gebäuden im Stadtkern, die mit den 3D-Daten ausgedruckt wurden.

Foto: Frank Thomas Koch

Auch Schattenwurf kann simuliert werden

Auch bei anderen städtebaulichen Aspekten kann „Bremens digitaler Zwilling“ Zeit und Aufwand sparen. Wohin das neue Hochhaus zu welcher Uhr- und Jahreszeit seinen Schatten wirft, kann in 3D ebenso simuliert werden wie die Frage, ob durch eine geplante Bebauung zum Beispiel eine gefährliche Kreuzung entstehen kann, ob abbiegende Lastwagen Radfahrer und Fußgänger leicht übersehen könnten. „Analysen zur Schallentwicklung sind in 3D möglich, wir können auch bauliche Gefahren bei Starkregen aufzeigen“ erklärt Anna Knoke, Geografin und Projektleiterin des neuen Stadtmodells. Ebenso kann mit wenigen Mausklicks sichtbar gemacht werden, welche Hausdächer zumindest grundsätzlich das Potenzial besitzen, begrünt werden zu können – es sind übrigens erstaunlich viele, sogar das Rathaus.

Geoinformation hat die Stadt in 3D vermessen und stellt uns "Bremens digitalen Zwilling" vor - Ulrich Gellhaus

Ulrich Gellhaus leitet das Landesamt Geoinformation.

Foto: Frank Thomas Koch

Eine dreidimensionale Grundlage könnte auch Teil einer Beteiligung von Bürgern an der Stadtplanung sein. Bei der Rennbahnentscheidung war es bekanntlich anders gekommen als von der ehemaligen rot-grünen Regierung geplant. Hätten die Bremerinnen und Bremer die Bebauung auch abgelehnt, wenn sie die Pläne maßstabsgetreu auf der Rennbahn vor sich gesehen hätten? „Man weiß es natürlich nicht“, sagt Ulrich Gellhaus.

„Aber so eine ,Augmented Reality’ darzustellen, ist unser Ziel.“ Zukunftsmusik – noch, aber laut dem Direktor eher in zwei als zehn Jahren im Landesamt möglich. Die Diskussion um Aussehen und Wirkung des City Gates, die (auf Eis gelegten) Pläne von Daniel Libeskind für die Sparkasse am Brill, die auf den Plänen nicht sichtbare „Technik-Etage“ des Kühne + Nagel-Neubaus: Beispiele, in denen realistische Simulationen hätten aufklären können.

Eine wichtige Rolle soll „Bremen in 3D“ laut Gellhaus auch zukommen, wenn man weit über die Grenzen des Bauressorts hinweg denkt. Das große Stichwort sei aber die Vernetzung. „Indem wir ganz viele raumbezogene Daten übereinander schieben, bekommen wir Antworten auf Fragen wie: Wo brauchen wir den nächsten Spielplatz? Wo sehen wir jetzt schon, dass wir in vier Jahren größere Grundschulklassen haben werden und wie können wir das planen?“

Info

Zur Sache

So entsteht das Stadtmodell in 3D

Die technische Grundlage des 3D-Stadtmodells bilden Luftaufnahmen aus den Perspektiven direkt und schräg von oben. Hinzu kommen die Daten aus sogenannten Punktwolken, bei denen alle zehn Zentimeter die Daten eines Punktes im Stadtgebiet aufgenommen werden. Die aktuellen Bilder sind aus dem Mai. Mit speziellen Rechenprogrammen wird aus dem Datenmaterial eine dreidimensionale Karte erstellt. Sie enthält zwei LOD (Level of Details): In der ersten Stufe sind Gebäude nur als „Klötzchen“ dargestellt, in der zweiten mit standardisierten Dachformen. Zusätzlich werden manuell Details von besonders verzierten oder Gebäuden wie dem Rathaus herausgearbeitet.

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