Wehen-Mittel Cytotec

Bremer Ärztekammer-Chefin pocht auf Therapiefreiheit

In die Debatte um Cytotec hat sich die Bremer Ärztekammer-Chefin eingeschaltet: Sie kritisiert den Vorstoß der Gesundheitssenatorin, einheitliche Standards für die Verwendung an Bremer Kliniken zu schaffen.
19.02.2020, 11:42
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Bremer Ärztekammer-Chefin pocht auf Therapiefreiheit
Von Sabine Doll
Bremer Ärztekammer-Chefin pocht auf Therapiefreiheit

Auch in Bremer Geburtskliniken wir das Medikament Cytotec, das als Magenschutzmittel in Deutschland zugelassen ist, zur Einleitung von Wehen eingesetzt. Dies ist im sogenannten Off-Label-Use, der eine ausführliche Aufklärung der Patientin voraussetzt, erlaubt.

Ärztekammer Bremen

Für die Verwendung des umstrittenen Wehen-Mittels Cytotec an Bremer Geburtskliniken soll es einheitliche Standards geben: Das fordert Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), sie sollen an einem Runden Tisch festgelegt werden, zu dem die Senatorin einladen will. Bremens Ärztekammer-Präsidentin Heidrun Gitter warnt jetzt: „Die ärztliche Therapiefreiheit darf nicht durch politische Anordnungen eingeschränkt werden. Es ist nicht Aufgabe der Politik, Vorgaben für individuelle ärztliche Behandlungen zu machen.“

Cytotec ist als Magenschutzmittel in Deutschland zugelassen, es darf aber auch in sogenannten Off-Label-Use auch zum Einleiten von Wehen eingesetzt werden. Medienberichte, wonach es durch das Mittel in Einzelfällen zu schwerwiegenden Komplikationen bei Müttern und Kindern kommen könne, hatten eine bundesweite Debatte ausgelöst. Auch Bremer Geburtskliniken setzen das Medikament ein, wie sie dem WESER-KURIER bestätigten. Die Vorsitzende des Bremer Hebammenlandesverbands, Heike Schiffler, unterstützt das Vorgehen der Senatorin, einheitliche Standards für die Verwendung von Cytotec zu schaffen. Fehldosierungen seien ein potenzieller Auslöser für schwere Komplikationen.

Ärztinnen und Ärzte handelten nicht illegal, wenn sie das Medikament nutzten, betont Kammer-Chefin Gitter. Nach der derzeitigen Studienlage gehöre es zu einer umfassenden Aufklärung, auch über die Möglichkeit des Einsatzes dieses Wirkstoffes zu informieren. Entscheidend sei eine gute medizinische Indikation, die mit der Patientin gut besprochen werden müsse. In die individuelle Patienten-Arzt-Beziehung und die hier getroffene gemeinsame Entscheidung dürfe die Politik nicht hineinregieren. „Für die Überwachung und Einhaltung der berufsrechtlichen Vorschriften ist die Ärztekammer zuständig. Ärztinnen und Ärzte dürfen zudem hinsichtlich ihrer ärztlichen Entscheidungen keine Weisungen von Nicht-Ärzten, beispielsweise Klinik-Geschäftsführungen, entgegennehmen. Die Ärztekammer würde sie hiervor schützen“, betonte Bremens Ärztekammer-Vorsitzende.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+