Weiterbildung in Zeiten von Corona

Bremer Bildungshäuser brauchen zusätzliche Räume

Weiterbildungen und Sprachkurse können wieder vor Ort stattfinden, aber die Zahl der Teilnehmer in einem Unterrichtsraum ist corona-bedingt begrenzt. Viele Träger würden deshalb gern zusätzliche Räume anmieten.
20.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Bildungshäuser brauchen zusätzliche Räume
Von Sara Sundermann
Bremer Bildungshäuser brauchen zusätzliche Räume

Im Bamberger-Haus im Stephaniviertel hat die Bremer Volkshochschule ihren Hauptsitz. Je nach Größe des Raums dürfen unterschiedlich viele Kursteilnehmer gemeinsam unterrichtet werden.

Frank Thomas Koch

Ein Problem für viele Bremer Bildungseinrichtungen ist derzeit Raumnot. Denn Sprachkurse, Umschulungen und Weiterbildungen können zwar wieder stattfinden, aber in kleinen Räumen coronabedingt nur mit stark reduzierter Personenzahl. Oft wird eine Gruppe auf zwei Räume aufgeteilt.

Die Bremer Volkshochschule (VHS) und andere Träger der Erwachsenenbildung suchen angesichts dieser Einschränkungen teils händeringend nach Räumen, die sie zusätzlich anmieten können. „Alle suchen geeignete Räume“, sagt Werner Dammann, kommissarischer Direktor der Volkshochschule. „Aber das ist praktisch unmöglich, es ist fast nichts auf dem Markt.“

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Die Bremer VHS setzt für ihr Herbstsemester ganz überwiegend auf Präsenzkurse: Nur ein Anteil von etwa fünf Prozent werde digital angeboten, sagt der VHS-Leiter. Doch für Präsenzkurse gibt es genaue Vorgaben: In größeren Räumen mit 80 Quadratmetern dürften bis zu 15 Personen sitzen, in kleineren mit 45 Quadratmeter nur neun, schildert Dammann.

Nicht zu viele Kurse gleichzeitig in einer Etage

Und auch in der Volkshochschule liefen – ähnlich wie in den Schulen – Beschäftigte mit Zollstöcken durch die Räume und rückten die Tische auseinander. In den Fluren der VHS gelte zudem Maskenpflicht, sagt Dammann. Ob Teilnehmer im Unterricht einen Mundschutz tragen sollten, sei die Entscheidung der jeweiligen Dozenten. „Wir versuchen außerdem, nicht zu viele Kurse gleichzeitig in einer Etage anzubieten, sondern sie zeitlich zu versetzen“, beschreibt er.

Durch die begrenzten Personenzahl in den Räumen kann die Volkshochschule im jetzt beginnenden Herbstsemester deutlich weniger Plätze in vielen Kursen anbieten: In Integrationskursen, die sonst oft 18 bis 20 Teilnehmer hätten, seien nun oft nur zehn Plätze verfügbar. Die Volkshochschule geht Dammann zufolge davon aus, statt normalerweise 50.000 Kursteilnehmer im Jahr 2020 nur 21.000 Teilnehmer zu unterrichten. „Man sollte sich zügig anmelden“, sagt Dammann.

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Für die Volkshochschule bedeute die geschrumpfte Platzanzahl geringere Einnahmen, während Honorare für Kursleiter weiter gezahlt würden – für vertraglich vereinbarte Leistungen würden Ausfallhonorare gezahlt.

Drei Millionen Euro Minus

Und durch die begrenzten Teilnehmerzahlen kommt es zu Einnahmeausfällen für die Bildungseinrichtung: Die Bremer Volkshochschule rechnet für 2020 mit einem Minus von drei Millionen Euro. „Wir haben eine Prognose für den wirtschaftlichen Schaden erarbeitet“, sagt Dammann. Um die geringeren Einnahmen zu kompensieren, habe die Volkshochschule Mittel aus dem Bremen-Fonds beantragt.

„Ich bin beim Unterricht seit Juni wieder mittendrin“, erzählt Volkshochschuldozentin Paola de la Rosa, die zugleich Sprecherin des Kursleiterrats an der VHS ist. Sie gibt zum Beispiel einen Deutschkurs für Migranten. „Wir haben nach Wiederaufnahme des Kurses nach dem Modell des ,Blended Learning‘ gearbeitet, dafür wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt“, erzählt sie.

Jede Gruppe hatte dann nur noch an zwei statt an vier Tagen pro Woche Unterricht vor Ort: die eine Gruppe Montag und Dienstag, die andere Mittwoch und Donnerstag. Anstelle der weiteren Unterrichtsstunden gab es an einem Tag eine 90-minütige digitale Kurs-Sitzung auf der Plattform Zoom, hinzu kamen deutlich mehr Hausaufgaben. „Jede Seite hat zwei Medaillen“, sagt de la Rosa. „Natürlich ist es super, in einer Kleingruppe mit nur zehn Leuten Deutsch zu unterrichten, aber für die Kursteilnehmer war es ein Nachteil, dass sechs Unterrichtseinheiten pro Woche praktisch wegfielen.“

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„Wir haben auch Raumnot“, sagt Frauke ­Felix, Geschäftsführerin des Paritätischen ­Bildungswerks Bremen. „Wir versuchen, Räume zusätzlich anzumieten.“ In den Räumen des Bildungsträgers am Bahnhofsplatz sei die Teilnehmerzahl auf 14 bis 15 begrenzt. Trotzdem wolle man alle weiter unterrichten, so Felix: „Wir reduzieren nicht die Platzanzahl.“ Für das gemeinsame Lernen gebe es unterschiedliche Modelle: Mal werde eine Gruppe auf zwei Räume verteilt, mal werde die eine Hälfte vor Ort und die andere per Videokonferenz unterrichtet. Das Bildungswerk bietet Sprach- und Integrationskurse, aber auch Aus- und Fortbildungen für zuletzt im Jahr 2019 rund 5300 Menschen an.

Unterschiedliche Regeln

Für die Angebote des Paritätischen Bildungswerks gelten dabei teils unterschiedliche Regeln: Ausbildungen für angehende Erzieher, sozialpädagogische Assistenten und Heilerziehungspfleger unterlägen ähnlichen Regeln wie Berufsschulen, schildert Felix: Das führe zu der paradoxen Lage, dass nun teilweise im selben Gebäude Auszubildende ohne Abstandsgebot unterrichtet würden, während nebenan Weiterbildungen nur in Halbgruppen laufen dürften.

Auch die Leitung der Deutschen Angestellten-Akademie Bremen (DAA), die Umschulungen und Sprachkurse im Programm hat, versuchte zuletzt, externe Räume zu mieten, sagt Geschäftsführer Sven Elson. „Raumnot ist ein großes Thema, raumplanerisch ist die Situation eine Herausforderung“, sagt er. „Und jede Einrichtung, die jetzt große Räume hat, behält sie auch.“ An Doppeltischen solle bei der DAA jetzt immer nur eine Person sitzen, in den Fluren gelte Maskenpflicht, schildert Elson, im Unterricht dagegen nicht. Gruppen würden nun häufiger aufgeteilt.

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