Social-Media-Offensive

Werbung für die Feuerwehr

Die vielen Einsatzbereiche und ihre Begeisterung für das Ehrenamt will die Freiwillige Feuerwehr Seehausen in einem Imagefilm bewerben. Über Social-Media-Kanäle soll er junge Menschen erreichen.
25.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ulrike Troue
Werbung für die Feuerwehr

Erschwerte Bedingungen beim Dreh: Gero Heitmann setzt bei Regen die Kettensäge an, um den dicken Weidenstamm zu zerkleinern.

Frank Thomas Koch

Als es ernst werden soll am Hasenbürener Sporthafen, prasselt ein Regenschauer nieder. „Wir sind wasserfest“, sagt einer der Uniformierten. Wind aus Ventilatoren und eine Wasserfontäne aus einem Strahlrohr kommen hinzu. Gero Heitmann zieht an dem Seilzugstarter: Die Kettensäge knattert laut los. Sekunden später umhüllt eine Holzspäne-Wolke den dicken Weidenstamm, der die Straße blockiert. Das steigert die Dramatik der Szene. Die technische Hilfeleistung, die zum ganz normalen Einsatzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen zählt, fasziniert die Betrachter.

Genau diese Wirkung sollen die Bilder erzielen, die das Filmteam von „Die Videographen“ mit der Kamera aufzeichnet. „Wir wollen Emotionen wecken“, sagt Geschäftsführer Ismael Meisinger. Mit dem aufwendigen Filmprojekt möchte die Seehauser Wehr die vielfältigen und wichtigen Einsatzbereiche der Freiwilligen Feuerwehr stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

„Faszination Feuerwehr“, sagt Jens Dubiel – und bringt damit das Anliegen auf den Punkt. Der Pressesprecher und Wehrführer Klas Radanke betonen, dass es den Seehausern nicht um Selbstdarstellung gehe. Sie wollen vielmehr Impulsgeber sein. Dass die Freiwillige Feuerwehr laut Dubiel gerade für jüngere Menschen offenbar kein Begriff ist, möchten die Seehauser mit ihrem Imagefilm ändern. Er soll ab der 37. Kalenderwoche auf der Homepage unter www.ff-seehausen.de zu sehen sein und außerdem in den sozialen Medien wie Whatsapp, Facebook und Instagram verbreitet werden.

„Wir möchten mit dem Film versuchen, auch die Altersstufe ab 25 Jahren einzufangen“, sagt Wehrführer Klas Radanke. Der schönste Lohn für alle Beteiligten wäre es, wenn Kinder, Jugendliche oder Erwachsene dadurch den Anstoß bekämen, sich über die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr zu informieren – und sich bestenfalls anschließen würden, betont Radanke. Die Idee zu der Imageoffensive habe es schon lange im Förderverein gegeben, allerdings nur als Video.

„Die größte Hürde war, adäquates Knowhow zu bekommen“, erzählt Radankes Stellvertreter Thorben Lenz. Der Zufall und Corona haben den Ehrenamtlichen in die Hände gespielt. Da sie als erste auf eine Anfrage der „Videographen“ für einen Dreh mit Comic-Charakter zum Thema Feuerwehr reagiert und die jungen Filmemacher bei dem Auftrag unterstützt haben, revanchieren sich diese nun und drehen zum Nulltarif für die Ortswehr im Bremer Süden.

Die 30 aktiven Mitglieder zeigen vollen Einsatz und betreiben enormen Aufwand für das Großprojekt. Schließlich ist der Einblick ins Filmgeschäft auch für sie spannend. Möglichst alle Einsatzbereiche sollen in einer Szene gezeigt werden. Dass auch die zeitaufwendigeren Einstellungen wohl nur sechs Sekunden in Film zu sehen sein werden, nehmen sie in Kauf. Der gesamte Film wird eine Minute lang sein.

Trotzdem musste ein detailliertes Skript für die Szenen geschrieben werden, die an zwei Tagen an verschiedenen Orten in Seehausen und Hasenbüren gedreht wurden. Außerdem war hoher logistischer Aufwand notwendig. Wehrführer Radanke forderte zum Beispiel Unterstützung vom Innenressort als übergeordnete Behörde angefordert – und hat ausnahmsweise die große Drehleiter der Berufsfeuerwehrwache 4 als zusätzliche Attraktion für einen Dreh bekommen.

In welchen Fällen die Freiwillige Feuerwehr Seehausen ausrückt, zeigt ein Blick auf das Filmskript. Am ersten Drehtag seien die besonders schwierigen Szenen gedreht worden, berichtet Pressesprecher Dubiel. Er selbst musste an jenem heißen Sonnabend zum Beispiel einen Hund im Hasenbürener Hafen ins Löschboot ziehen, damit ein Tierarzt ihn versorgen konnte.

Danach folgten Alarmierungsszenen der Freiwilligen, die gerade im Garten oder am Arbeitsplatz beschäftigt waren. In weiteren Szenen sind Anwohner bei Feuerwehreinsätzen zu sehen, das Ankleiden im Feuerwehrgerätehaus sowie die Bergung eines Traktors aus einem Graben. Die 20 zehn- bis 18-jährigen Jugendfeuerwehrmitglieder zeigen außerdem einen klassischen Löschangriff.

„Als Abschluss folgte die Szene mit der Drohne“, berichtet Dubiel. Diese habe von oben die am Jachthafen vorgefahrenen Fahrzeuge der Seehauser Wehr und die „ganze Feuerwehrfamilie“ gefilmt. „Das zeigt auch unsere Kameradschaft“, sagt der seit 30 Jahren aktive und leidenschaftliche Feuerwehrmann.

„Am ersten Drehtag war richtiges Gewusel“, sagt er mit Blick auf die Darsteller, die auf Lenz' Kommando hören. Der stellvertretende Wehrführer geht in seiner Rolle als Projektleiter auf, koordiniert Abläufe, stellt sicher, dass benötigte Gerätschaften und handelnde Personen vor Ort sind, gibt konkrete Anweisungen. „Hast Du gehört, Toddy? Feuerwehrwagen hier rauf“, ruft Lenz dem Fahrer zu und dirigiert das Einsatzfahrzeug für die Einstellung mit der Kettensäge schräg auf Straße und Wiese. „Die Front soll zu sehen sein.“

Der Regen schreckt die Seehauser Notfallhelfer nicht ab. Auch die medizinisch besonders qualifizierten Ersthelfer in ihren orangefarbenen Hosen sind angerückt. Sie sollen noch im Einsatz mit einem Defibrillator aufgenommen werden, ehe eine klassische Feuerszene gegen Mitternacht den Schlusspunkt unter die Dreharbeiten setzt.

Der freiwillige Einsatz jedes Einzelnen stärkt die Gemeinschaft, eine Tugend bei der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenso, wie im Notfall zu helfen. Das gefällt Jens Husmann besonders. Der Rablinghauser hat im Internet eine Reportage zum Thema Feuerwehr gesehen und sich daraufhin vor Ort umgeguckt. „Ich war fasziniert von der Verantwortung, anderen Menschen zu helfen und etwas Sinnvolles zu tun“, sagt der 27-Jährige, der an diesem Tag erst zum zweiten Mal dabei ist.

Der jüngste Neuzugang bestärkt die Seehauser in ihrer Imagefilm-Offensive in den Social-Media-Kanälen. „Ich glaube tatsächlich, es könnte etwas bringen, weil es ein neues Medium ist“, ist Feuerwehrfrau Lisa Radanke (22) überzeugt, die mit Tim Dittrich und Leon Hofmann just aus der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr aufgerückt ist.

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