Neustart von Astra-Zeneca erwartet

Bremer Politiker fordern mehr Tempo beim Impfen

Im Falle eines Neustarts von Astra-Zeneca fordern Bremer Gesundheitspolitiker mehr Tempo und Flexibilität in den Priorisierungsgruppen. Impfdosen dürften nicht ungenutzt bleiben.
18.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Politiker fordern mehr Tempo beim Impfen
Von Sabine Doll
Bremer Politiker fordern mehr Tempo beim Impfen

An diesem Donnerstag will die Europäische Arzneimittelagentur ihre Einschätzung zu einem Neustart von Astra-Zeneca abgeben.

Ronny Hartmann / dpa

An diesem Donnerstag will die Europäische Arzneimittelagentur nach dem vorläufigen Stopp des Impfstoffs von Astra-Zeneca ihre Einschätzung abgeben. Bundesweit und auch in Bremen werden Forderungen lauter, beim Impfen flexibler zu werden - um angesichts steigender Infektionszahlen und eines möglichen Vertrauensverlusts nach einem Neustart von Astra-Zeneca Tempo ins Impfen zu bringen.

Die Impfreihenfolge könne allerdings nicht einfach von den Ländern verändert werden, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher von Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). „Das muss im Bund entschieden werden. Bei einem Neustart wäre sie demnach einzuhalten.“ Sollte der Impfstoff aber gar nicht mehr gut angenommen werden, stelle sich die Lage anders dar, dann müsse ganz klar flexibler vorgegangen werden.

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Je nachdem, was die fachliche Auswertung für ein Risiko für Astra-Zeneca auszeichne, müsse eine unbürokratische Regelung gefunden werden, diesen an Menschen zu verimpfen, bei denen das Risiko entsprechend gering sei - „und das gegebenenfalls unabhängig von der Impfpriorisierung“, fordert SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör. Als Beispiel nennt er Rettungssanitäter oder auch Mitarbeiter des Hausnotrufdienstes, die oft als erste bei einem Notruf hilfloser Personen vor Ort seien. Abstand sei dann oft nicht möglich. Die Hausärzte müssten zudem so früh wie möglich eingebunden werden - um möglichst viele Menschen zu erreichen und Ängste zu zerstreuen, „sodass der Impfstoff auch diejenigen wirklich erreicht, die nun an der Reihe sind“, so Güngör. Kein Impfstoff dürfe ungenutzt bleiben.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion Ilona Osterkamp-Weber, lehnt eine Änderung der Reihenfolge bei einem Neustart mit Blick auf die besonders gefährdeten Gruppen ab. „Die erfolgreiche Priorisierung hat dazu geführt, dass die Anzahl der Sterbenden sinkt.“ Bisher sei allein die noch zu geringe Impfstoffmenge der limitierende Faktor, in Bremen liege kein Impfstoff herum. Parallel zu alten und chronisch kranken Menschen würden bereits Kita- und Schulbeschäftigte geimpft. „Innerhalb dieser priorisierten Gruppen ist eine flexible Verteilung von Astra-Zeneca vorstellbar, falls jemand Bedenken wegen des Impfstoffs hat“, fordert die Grünen-Politikerin. Sie hoffe, dass der Impfstoff wieder freigegeben werde. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die wenigen Fälle mit Thrombosen im Vergleich zu zig Millionen problemlos mit Astra-Zeneca Geimpften zu gering, um die gesamte Impfung zu stoppen.

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Für den Fall, dass Astra-Zeneca-Impfstoff übrig sei, weil er abgelehnt werde oder gelieferte Mengen die vergebenen Termine übersteige, müsse schon jetzt ein „kluges und passgenaues“ Verfahren festgelegt werden, fordert der CDU-Gesundheitspolitiker Rainer Bensch. Dafür müssten Hausärzte mit an den Tisch. „Es darf aber nicht dazu führen, dass besonders gefährdete Personen etwa von dem fitten 30-Jährigen überholt werden“, so Bensch.

Der FDP-Gesundheitspolitiker Magnus Buhlert kann sich vorstellen, „dass die Bereitschaft nach einem Neustart von Astra-Zeneca sinkt“. Dann müsse großzügiger als bisher eingeladen werden, „vor allem auch dann, wenn grundsätzlich genug Impfstoff anderer Hersteller verfügbar ist. Wir können nicht riskieren, dass Chargen liegen bleiben.“ Von einer kompletten Freigabe der Reihenfolge hält Buhlert nichts. „Die Priorisierung der vulnerablen Gruppen ist ethisch und moralisch gut begründet und richtig - aber man kann durchaus flexibler und schneller werden.“

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Zur Sache

Mutationen breiten sich aus

Auch in Bremen breiten sich die Corona-Mutationen weiter aus, insbesondere die Virusvariante B.1.1.7 aus Großbritannien. „Seit Anfang Februar ist der Anteil der untersuchten positiven Proben in der Stadt Bremen von 20 auf 40 Prozent gestiegen“, sagt Behördensprecher Fuhrmann. Bislang seien es 628 Fälle. Aktuellere Zahlen gebe es nicht, Ergebnisse aus den Laboren stünden noch aus. Im Land Bremen werden alle positiven Corona-Proben auf die drei bekannten Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien untersucht. „Dies kann bis zu zehn Tage dauern“, so Fuhrmann. Erstmals seien in dieser Woche auch drei Fälle der Mutation aus Südafrika gemeldet worden. Für das Land Bremen könne der Anteil der Mutationen derzeit nur bis zum Ende der achten Kalenderwoche angegeben werden, weil Nachmeldungen aus Bremerhaven fehlten - er liegt bei 32 Prozent. Im Bund sind es laut dem Robert-Koch-Institut 72 Prozent.

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