Nach Beschlagnahmung durch die Polizei

Bremer Hanf-Bar muss aufgeben

Im Januar betraten statt Kunden die Polizei die Hanf-Bar am Ostertorstweinweg und nahmen große Teile der Ware mit. Seitdem kämpften die Betreiber ums Überleben ihres Geschäfts - und nun vorerst schließen.
30.06.2019, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Hanf-Bar muss aufgeben
Von Nina Willborn
Bremer Hanf-Bar muss aufgeben

Die Hanfbar am Ostertorsteinweg ist geschlossen.

Christina Kuhaupt

Die Tür der Hanf-Bar am Ostertorsteinweg, Nummer 48 ist zu, an der Glasscheibe klebt ein Zettel mit handgeschriebener Botschaft an die Kunden. „Bitte nicht erschrecken. Wir sind nicht weg. Jedenfalls nicht für lange ...“ Das zumindest ist die Hoffnung von Geschäftsführer Bastian Jonas.

Nur ein gutes halbes Jahr nach dem Start ist Bremens erste Hanf-Bar vorerst geschlossen. Der Grund: Die Folgen des Besuchs der Polizei am 16. Januar, bei dem die Beamten in den Geschäftsräumen große Teile des Sortiments, also Hanfblüten und Teemischungen im Wert von rund 13 000 Euro, beschlagnahmt hatten. Die Staatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, dass das Geschäftsmodell, hanfhaltige Produkte wie eben Tees und Shakes oder Pestos zu gesundheitsfördernden Zwecken zu verkaufen, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstößt. Darin aufgeführte Ausnahmen will sie nicht gelten lassen.

Keine Drogen-Höhle

„Viele unserer Kunden waren sich danach unsicher, ob sie Probleme bekommen, wenn sie weiter bei uns einkaufen“, sagt Jonas. Das wäre aus seiner Sicht nicht der Fall gewesen, schließlich seien nur Produkte im Sortiment, deren THC-Gehalt, der rauschhaltige Stoff im Hanf, weniger als 0,2 Prozent betrage. Vom Image einer Drogen-Höhle hatte Jonas sich seit der Eröffnung der Hanf-Bar Anfang Dezember 2018 distanziert.

Genau das sei die Hanf-Bar eben nicht, sondern ein Gesundheitsladen. „Deshalb sind wir ja auch offen auf die Polizei und die Behörden zugegangen, haben Gespräche angeboten und wollten aufklären“, sagt er. Stattdessen kam die Polizei und machte ernst. „Zusätzlich konnten wir nach der Beschlagnahmung nur noch ein eingeschränktes Sortiment anbieten. Die Blüten und Tees waren unsere Haupt-Einnahmequelle“, sagt der Betreiber der Bar.

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Weniger Kunden, eingeschränktes Angebot: Diese Kombination führte dazu, dass am Ende die „Viridi Bremen“ – unter diesem Namen firmiert die Gesellschaft von Jonas und seinem Kompagnon Robin Hepner seit einigen Wochen – die Ladenmiete nicht mehr bezahlen konnte und drei Mitarbeiter entlassen musste.

Außerdem sind als Folge der Konfiszierung nun Schulden da. Jonas: „Das ist alles ziemlich hart für uns. Zum Glück war unser Vermieter sehr nett und hat uns vorzeitig aus dem Vertrag entlassen.“ Was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft angeht, warten Jonas beziehungsweise seine Anwälte noch auf die Ergebnisse. „Die Ermittlungen der kriminaltechnologischen Untersuchung dauern noch“, sagt Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Es handelt sich um eine enorme Menge, die untersucht werden muss.“ Zudem ist diese Abteilung seit langem personell überlastet. Passade: „Ich rechne nicht damit, dass es vor Mitte August Ergebnisse gibt.“

„Wir hatten nichts mit dem Rauschmittel zu tun“

Geprüft wird, ob der THC-Gehalt des Hanfs tatsächlich weniger als 0,2 Prozent beträgt. Aber selbst dann, so zumindest argumentieren die Bremer Ankläger, wäre der Verkauf zu gewerblichen Zwecken immer noch illegal. In dieser Frage ist die rechtliche Lage umstritten, bislang fehlt ein Urteil des Bundesgerichtshofs zum Umgang mit Hanf-Lebensmitteln.

Jonas stammt aus Braunschweig, wo die Staatsanwaltschaft ebenfalls Klagen gegen die dortige Hanf-Bar anstrengte, und deren Geschäftsführer sogar zeitweise hinter Gitter brachte. Nach dem vorläufigen Aus seiner Bar ist Jonas enttäuscht. „Wir sind mit einer neuen Idee nach Bremen gekommen, haben darüber nachgedacht, hier auch eine Produktion aufzubauen. Wir hatten nichts mit dem Rauschmittel zu tun, und viele Leute haben das auch so wahrgenommen“, sagt er.

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Aufgeben will Jonas aber nicht. Die Hanf-Bar soll wieder öffnen, dann aber nicht mehr am Ostertorsteinweg und auf kleinerer Fläche. Wann das der Fall sein wird, ist noch nicht klar. „Wir führen im Moment Gespräche“, sagt Jonas. Den „Viridi“-Followern schreibt er in einem Post auf der Social-Media-Plattform Instagram: „Wir wissen, dass wir nichts Falsches gemacht haben und noch immer mit ganzem Herzen hinter der Pflanze Hanf stehen.“

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