Innenstadt So wichtig ist die Obernstraße für die Feuerwehr

Eine verkehrsfreie Obernstraße ist für viele Akteure aus Politik und Wirtschaft eine attraktive Perspektive. Im Notfall ist die Feuerwehr aber auf die Straße angewiesen. Das macht die Überlegungen kompliziert.
18.08.2022, 05:00
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So wichtig ist die Obernstraße für die Feuerwehr
Von Björn Struß
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Freies Flanieren auf der Obernstraße – daran dürfte sich so mancher Besucher der Innenstadt schon gewöhnt haben. Seit fünf Wochen rollen keine Straßenbahnen mehr durch die Einkaufsmeile. Wenn die Arbeiten auf der Brill-Baustelle im Zeitplan bleiben, kann die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) am 29. August die Umleitungen aufheben und die Linien 2 und 3 wieder mitten durch die Innenstadt fahren lassen. Anfang August hatte die City-Initiative ihre "Sommermeile" aufgebaut. Die Sitzgelegenheiten und Pflanzen bleiben noch bis diesen Sonntag stehen, ab Donnerstag kommt nachmittags ein kleines Freilichtkino hinzu.

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Die City-Initiative will so einen Vorgeschmack bieten, was auf einer dauerhaft verkehrsfreien Straße möglich wäre. Doch diese Überlegungen haben einen großen Haken: Im Notfall ist die Feuerwehr auf die Obernstraße angewiesen, um zum Beispiel auch einen Rathausbrand schnellstmöglich zu löschen. Nach einer Verlegung der Schienen müssten die Behörden bei allen baulichen Veränderungen genau prüfen, ob diese mit dem Brandschutz vereinbar sind.

Welche Bedeutung hat die Straße für die Feuerwehr?

"Eine Befahrbarkeit der Obernstraße ist für Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst zwingend notwendig", erklärt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Die Behörde will die Straße aber nicht isoliert betrachten. Für den Brandschutz der Innenstadt spielen auch die Einbahnstraßenregelung auf dem Wall und die Verkehrsführungen auf der Martinistraße eine Rolle, insbesondere wenn durch Letztere künftig Schienen und Oberleitungen verlaufen sollten. Beide Faktoren erhöhen laut Innenressort die einsatztaktische Bedeutung der Obernstraße.

Laut Gerdts-Schiffler ist die Einkaufsstraße eine Hauptzufahrt für die anliegenden Gebäude, darunter auch das Rathaus. "Des Weiteren führt der erste Einsatzweg der Fahrzeuge über die Obernstraße direkt zur Bürgerschaft, sowie der Versammlungsstätte Glocke", sagt die Sprecherin.

Neben der Befahrbarkeit gilt es auch, einen Aktionsradius für Leiterwagen freizuhalten. Sie stellt die Feuerwehr in einem Abstand von drei bis neun Metern zu brennenden Gebäuden auf. Jedes eingesetzte Fahrzeug benötigt dann eine Bewegungsfläche von sieben mal zwölf Metern. "Die Rettung der Menschen steht für die Feuerwehr im Vordergrund", betont die Sprecherin. Bei einer möglichen Umgestaltung der Obernstraße würden Baubehörde und Feuerwehr bei jedem einzelnen Gebäude genau bewerten, ob die gesetzlichen Vorgaben für die Menschenrettung weiterhin erfüllt seien.

Wie beurteilt die City-Initiative dieses Problem?

Für Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Initiative, ist der Brandschutz bei allen Eingriffen in den öffentlichen Raum eine Herausforderung. "Zur Obernstraße sei gesagt, dass allen Ansprüchen der Feuerwehr, ob Durchfahrten oder Anleitern, bereits bei der temporären Bespielung Rechnung getragen wird", sagt sie. Demnach seien die Pflanzen und Sitzgelegenheiten der Sommermeile grundsätzlich auch als dauerhafte Lösung vorstellbar. Zudem könnten bei einer Verlegung der Schienen durch den Wegfall der Oberleitungen weitere Flächen erschlossen werden.

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"Bei einer dauerhaften Bespielung und einer potenziell straßenbahnfreien Obernstraße wird also vieles möglich sein und absolut nichts den Ansprüchen der Feuerwehr entgegenstehen", argumentiert Reuther. Konkret nennt sie etwa Grünanlagen, Spielbereiche mit Klettergerüsten, Erlebnispfade und Brunnen oder Wasserspiele. Es sei vieles umsetzbar, was man mit der temporären Bespielung bereits angedeutet oder ausprobiert habe. Für ein abschließendes Fazit begleitet die City-Initiative die Sommermeile mit einer Umfrage.

Was sind die nächsten Schritte des Senats?

Unter Federführung des Verkehrsressorts von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) entsteht derzeit die Leistungsbeschreibung für eine Machbarkeitsstudie. Beteiligt sind auch das Wirtschafts- und Innenressort, die Senatskanzlei und die BSAG. Im vergangenen Jahr hatte die SPD eine solche umfassende Prüfung einer Schienenverlegung in die Martinistraße eingefordert. Im Dezember konnte sich der Senat nicht dazu durchringen. Nun will er voraussichtlich nach dem Ende der Sommerferien erneut über eine Machbarkeitsstudie entscheiden.

Im vergangenen Jahr hatte Schaefer die Kosten für ein solches Planspiel mit 770.000 Euro beziffert. Sie ist offen für die Studie, äußert gegenüber der Schienenverlegung selbst aber deutliche Vorbehalte. "Wie Bremen die millionenschweren Kosten dafür stemmen soll, hat bisher noch niemand erläutert, der die Verlegung fordert. Der Bund wird sich daran mit größter Wahrscheinlichkeit nicht beteiligen“, argumentiert sie.

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