Wissenschaft und Wirtschaft

Bremer Kooperationen zum Vorzeigen

Die Ausstellung „Einfach wissenswert: hoch hinaus“ gibt Einblicke in die Arbeit der Hochschulen Bremerhaven und Bremen in deren Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.
20.02.2020, 06:40
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Von Jörn Hildebrandt
Bremer Kooperationen zum Vorzeigen

In welchen Bereichen geforscht wird, können Besucher der zehnten Ausstellung der Reihe „Einfach wissenswert“, die gerade im Haus der Wissenschaft gezeigt wird von Würfeln ablesen.

Roland Scheitz

Die Box für Snacks ist dunkelgrün wie Spinat. Ist der Imbiss verzehrt, wird aus der Verpackung eine Nachspeise. Denn sie wurde aus Großalgen hergestellt, ist somit essbar, und Müll fällt nicht an. Das Projekt namens „Mak-Pak“, in dem die Hochschule Bremerhaven, das Alfred-Wegener-Institut (AWI) und eine Schnellrestaurantkette kooperieren, versucht, Verpackungen aus Algen herzustellen. Das Material soll nicht aufweichen, kompostierbar sein und eben auch gegessen werden können.

„Die Algen können jedoch nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum, wie zum Beispiel der Wesermündung, entnommen werden – dazu sind ihre Schwermetallgehalte zu hoch“, sagt Ramona Bosse, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Lebensmitteltechnologie und -wirtschaft an der Hochschule Bremerhaven. „Um für den Verzehr geeignet zu sein, müssen schließlich die Grenzwerte für Schadstoffe eingehalten werden.“ Deshalb züchtet man die Algen derzeit in einer Aquakultur im Labor – mehr als Meerwasser brauchen sie zum Wachsen nicht, schließlich versorgen sie sich über die Fotosynthese selber mit den wichtigsten Stoffen zum Aufbau ihrer Körpersubstanz und für den Betriebsstoffwechsel.

„Weltweit wäre unser Verfahren das erste, in dem Algen für die Verpackung von Snacks eingesetzt werden. Es muss allerdings noch maschinengängig gemacht werden, um die Produktionskosten zu senken“, sagt Ramona Bosse. Das Projekt „Mak-Pak“ ist ein Beispiel für die enge und intensive Zusammenarbeit von Wissenschaft mit der Wirtschaft: „Das AWI hat geeignete Algen selektiert und kultiviert, die Hochschule hat die Verpackung gemacht, und die Schnellrestaurantkette hat vorgegeben, welche Eigenschaften der Verpackung erwünscht sind“, sagt Ramona Bosse.

Die zehnte Ausstellung der Reihe „Einfach wissenswert“, die kürzlich im Haus der Wissenschaft eröffnet wurde, steht in diesem Jahr unter dem Motto „hoch hinaus“ und gibt Einblicke in die Arbeit der Hochschule Bremerhaven und der Hochschule Bremen, an denen insgesamt mehr als 11 000 Studierende eingeschrieben sind. Ein zentrales Merkmal der Arbeit dieser Fachhochschulen ist, dass sie angewandte Forschung betreiben und dabei mit Partnerunternehmen zusammenarbeiten. Die Hochschulen können besonders wichtige Impulsgeber sein, wenn sie Themen bearbeiten, die auch Unternehmen in der Region beschäftigen. In Bremen liegen solche Bereiche vor allem in der Luft- und Raumfahrt, der Maritimen Wirtschaft und Logistik, Windenergie und Nahrungsindustrie.

Claudia Schilling (SPD), Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz, betont in ihrem Grußwort die Bedeutung der Kooperation:„Innovationsfähigkeit wird vor allem durch die Interaktionen zwischen Wissenschaft und Unternehmen bestimmt“, sagt sie, „und dieser Transfer findet vor allem in Netzwerken statt.“ In Bremen und Bremerhaven profitiere man dabei vor allem von den kurzen Wegen, die Stadtstaaten mit sich bringen. Zur Eröffnung der Ausstellung moderierte Christina Loock von Radio Bremen eine Podiumsdiskussion, bei der die beiden Hochschulen und Zuständige für Schnittstellen zwischen Forschung und Wirtschaft vertreten waren.

Herzensprojekte werden präsentiert

„Auf der Ausstellung präsentieren wir einige unserer Herzensprojekte – Modelle, die zeigen, wie eng wir in der Wissenschaft mit Unternehmen zusammenarbeiten“, sagt Professorin Karin Luckey, Rektorin der Hochschule Bremen, wie zum Beispiel Materialforschung, nachhaltige Energienutzung oder Bionik, bei der die Natur als Vorbild für technische Lösungen dient. Luckey betont die Anwendungsorientierung in den Studiengängen der Hochschule Bremen: „90 Prozent unserer Abschlussarbeiten greifen Aspekte aus der Praxis auf.“ Professor Peter Ritzenhoff, Rektor der Hochschule Bremerhaven, sieht die Zahl von derzeit 11 000 Studierenden an den Hochschulen in Bremen und Bremerhaven als noch deutlich zu niedrig an, „denn die gut ausgebildeten Absolventen werden gebraucht – wir haben keinerlei Probleme mit Absolventen, die hinterher arbeitslos sind“, sagt er.

MIT Haus der Wissenschaft Ausstellung EINFACH WISSENSWERT hoch hinaus

Rundgang durch die Ausstellung: Nils Schnorrenberger (von links), Professorin Karin Luckey, Professor Peter Ritzenhoff und Manfred Schütte-Thuy.

Foto: Roland Scheitz

Günther Dieckhöner vom Initiativkreis zur Förderung des Wissens- und Technologietransfers an der Hochschule Bremen hält es für wichtig, dass Wissenschaftler und Unternehmer sich vor allem auch sprachlich gut verständigen können – der Fachjargon der Forscher sei oft eine Hürde, die abgebaut werden müsse.

Von der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft profitiere vor allem auch der Arbeitsmarkt, ergänzt Karin Luckey, denn viele der Studierenden würden einen Arbeitsplatz in der Region finden – in der Luft- und Raumfahrt seien es etwa 80 Prozent, bei den Dualen Studiengängen bis zu 100 Prozent. Viele junge Leute würden auch aus dem Ausland kommen und in der Region einen Arbeitsplatz finden. „Die Absolventen sind gefragt und werden auch frühzeitig von Unternehmen geködert, weil der Bedarf groß ist“, sagt Luckey.

Die Gäste der Podiumsdiskussion dürfen zum Schluss noch Wünsche äußern, was die Zukunft der Hochschulen betrifft: Eine gute Infrastruktur, die kurze Wege ermöglicht, Räume für Coworking und Kreativität, eine bessere Ausstattung der Hochschulen, vor allem mit einem dauerhaften Stab von Mitarbeitern seien wichtige Bedingungen, um die Innovationskraft der Hochschulen Bremen und Bremerhaven für die Region noch weiter zu stärken.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Einfach wissenswert: hoch hinaus“ im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, läuft bis Sonnabend, 13. Juni. Öffnungszeiten sind montags bis freitags, 10 bis 19 Uhr, und sonnabends, 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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