Kundenbeziehung beendet

Commerzbank kündigt Konto

Per Brief beendet das Geldinstitut die Geschäftsbeziehungen mit einem Bremer Kunden. Der ist ratlos, denn: Einen Grund nennt man ihm nach eigenen Angaben auch auf Nachfrage nicht. Doch er hat eine Vermutung.
09.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Commerzbank kündigt Konto
Von Stefan Lakeband
Commerzbank kündigt Konto

Die Filiale am Schüsselkorb gab dem Kunden wohl keine Auskunft.

Christina Kuhaupt

Als Thomas Harmling vor wenigen Wochen den Brief seiner Bank öffnet, ist er erstaunt. Die Commerzbank, bei der er seit 2008 Kunde war, teilt ihm mit, dass sie die Geschäftsbeziehungen mit ihm beenden werde. Konkret heißt das: Sein Giro- und sein Tagesgeldkonto werden gekündigt. Warum? Diese Frage beantwortet der Brief nicht.

Harmling kann sich das nicht erklären. Der kaufmännische Angestellte hatte nach eigenen Angaben nie Ärger mit seinen Konten, keine finanziellen Probleme, war nie arbeitslos. Weil er keinen Grund sieht, warum die Bank ihm kündigen sollte, ruft er bei dem Institut an. Erst bei der Bremer Filiale am Schüsselkorb, dann bei der Beschwerdestelle in der Zentrale in Frankfurt. Beide Male hört er nach eigenen Angaben das Gleiche: „Die einzige Auskunft war, dass ich keine Auskunft bekomme“, sagt er.

Brief verweist auf Allgemeine Geschäftsbedingungen

Erst einige Tage später kommt ihm eine Idee. Seine Frau hat die iranische Staatsbürgerschaft – und eine Vollmacht für sein Konto. Harmling vermutet, dass es eventuell damit zusammenhängen könnte. Gegen den Iran bestehen internationale Sanktionen, die USA haben ein Embargo gegen das Land verhängt. Infolge dessen kappten auch viele deutsche Banken ihre geschäftlichen Verbindungen in den Iran. Ob das der Grund ist? „Wir haben beide keine geschäftlichen Beziehungen zum Iran. Ich selbst war zwar mehrfach im Land, allerdings nur für Familienbesuche“, sagt Harmling.

Der an ihn adressierte Brief verweist lediglich auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Dort heißt es unter Punkt 19: „Die Bank kann die gesamte Geschäftsverbindung oder einzelne Geschäftsbeziehungen (…) jederzeit unter Einhaltung einer angemessenen Kündigungsfrist kündigen.“

Auch auf Nachfrage des WESER-KURIER bezieht sich eine Sprecherin der Bank auf dieses Kündigungsrecht. „Jeder Kunde erkennt das zu Beginn der Geschäftsbeziehung an“, teilt sie mit. Die Verärgerung des Kunden verstehe man, bitte aber um Verständnis. In der Öffentlichkeit äußere man sich nicht zu Einzelfällen.

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So wie Harmling ist es in den vergangenen Jahren immer wieder Kunden in ganz Deutschland ergangen. Auf Portalen wie „Modern Banking“ klagen im Internet viele Verbraucher darüber, dass ihnen die Commerzbank ohne Angabe von Gründen das Konto gekündigt habe. Dabei trifft es nicht nur Privatpersonen, sondern auch Geschäftskonten. Der Kölner „Express“ berichtete im September über eine Hotel-Chefin, deren geschäftliche und private Konten gekündigt worden seien – obwohl sie nach eigenen Angaben gedeckt waren. Branchen-Insider sagten der Zeitung, dass das Vorgehen der Commerzbank bekannt sei. Vielerorts sorge man dafür, sich weniger lukrativen Kunden zu entledigen.

Commerzbank beschließt radikalen Umbau

Die Commerzbank verfolgt einen harten Sparkurs: Bis 2024 sollen von den 790 Filialen noch 450 übrig bleiben; von 40.000 Vollzeitstellen soll ein Viertel wegfallen. In Bremen und der Region hat die Bank elf Standorte – etwa die Zentrale am Schüsselkorb sowie die Filialen in Findorff, Hastedt, Schwachhausen, Woltmershausen und Vegesack. Im vergangenen Jahr wurden die Niederlassungen Steintor, Neustadt und Utbremen geschlossen.

Dass Konten ohne Vorfall gekündigt werden, ist für Nicole Mertgen-Sauer von der Verbraucherzentrale Bremen neu. Häufige Gründe für Kündigungen seien gesetzwidrige Transaktionen wie Betrug, falsche Angaben bei der Eröffnung oder Zahlungsverzug. Warum Harmling, bei dem all das nach eigenen Angaben nicht zutrifft, gekündigt wurde, kann sie sich nicht erklären. Mertgen-Sauer empfiehlt Verbrauchern, sich in strittigen Situationen mit Geldinstituten beim zuständigen Ombudsmann zu melden. Auch der Bundesverband deutscher Banken hat eine Beschwerdestelle für solche Fälle.

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Für Thomas Harmling ist die Sache erledigt. Er hat sich bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beschwert – und kein Interesse mehr an einer geschäftlichen Beziehung mit der Commerzbank. Er hat bei einem anderen Geldinstitut ein neues Konto eröffnet.

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Konto für Jedermann

Grundsätzlich hat jeder Erwachsene den Anspruch auf ein sogenanntes Basiskonto. Damit kann man Geld abheben und per Bankkarte zahlen; einen Dispokredit oder eine Kreditkarte gibt es aber nicht. Die Bonität eines Kunden darf bei einem Basiskonto keine Rolle spielen. Allerdings: Eine Bank darf die Eröffnung eines solchen Kontos verweigern, wenn sie dem Kunden schon einmal ein Konto gekündigt hat, weil er dieses für illegale Zwecke genutzt oder über Monate die Kon­to­füh­rungs­ge­bühren nicht gezahlt hat.

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