Menschenbilder aus 400 Jahren Kunstgeschichte

Bremer Kunsthalle präsentiert ihre Skulpturen

35 Skulpturen aus der Sammlung der Bremer Kunsthalle können derzeit betrachtet werden. Dabei sind Werke aus der Renaissance bis zur Gegenwart zu entdecken.
26.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Kunsthalle präsentiert ihre Skulpturen
Von Alexandra Knief
Bremer Kunsthalle präsentiert ihre Skulpturen

Was ist der Mensch – und wie kann man ihn zeigen? Ein Blick in die Skulpturengalerie der Kunsthalle.

Christina Kuhaupt

Es hat ein wenig länger gedauert als geplant. Nun aber stehen sie bereit: 35 Skulpturen aus der Sammlung der Bremer Kunsthalle, ordentlich aufgestellt in acht Reihen, die kleinen ganz vorne, die großen ganz hinten – so, wie das schon damals beim Klassenfoto geregelt wurde, damit auch alle gut zu sehen sind. Die kleinste Figur, „Kleine Stele (Idol)“ (1967/68) von Gustav Seitz, misst gerade einmal 18 Zentimeter. Daniel Spoerris „Trommler auf dem Einrad mit Schreibmaschinenhut“ (2005) bringt es auf 2,40 Meter.

Eigentlich sollten die Arbeiten, bei denen es sich überwiegend um plastische Darstellungen des gesamten menschlichen Körpers handelt, bereits ab dem 6. Juni zu sehen sein, dem Tag, an dem die Kunsthalle auch ihre große Ausstellung "Remix 2020. Die Sammlung neu sehen" eröffnet hat. Doch die teils überlebensgroßen, schwergewichtigen Werke haben es dem Museumsteam im wahrsten Sinne des Wortes nicht ganz leicht gemacht.

Von der Renaissance bis zur Gegenwart

Nun aber versammeln sich in der Großen Galerie im Erdgeschoss des Museums Menschenbilder aus mehr als 400 Jahren Kunstgeschichte. Werke von der Renaissance bis zur Gegenwart, darunter Figuren, die dem klassizistischen Körperideal entsprechen, genauso wie moderne Arbeiten, denen es um realistische Abbildungen, psychologische oder philosophische Aspekte sowie um das Material an sich geht. Zu sehen sind unter anderem Werke von Jean-Joseph Foucou, Bernhard Hoetger, Georg Kolbe oder Waldemar Otto. Die älteste gezeigte Skulptur ist die „Venus Marina“, eines anonymen italienischen Künstlers. Die 1956 erworbene Bronze wird auf Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts datiert. Die Jüngste Arbeit ist die vor 15 Jahren entstandene Skulptur des rumänischen Künstlers Daniel Spoerri.

Die Große Galerie wurde bereits 1902 als „Saal für plastische Kunstwerke“ eingerichtet. Schon damals erwarb der frühere Direktor der Kunsthalle, Gustav Pauli (1866 bis 1938), zahlreiche kleinere plastische Arbeiten für die Sammlung des Museums. Den Schwerpunkt setzte er auf moderne Arbeiten seiner Zeit. Zudem erwarb er bedeutende Werke von Auguste Rodin. Rodins kleine Bronze „Tänzerin ‘H’“ (um 1910), seine Figur „Johannes der Täufer“ (1878/1880) sowie „Das Eherne Zeitalter“ (1875/76) – die erste lebensgroße Skulptur, mit der der Künstler in die Öffentlichkeit trat – sind nun in der Ausstellung zu sehen.

Kunsthalle Bremen - Remix - Bilder von Menschen - Skulpturen

Von klein bis groß: Die Kunsthalle setzt bei der Präsentation ihrer Skulpturenbestände auf eine ungewöhnliche Anordnung.

Foto: Christina Kuhaupt

Vor allen um die seelischen Zustände ihrer Figuren ging es symbolistischen Künstlern wie Georges Lacombe oder George Minne. Sie sind mit den Arbeiten „Maria Magdalena“ (1896) und „Schlauchträger“ (1897) in der Ausstellung vertreten. Gerade vor und nach dem Zweiten Weltkrieg fokussierten sich viele Künstler wieder auf die klassizistische Formsprache, setzten auf feste Statik und eine harmonische Balance, sodass ihre Figuren eine gewisse Ruhe ausstrahlten. Ein Beispiel ist hier die „Venus“ (1928) von Aristide Maillol (1861 bis 1944).

Menschliche Figur aus Stahlstäben

Kaum noch etwas Figürliches ist dagegen in der Arbeit „Quantum Cloud IX“ (1999) des britischen Künstlers Antony Gormley zu erkennen. Erst bei ganz genauem Hinsehen erblickt man im Zentrum der aus langen zusammengeschweißten Stahlstäben gebildeten Skulptur die Umrisse einer menschlichen Figur. In seiner über 30 Werke umfassenden Reihe „Quantum Cloud“ hat sich der Künstler über mehrere Jahre mit der Frage beschäftigt, wie man die Präsenz einer Person darstellen kann, die weit über ihre Körperlichkeit hinausgeht.

Gerade die spannende Anordnung der Skulpturen in Reihen macht die Vielseitigkeit des Mediums und seinen Wandel im Laufe der Kunstgeschichte noch einmal deutlich. Selbst nach mehrmaligem Umrunden des Komplexes entdeckt der Betrachter noch neue Perspektiven. Ein weiterer, bereits seit dem 6. Juni geöffneter Skulpturen-Raum widmet sich dem Thema Büste. Hier präsentiert die Kunsthalle Abbilder berühmter Künstler aus der Zeit zwischen den 1880er- und den 1970er-Jahren. Darunter: Rainer Maria Rilke, Max Liebermann, Edgar Degas oder Otto Klemperer.

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Weitere Informationen

Die Skulpturen in der Großen Galerie sind Teil der „Remix“-Ausstellung, mit der die Kunsthalle ihre Sammlung neu präsentiert. Die Kunsthalle ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und jeden letzten Dienstag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

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