Technik in der Lieferkette

Bremer Logistik wird digitaler

Logistikdienstleistungen werden häufig vom Mittelstand angeboten. Wie dieser Branche die Digitalisierung stärker nutzen kann, damit hat sich das sechste Bremer Fachforum Projektlogistik beschäftigt.
13.01.2020, 19:50
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Logistik wird digitaler
Von Peter Hanuschke
Bremer Logistik wird digitaler

Dass Digitalisierung auch in der Projektlogistik eine zunehmende Rolle spielen wird, das stand im Mittelpunkt im Fachforum Projektlogistik, das zum sechsten Mal in Bremen stattgefunden hat.

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Wenn Projektladung von A nach B bewegt wird, dann handelt es sich um komplexe Ladungs- und Transportabläufe, an denen eine Vielzahl von Spezialisten beteiligt ist – vom Spediteur, über den Transportversicherer, Makler, Reeder bis hin zum Industrieunternehmen. Dass zahlreiche Vertreter dieser Lieferkette am Montag im Atlantic Hotel waren, hatte seinen Grund: Dort fand zum sechsten Mal das von der Bremischen Hafenvertretung organisierte Fachforum Projektlogistik statt. Im Mittelpunkt stand die Digitalisierung – ein facettenreiches und komplexes Thema wie die Projektlogistik selbst.

Dass die Logistik nicht zu den Vorreitern zählt, wenn es um die Einführung von digitaler Technologie geht, liegt offensichtlich daran, dass die Branche sehr durch den Mittelstand und häufig durch klassische Unternehmensstrukturen geprägt ist – zumindest war das der Tenor, der beim Fachforum immer wieder anklang. Allerdings nehme die Bereitschaft zu, sich mit dieser Technologie stärker zu beschäftigen, so ein Zwischenergebnis einer Umfrage, die während des Fachforums unter den 150 Teilnehmern, die aus vielen Teilen Deutschlands kamen, vorgenommen wurde.

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Neben der zunehmenden Bereitschaft, stärker die Chancen der Digitalisierung ins Blickfeld zu nehmen, gibt es bereits Firmen, die in der digitalen Welt angekommen sind oder den Weg eingeschlagen haben. So hat etwa die Big Move AG – ein Verbund von zwölf mittelständischen Schwergutspediteuren – unter anderem den digitalen Führerschein eingeführt, der ein Teil der neuen Plattform bildet. Auf diesem kreditkartengroßen Führerschein sind sämtliche Daten über die Fahrer hinterlegt, etwa deren Sicherheitszertifikate, die gerade im Umgang mit Schwergut notwendig und beim Verlader und Endkunden vorzulegen sind.

„Wir sind in der Lage, die Mitarbeiter über unsere Plattform digital zu steuern“, sagte Referent Olaf Beckedorf, Vorstandsvorsitzender von Big Move. „Alle Qualifikationen, die der Mitarbeiter hat, führt er digital mit sich. Wir können sehen, wann die Dokumente ablaufen und über E-Learning-Programme diese notwendigen Qualifikationen wieder aufgefrischt werden müssen.“

Außerdem stünden sämtliche Daten und Spezifikationen des Fahrzeugs jederzeit digital zur Verfügung, was gerade bei Schwerguttransportern sehr komplex sein könne, sagte Beckedorf. Ebenso sei es möglich, europaweite Schwergutstrecken – das Netzwerk verfüge über 19 Standorte – digital darzustellen. Das, in Kombination mit einem standardisierten Fahrzeugpool, beschleunige auch die Genehmigungsverfahren für Schwertransporte.

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Dass Digitalisierung viele Chancen bietet, davon sind auch die Podiumsteilnehmer Christian Leopold, Geschäftsführer von CHS Container Handel aus Bremen, Mario Schulz von der Outotec GmbH in Oberursel und Immo Brüggemann, Geschäftsanalyst der NSB Niederelbe Schiffahrtsgesellschaft aus Buxtehude überzeugt.

Zum einen könnten Abläufe effizienter gestaltet werden, zum anderen eröffne Digitalisierung neue Arbeitsprozesse, die gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels von Bedeutung seien, um als Unternehmen immer stärker nachgefragte Arbeitsbedingungen wie Homeoffice bieten zu können. Dass Digitalisierung noch nicht in jedem Unternehmen angekommen sei, liege daran, dass noch nicht erkannt worden sei, „was technologisch alles möglich ist“, sagte Podiumsteilnehmer Professor Sven Hermann, Geschäftsführer der Prolog Innovation GmbH. Das betreffe vor allem den Mittelstand.

Genau deshalb gebe es zahlreiche Angebote in Bremen, Wege aufzuzeigen, wie Digitalisierung angegangen werden könne, sagte Yvonne Bauer, Referentin für Arbeit 4.0 und Fachkräftesicherung bei der Senatorin für Wirtschaft. Diese Angebote seien branchenübergreifend und gerade für den Mittelstand ausgelegt. Dieser Austausch ermögliche den Einstieg in diese Technologien und zeige auf, dass Digitalisierung meistens auch eine neue Unternehmenskultur erfordere.

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