Sommerferien sind eine Hauptsaison

Polizei Bremen gibt Tipps zum Einbruchschutz

Die Sommerferien sind neben den Wintermonaten Hauptsaison für Einbrecher: Die Polizei Bremen gibt Tipps, wie man Haus und Wohnung schützen kann.
02.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Helke Diers

Damit nach dem Sommerurlaub Schmuck und Fernseher noch da sind, rät die Polizei Bremen zu Vorsichtsmaßnahmen. Eingebrochen werde besonders in der Sommerzeit und zu Beginn der Wintermonate, betont Jürgen Schöttke, Berater für Einbruchschutz bei der Polizei. Wer für den Urlaub vorsorgen will, kann laut dem Berater auch ohne Kosten wirksame Maßnahmen treffen.

Um den Dieben das Leben schwer zu machen, gibt es verschiedene Strategien. Wirksamer Einbruchschutz basiere auf mehreren Säulen, erläutert Schöttke. Neben dem mechanischen Schutz, etwa durch Schlösser und Riegel, komme es wesentlich auf das Verhalten der Bewohner an. „Der Kardinalfehler ist: Abwesenheit signalisieren“, warnt Schöttke. Durch überfüllte Briefkästen, hoch stehenden Rasen und über Wochen heruntergelassene Rollläden könne ein Außenstehender das verlassene Haus leicht erkennen.

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„Einbrecher fahren bewusst herum und gucken, wo jemand da ist“, sagt der Polizeibeamte. Deshalb rät er, die Zeitung abzubestellen oder an den Urlaubsort nachsenden zu lassen, Briefkästen leeren zu lassen und Nachbarn zu bitten, erst bei Dämmerung die Rollläden zu schließen. Anwesenheit könne außerdem durch per Zeitschaltuhr gesteuerte Beleuchtung vorgetäuscht werden. Wenig hilfreich sei es, die Urlaubszeit für Fremde auf dem Anrufbeantworter oder in den sozialen Medien mitzuteilen.

Sicht von außen nicht behindern

Besonders bei Einfamilienhäusern sollte der Bewuchs mit Pflanzen möglichst kurz gehalten werden, um die Sicht von außen nicht zu behindern. Einbrecher suchten zu rund zwei Drittel diesen Haustyp auf, sagt Schöttke. Hausbewohner sollten besonders daran denken, Leitern, Mülltonnen und andere mögliche Einstiegshilfen zu sichern oder zu wegzuschließen.

Damit mögliche Diebe nicht in das Haus oder die Wohnung einsteigen können, sollten möglichst viele Hindernisse geschaffen werden, erklärt Schöttke weiter. Fest verschlossene Fenster und Türen gehörten dazu, um es Einbrechern nicht unnötig leicht zu machen. „Viele Menschen gehen morgens aus dem Haus, gehen zur Arbeit, sind unachtsam und lassen beispielsweise ein Fenster auf Kipp“, beschreibt der Berater. Die Tageszeit, zu der besonders häufig eingebrochen wird, sei entgegen vieler Vermutungen zwischen 16 und 18 Uhr.

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In den eigenen vier Wänden sollten Wertgegenstände sicher aufbewahrt werden. Dazu könne ein Wandsafe genutzt oder auch Gegenstände mit sogenannter künstlicher DNA markiert werden. Künstliche DNA ist eine Flüssigkeit, die nur unter UV-Licht sichtbar wird. Für besonders wertvolle Stücke komme auch der Einsatz eines Bankschließfachs in Betracht, empfiehlt der Polizist.

Für die Nachbarn gilt: Machen sich verdächtige Beobachtungen, sollten sie umgehend per 110 die Polizei rufen. „Eine gute Nachbarschaft, damit ist in der Urlaubszeit viel gewonnen. Durch Corona ist bei vielen der Kontakt oft besser geworden“, sagt Schöttke.

Mehr Investitionen in Einbruchsschutz

Wer dauerhaft den Einbruchschutz für Wohnung oder Haus verbessern will, kann bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Zuschuss in Höhe von bis zu 1600 Euro oder einen Kredit bis zu 50.000 Euro beantragen. Das gilt sowohl für Mieter als auch für Eigentümer. Schöttke ist überzeugt, durch die Phase des häuslichen Rückzuges zu Beginn der Corona-Pandemie hätten mehr Menschen in Einbruchschutz investiert. Er hofft, dass sich dieser Trend fortsetzt. „Die Menschen schätzen ihr Heim“, sagt der Berater.

Die Bremer Polizei führt außerdem eine sogenannte Errichterliste von Fachfirmen. „Dazu gehören Tischler, Metallbauer und Glaser, die einen Zusatzlehrgang zum Einbruchschutz absolviert haben. An diese Fachfirmen können sich die Bürger vertrauensvoll wenden“, sagt Schöttke. Eine ähnliche Liste gibt es für Firmen, die professionelle Alarmanlagen installieren.

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Beratung zum Einbruchschutz bekommen Interessierte beim Präventionszentrum der Polizei, Am Wall 195. Themen sind unter anderem bauliche Veränderungen, Verhalten, Alarmanlagen oder künstliche DNA. Telefonisch ist das Präventionszentrum unter der Nummer 0421/362-19003 erreichbar; montags und dienstags von 9 bis 15 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 16 Uhr. Persönliche Beratungen mit Mund-Nasen-Schutz sind inzwischen auch wieder im Präventionszentrum möglich, allerdings muss vorher ein Termin ausgemacht werden.

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Zur Sache

Einbrüche in der Kriminalstatistik

Wohnungseinbruchsdiebstähle nehmen seit Jahren ab: Bundesweit und in Bremen ist die Zahl der registrierten Delikte stark rückläufig. 1861 versuchte und vollendete Fälle zählt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) in Bremen für 2019. „Das ist ein Rückgang um zwei Prozent“, sagt Schöttke über das vergangene Jahr. Seit 2015 haben sich die in der PKS erfassten Fälle sogar knapp halbiert. Außerdem steige seit einigen Jahren der Anteil der versuchten Delikte innerhalb aller Fälle und liege inzwischen bei knapp 45 Prozent, erklärt Schöttke. Das bedeutet: weniger Versuche führen tatsächlich zu einem Einbruch. Schöttke vermutet, das liege an der Wirksamkeit des Einbruchsschutzes.

Trotz des Rückganges ist Bremen Spitzenreiter unter den Bundesländern. Auf je 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen gerechnet liegt Bremen ganz vorne bei den Fallzahlen. „In den Städten gibt es mehr Tatgelegenheiten, teilweise ist es auch anonymer“, meint Schöttke dazu. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn nur Großstädte ab 200.000 Einwohnern verglichen werden: Bremen an der Spitze, gefolgt von Bonn, Hamburg, Duisburg und Köln. „Wir haben ein Nord-Süd-Gefälle, aber wir holen auf“, sagt der Polizeiberater.

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