Ein Ende auf Raten

Bremer Reaktionen auf den Stellenabbau der NordLB

Die Mehrheit der Bremer Politiker sieht in dem Stellenabbau der NordLB einen erwartbaren Schritt. Was das ihrer Meinung nach für den Bankenplatz Bremen und für Privat- sowie Firmenkunden der NordLB bedeutet.
07.03.2020, 09:32
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Reaktionen auf den Stellenabbau der NordLB
Von Florian Schwiegershausen

Die Nachricht am Freitag über den weiteren Stellenabbau der NordLB bewegt das politische Bremen. Schon einen Tag zuvor hatten die Mitarbeiter davon erfahren: Sie erhielten Donnerstagnachmittag eine E-Mail mit der entsprechenden Mitteilung und wurden gleichzeitig zu Stillschweigen verpflichtet. Wie aus dem Umfeld des Geldinstituts zu hören ist, habe die Entscheidung über den Stellenabbau die Mitarbeiter überrascht. „Es ist weit über das Erwartbare hinaus gegangen, wovon man hier am Standort ausgegangen ist“, heißt es.

Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) hatte wegen der finanziellen Schieflage der NordLB erwartet, dass es zu Umstrukturierungen und Einsparungen kommt: "Sehr bedauerlich ist natürlich, dass Managementfehler der Vergangenheit nun von den Arbeitnehmern ausgebadet werden müssen und Arbeitsplätze in Bremen dadurch verloren gehen." Dass der Geschäftskundenbereich aus Bremen abgezogen werde, sieht Vogt als Verlust für die Bremer Wirtschaft: "Damit fehlt ein wichtiger regionaler Ansprechpartner für die Unternehmen.“

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Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel sagte zur Entscheidung der NordLB: „Heute ist ein trauriger Tag für Bremen, und mir tut es für die Mitarbeiter leid. Aber leider kommt es nun so, wie ich es bereits in der Vergangenheit gemutmaßt habe: Was früher die Bremer Landesbank war, wird nun nur noch zu einer Filiale der NordLB."

In der Tat hatte Hickel bereits vor einigen Jahren vermutet, dass von der einstigen BLB am Ende nur eine Art Filiale mit 100 Mitarbeitern übrigen bleiben werde. Nun ist laut Hickel mit dieser Entscheidung klar, dass der NordLB in Bremen weitere Firmenkunden abspringen werden: „Gerade für mittelständische Kunden bedeutet das, dass für sie vor Ort für Finanzierungen nun noch die Sparkasse, die Oldenburgische Landesbank und die Deutsche Bank bleiben, wobei die Deutsche Bank ja auch immer noch angeschlagen ist. Ebenso ist die Commerzbank angeschlagen.“ Der Wirtschaftswissenschaftler geht davon aus, dass nun die Relevanz der Sparkasse Bremen zunehmen werde, weil sie für manchen Firmenkunden zum Zufluchtsort werde.

Einen Ansprechpartner weniger

Auch für Jens Eckhoff, CDU-Finanzexperte, sind die Streichungen bei der NordLB eine katastrophale Nachricht: "Das bedeutet, dass die Bremer Unternehmen in Zukunft einen Ansprechpartner weniger haben werden. Bremen als Bankenplatz wird dadurch weiter geschädigt." Gleichzeitig bemerkt er, dass in den vergangenen Jahren viel Kompetenz von Bremen in die NordLB-Zentrale nach Hannover verlagert worden sei. Politisch bewertet er das so: "Das ist auch eine Quittung für die rot-grüne Politik. Wir als CDU-Fraktion hatten damals einen Antrag eingebracht und eine Standortgarantie gefordert.“

Diese Standortgarantie hätte auch die FDP begrüßt, wie FDP-Fraktionsvorsitzende Lencke Steiner sagte: "Wir bedauern die Entscheidung. Gleichzeitig hoffen wir für Firmen- und Privatkunden, dass ihnen ihre Ansprechpartner bei der Bank erhalten bleiben. Leider ist diese Entscheidung abzusehen gewesen. Nun muss man sich fragen, was das langfristig für die Perspektive am Domshof bedeutet.“

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Robert Bücking (Grüne) bezeichnet die Nachricht als bittere Botschaft sowohl für die Mitarbeiter als auch für den Bankenstandort Bremen. Eines stellt er dabei klar: „Der Stellenabbau steht meiner Meinung nach aber nicht in Zusammenhang mit dem Verkauf der Bremer Landesbank, sondern mit dem allgemeinen Zustand der NordLB. Wäre Bremen weiter daran beteiligt gewesen, hätte es sich auch an all den Kapitalerhöhungen mit beteiligen müssen, die es da nun gab.“

Klaus-Rainer Rupp (Linke) bezeichnet diese Entwicklung als erwartbar: „Leider! Ich bin aber skeptisch, ob das langfristig die richtige Entscheidung ist, die Zahl der Mitarbeiter am Bremer Standort so sehr zu minimieren und das Firmenkundengeschäft nach Oldenburg zu verlagern.“ Denn gerade kleine und mittelständische Betriebe legten Wert darauf, einen Ansprechpartner um die Ecke zu haben, und dass man sich kennt. Das seien Dinge, die kein Computersystem ersetzen könne.

„Niedersachsen first“ war abzusehen

Der SPD-Abgeordnete Arno Gottschalk sieht die Entwicklung auch als schlechte Nachricht und bedauert dies. Das "Niedersachsen first" sei aber abzusehen gewesen: "Wenn Niedersachsen zum Großteil die NordLB mit einer Finanzspritze stützt, wäre es schwer zu erklären gewesen, wenn man den Standort Oldenburg zugunsten Bremen kürzen würde." Gottschalk ist sich sicher, dass am Bremer Bankenplatz die Konkurrenz die Lücken schließen werde, die durch die Entscheidung der NordLB entstehen werde."

Klar ist, dass die verbleibenden 100 NordLB-Mitarbeiter nicht mehr das ganze Gebäude am Domshof benötigen werden. Nach Informationen des WESER-KURIER ist der Neubau so angelegt, dass man problemlos ganze Etagen an andere Firmen vermieten kann.

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