Fast 4000 illegale Ablagerungen pro Jahr

Bremer Stadtreinigung geht verstärkt gegen wilden Müll vor

Die Bremer Stadtreinigung hat ihr Vor-Ort-Team verstärkt, das illegale Müllhaufen auf Hinweise nach ihren Urhebern untersucht. Vor allem aber geht es um Beratung bei Fragen nach der richtigen Entsorgung.
21.02.2019, 20:02
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Stadtreinigung geht verstärkt gegen wilden Müll vor
Von Justus Randt

Müllentsorgung? Da kann viel schiefgehen, das belegen die rund 4000 illegalen Ablagerungen im Stadtgebiet, die die Bremer Stadtreinigung (DBS) jedes Jahr beseitigen muss. Und das mit steigender Tendenz, sagt Antje von Horn, die Sprecherin des städtischen Unternehmens. Um sogenannten wilden Müll zu zähmen oder am besten gleich zu vermeiden, vervielfachen ab sofort zehn neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die bisherige Stabsstärke. Drei Leute waren bislang im „Vor-Ort-Team“ der Stadtreinigung unterwegs gewesen. Eine „deutliche Verbesserung der Stadtsauberkeit in Bremen“ erhoffen sich nicht nur ihre Vorgesetzten.

Annähernd 150 000 Anrufe erhält die Stadtreinigung jährlich. Dabei geht es um Fragen zum Abfallgesetz oder um Unklarheiten beim Gebührenbescheid. Oft sind aber Bürger in der Leitung, die unerlaubt abgelegten Müll melden und möglichst schnell beseitigt haben wollen. „Je nachdem, um was es sich handelt, wird geguckt, ob ein Team rausgeht“, sagt Antje von Horn. „Manchmal kommt dann jemand aus der Nachbarschaft kleinlaut heraus und sagt, er habe gedacht, nächste Woche sei doch Abfuhr.“ Das Vor-Ort-Team soll viel Zeit mit Beratung verbringen. “Denn oft ist es Unwissenheit, die in ein Fehlverhalten mündet.“

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Sperrmüll darf erst ab 18 Uhr am Vorabend der vereinbarten Abholung an die Straße gestellt werden, um nicht auch andere noch zur Entsorgung zu inspirieren. Sonst könnten Müllmengen unberechenbar werden und die Stadtreiniger vor organisatorische und technische Probleme stellen – etwa wenn sie mit einem kleineren Auto kommen, als unerwartet benötigt wird.

Die Mischung macht's

Was verboten ist, lässt sich auch ahnden: Der Bußgeldkatalog listet von 20 für bis 25 000 Euro feindifferenziert auf, was für welchen Frevel fällig werden kann, vom fallengelassenen Taschentuch bis zur illegal abgekippten Lastwagenladung Bauschutt, um nur zwei Beispiele zu nennen. Letztlich kommt es auf den Einzelfall an. Und auf die Zusammensetzung der Hinterlassenschaft: In der Regel handelt es sich um Haushaltsabfälle mit Sofaanteil.

Das Taschentuch bleibt zumeist ein Fall für die Straßenreinigung. Bei Kühlschränken oder Chemikalien sieht die Sache schon anders aus. Abfallmengen, die das Volumen eines 100-Liter-Sacks überschreiten, und umweltgefährdende Stoffe stellen für die Stadtreinigung wilde Abfallhaufen dar – das fällt weder unter Straßenreinigung noch unter die Sperrmüllabfuhr. Die Berater sollen nach Hinweisen auf die Verursacher suchen.

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Hausmüll ist hingegen auch das Stichwort des Kontrolldienstes, der, wie der städtische Ordnungsdienst und die Vor-Ort-Aufklärer, aus dem 2017 beschlossenen Projekt „Sichere und saubere Stadt“ finanziert wird. Kontrolleure sind unterwegs, um im Verdachtsfall zu überprüfen, ob Haushalte „mit ausreichend Restmüllvolumen ausgestattet“ sind, sprich: Ist die Mülltonne groß genug für die Zahl ihrer Nutzer? In die Höhe ragende Deckel sind ein Indiz, dem der Dienst nachgeht.

Gebrauchtes soll weiterverwendet werden

Rausstellen statt wegwerfen, nach dieser Maxime gehen offensichtlich immer mehr Zeitgenossen mit ihren Konsumgütern um: Vom Plattenspieler über Kleidung und Schuhe über Spielzeug bis hin zu Spanplattenmöbeln und Matratzen reicht das Spektrum mitunter an ein und demselben Ort. „Vor allem, wenn Leute umziehen“, komme das vor, sagt Antje von Horn. Oft geschieht das im Bewusstsein, dass die gebrauchten Gegenstände weiterverwendet werden.

Was „doch noch gut“ ist, darüber ließe sich oft und lange diskutieren. „Wenn das Schätzchen keinen neuen Freund findet“, wie Antje von Horn es nennt, entscheiden Wind und Wetter, dass es sich um Müll handelt. „Unser oberster gesetzlicher Auftrag sind Abfallvermeidung und Wiederverwertung“, sagt die Sprecherin der Bremer Stadtreinigung. „Tausch-Bars“, wie es sie bis zum vergangenen Herbst an zwei Recyclingstationen gab, existieren nicht mehr – in Blumenthal hat das laut DBS an „nicht zu stoppender, schwerer Vermüllung“ gelegen.

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Die Stadtreinigung bietet zusammen mit dem Verein Bremer Umweltberatung regelmäßig Repair-Cafés an. Auf der Homepage www.gebraucht-und-gut.de machen die Recyclingbörsen Gebrauchtangebote, sie nehmen Möbel und andere Gebrauchsgegenstände an. Manche bieten auch eine Abholung an. Außerdem gibt es Sozialkaufhäuser und diverse Initiativen. Wer etwas selbst entsorgen will, kann die Recyclingstationen Blockland, Bennigsenstraße, Hohentor oder Blumenthal ansteuern. Recyclingstationen nehmen auch funktionstüchtige Elektrogeräte entgegen und stellen sie beispielsweise dem Verein für Innere Mission zur Verfügung.

Weitere Informationen

Wer illegal abgelagerten Müll zu melden hat, kann die zentrale Stadtreinigungsnummer 0421 361 36 11 anrufen oder eine E-Mail an info@dbs.bremen.de schicken. Eine Müll-Melde-App, wie sie in Hannover und Frankfurt am Main kurz vor dem Start stehen, sind noch nicht im Gespräch. Der nächste Repair-Café-Termin ist am Sonnabend, 2. März, von 9.30 bis 12.30 Uhr in der Recyclingstation “plus” Hulsberg, Bennigsenstraße 28.

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