Neuer Standort am Brill

Teilumzug der Uni nimmt Gestalt an

Schon in zwei Jahren könnte ein Drittel der Universität Bremen ins frühere Sparkassen-Areal am Brill umziehen. Unirektor Bernd Scholz-Reiter will die Hochschule auch als Veranstaltungszentrum für alle öffnen.
07.05.2021, 05:00
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Teilumzug der Uni nimmt Gestalt an
Von Frank Hethey
Teilumzug der Uni nimmt Gestalt an

Herrliche Aussichten: In zwei Jahren könnte das frühere Sparkassenareal am Brill als neuer Teilstandort der Universität Bremen seinen Einstand geben.

studio b bremen

Der neue Wissenschaftsstandort in der City nimmt Gestalt an: Nachdem Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) beim zweiten Innenstadt-Gipfel am Freitag von bis zu 8000 Studierenden auf dem früheren Sparkassen-Areal am Brill gesprochen hatte, gibt Universitätsrektor Bernd Scholz-Reiter jetzt erstmals Einblick in die Planungen. Danach läuft es auf einen Teilumzug der Universität Bremen hinaus, für ein Drittel der Einrichtung soll ein zweiter Standort samt eigener Mensa entstehen. Nach den fälligen Umbau- und Renovierungsarbeiten könnte es laut Scholz-Reiter in zwei Jahren so weit sein. Wie Bovenschulte sieht der Unirektor in den Planspielen eine zukunftsweisende Chance. „Jetzt ist das Gelegenheitsfenster da“, sagt Scholz-Reiter.

Für die Ansiedlung auf dem neuen Campus am Brill kommen vor allem jene Fachbereiche und Studiengänge in Betracht, die nicht auf technische Labore angewiesen sind - also in erster Linie die Sozial- und Geisteswissenschaften. Dabei denkt Scholz-Reiter an stark angewählte Fachrichtungen mit Relevanz für die innerstädtische Umgebung. „Die Medien- und Kommunikationswissenschaften könnten in das Brill-Gebäude einziehen“, sagt Scholz-Reiter mit Hinweis auf die Nähe von WESER-KURIER und Radio Bremen.

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Mit dem Teilumzug in die City will sich die Universität zugleich den Menschen in Bremen nähern. Nach Vorlesungsschluss soll sich der Gebäudekomplex in ein lebendiges Vortrags- und Veranstaltungszentrum verwandeln - mit Ausstellungen, Konzerten oder Proben des Uniorchesters. „Wir betrachten uns nicht nur als reine Universität, wir wollen uns den Bürgerinnen und Bürgern öffnen“, sagt Scholz-Reiter. Als Vorbild hat er die innerstädtischen Hochschulen in Groningen oder Antwerpen vor Augen. „Da lebt die Stadt richtig, das brauchen wir auch in Bremen.“ Erst recht in der aktuellen, wenig anheimelnden Innenstadt-Situation, wie der 63-Jährige betont.

Schon seit Jahren hat die Universität mit der Politik immer mal wieder über einen zweiten Unistandort diskutiert. „Früher gab es aber keine geeignete Immobilie“, sagt Scholz-Reiter. Anders jetzt, da mit dem Gebäude am Brill ein attraktiver Standort zur Verfügung stehe. Der Haken an der Sache: Das ehemalige Sparkassen-Areal befindet sich nicht in städtischem Besitz, es ist Eigentum der israelischen Schapira-Brüder. Deren ambitionierte Neubaupläne mit vier Türmen nach einem Entwurf des amerikanischen Architekten Daniel Libeskind waren vor gut einem Jahr endgültig gescheitert. Ersatzweise hatten die Investoren in Abstimmung mit Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) erst im Oktober überarbeitete Pläne vorgestellt. Die sehen einen grünen Innenhof vor, einen Food Court und eine Nutzung im Bildungsbereich - wobei offen blieb, ob durch die Hochschule Bremen oder die Universität.

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Doch nun eröffnen sich dank des Bremen-Fonds ganz unverhofft neue Perspektiven. „Da gäbe es eventuell eine Möglichkeit der Finanzierung“, sagt Scholz-Reiter über die Gespräche, die seit einem dreiviertel Jahr im kleinen Kreis geführt werden. Natürlich stünden die politischen Entscheidungen noch aus. „Der Senat muss das auch wollen und beschließen.“ Von der zuständigen Behörde ist zwar nicht wirklich viel zu hören. Das Wissenschaftsressort bestätigt indirekt aber doch, wie weit die Planungen inzwischen gediehen sind. „Wir befinden uns dazu in intensiven Abstimmungsprozessen und hoffen, schon bald mehr zu den konkreten Planungen sagen zu können“, sagt Ressortsprecherin Sara Bergemann. Positive Signale gibt es auch von den Schapiras. Die Uni-Pläne seien Teil des Campus-Konzepts der Investoren, bestätigt Annika Reineberg, Geschäftsführerin der Wallhaus GmbH, die das Gelände vermarktet. “Ja, wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt zur Anmietung von Flächen des geplanten City Campus Am Brill”, so Reineberg.

Am derzeitigen Unistandort seien irgendwann die Grenzen des Wachstums erreicht, sagt Scholz-Reiter. „Deshalb ist es sinnvoll, beizeiten an einen zweiten Standort zu denken.“ Für die anfallenden Mietkosten im Falle eines Teilumzugs in die City hat der Rektor eine Lösung zur Hand: Weil Mietflächen im Technologiepark nicht mehr benötigt würden, ließe sich mit den eingesparten Finanzmitteln eine Anmietung des Brill-Gebäudes gegenfinanzieren. „Das rechnet sich allerdings immer noch nicht ganz.“ Durch die Umzugspläne sieht Scholz-Reiter die Neubaupläne am alten Unistandort nicht tangiert. „Da besteht keine Verbindung“, sagt er. „Denn Hörsäle und Veranstaltungsflächen für große Wissenschaftskongresse braucht die Universität dringend in großem Umfang.“ Durch den Brill allein könne dieser Bedarf nicht abgedeckt werden.

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Vonseiten der Universität stecken die Vorarbeiten noch in den Anfängen. In den Gremien der Universität war bislang keine Rede von den Plänen. Laut Scholz-Reiter hätte der Teilumzug eigentlich schon bei der letzten Sitzung des Akademischen Senats auf der Tagesordnung stehen sollen, nun sei das Thema für die nächste Sitzung Mitte Mai vorgesehen. „Da werden wir noch mehr ins Detail gehen, womöglich auch Überzeugungsarbeit leisten müssen.“

Der Hochschule Bremen kommen die Uni-Planungen nicht in die Quere. „Das ehemalige Sparkassen-Gebäude war für uns nie eine Option“, betont Ulrich Berlin, Sprecher der Hochschule. Zwar hat die Hochschule in unmittelbarer Nähe 1400 Quadratmeter für Lehr- und Büroflächen angemietet und will diese Fläche bis Jahresende auf rund 4000 Quadratmeter erhöhen. Als Kerngebiet ihrer räumlichen Entwicklung betrachtet die Hochschule aber die Alte Neustadt. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten für ein neues Hochschulgebäude in der Großen Johannisstraße beginnen und Ende Mai ein Erweiterungsbau am Standort Werderstraße fertiggestellt werden.

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Gleichwohl sei der Innenstadtstandort am Brill „ein wichtiger Baustein“ für die Entwicklung des „Integrierten Gesundheitscampus Bremen“, so Berlin. Mit dem dortigen, auch bundesweit beachteten Skills- und Simulationszentrum übe das Land Bremen eine „Magnetfunktion für den Pflege- und Gesundheitssektor sowie den Versorgungsbereich insgesamt aus“. Damit habe das Land Bremen auch „Ja“ gesagt zur Adressbildung in der Innenstadt für diesen Wissenschaftsbereich. Freilich ist der Gesundheitscampus nicht als standortgebundene Einrichtung zu verstehen, schon gar nicht am Brill. Es handele sich um einen „informellen Zusammenschluss von Wissenschaft und Praxis“, sagt Hochschulsprecher Berlin.

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Zur Sache

Asta kritisiert fehlende Einbindung

Mangelnde Einbindung in die Umzugsplanungen der Universitätsleitung beklagt der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta). Bislang sei das Thema weder mit dem Akademischen Senat noch mit dem Asta besprochen worden, sagt Asta-Mitglied Finn Schale. Aus seiner Sicht gibt es Parallelen zum gescheiterten Vorstoß von Jochen Zimmermann, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Zimmermann hatte im Sommer 2018 aus eigener Initiative und ohne Abstimmung angeregt, im Brill-Gebäude eine von Universität und Hochschule getragene „Business School Bremen“ einzurichten. Auch grundsätzlich ist der Asta eher skeptisch. „Unsere Befürchtung ist, dass wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen“, so Schale. Auch mit Blick auf die Kaufkraft von Studierenden, die womöglich für die Innenstadt nutzbar gemacht werden solle.

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