Sofortprogramm für Laptops und Tablets

Bremer Schulen bekommen 4,8 Millionen

Bremen erhält vom Bund im Rahmen eines Sofortprogramms eine Millionensumme. Dadurch sollen bedürftige Kinder Laptops und Tablets zur Verfügung leihweise gestellt bekommen. Es gibt aber auch Kritik von der GEW.
16.05.2020, 05:00
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Von Patricia Friedek
Bremer Schulen bekommen 4,8 Millionen

Viele Kinder haben in der Corona-Krise Schwierigkeiten, zu Hause zu lernen: Sie besitzen keine (tauglichen) Laptops oder Tablets. Der Bund stellt nun im Rahmen eines Sofortprogramms Geld bereit.

Stefan Puchner

Schülerinnen und Schüler im Land Bremen, die dringend ein Laptop oder Tablet für den Unterricht zu Hause benötigen, sollen nun Geräte leihweise gestellt bekommen. Möglich macht dies ein Sofortprogramm des Bundes, das am Freitag von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) vorgestellt wurde. Bremen soll aus dem 500-Millionen-Euro-Topf insgesamt 4,8 Millionen Euro bekommen, wie Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) am Freitag sagte. Zehn Prozent davon muss das Land zusätzlich zur Verfügung stellen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt dies grundsätzlich – äußert aber auch Kritik.

Hintergrund des Sofortprogramms ist, dass digitales Lernen in der Corona-Krise immer wichtiger geworden ist: Für das sogenannte Homeschooling – den Unterricht zu Hause – sind Schülerinnen und Schüler auf das Lernen am Handy, Tablet oder Laptop angewiesen. Nicht alle Eltern seien jedoch in der Lage, Kindern ein solches Gerät zu kaufen, heißt es vom Bundesministerium. Die finanziellen Mittel werden als Ergänzung zum Digitalpakt Schule, der bis 2024 angelegt ist und mehr als fünf Milliarden Euro für die digitale Ausstattung von Schulen umfasst, bereitgestellt.

Verteilschlüssel berücksichtigt unterschiedliche soziale Bedürfnisse

Das Land Bremen verteilt die Soforthilfe für die Geräte an die Schulträger, also die Kommunen Bremen und Bremerhaven, und an freie Träger, die dann die Verteilung an die Schulen übernehmen, sagt Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts dem WESER-KURIER. „Wir erarbeiten gerade den Verteilschlüssel der insbesondere auch unterschiedliche soziale Bedarfe berücksichtigt“, so Kemp.

Konkret solle die praktische Umsetzung so laufen, dass die Schulträger die einzelnen Schulen darüber informieren, wie viele Mittel ihnen aus dem Gesamtpaket jeweils zur Verfügung stehen. Die Schulen meldeten dann ihren Bedarf an mobilen Endgeräten und Zubehör zurück. Daraufhin sollen die Geräte bestellt und dann über die Schule an Kinder verliehen werden, die über keine eigenen Geräte verfügten. Eine formale Bedürftigkeitsprüfung soll es nicht geben, heißt es vom Bund. Die Geräte blieben Eigentum der Schulen, auf diese Weise könne auch in einem späteren Regelbetrieb auf die durch das Sofortprogramm finanzierten mobilen Endgeräte zurückgegriffen werden, schreibt die Bundesregierung auf ihrer Internetseite.

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Für Lehrkräfte seien vorerst keine Laptops oder Tablets vorgesehen, betont Kemp. „Wir arbeiten aber an einer landesseitigen Verbesserung der Ausstattung von Lehrkräften mit mobilen Endgeräten“, heißt es von der Bildungsbehörde. „Wir wollen das Geld sehr schnell ohne Hürden an die Schulen bringen und auch für einen Support sorgen. Das Land Bremen will damit insbesondere jene Schülerinnen und Schüler unterstützen, die zu Hause über keine gute Ausstattung für das Lernen zu Hause verfügen“, betonte Bogedan.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht das Vorhaben auch kritisch. „Wir begrüßen es, dass Geld für Endgeräte zur Verfügung gestellt wird, das fordern wir schon lange. Aber es braucht die Fachkräfte, die Anleitung und die Zeit“, sagt Landesvorstandssprecherin Barbara Schüll. Diese Punkte seien angesichts der aktuellen Lage jedoch nicht gegeben. Die Corona-Krise habe zwar gezeigt, dass es Chancengleichheit brauche. Aber: „Die didaktische Anleitung muss parallel zu der Verteilung der Endgeräte laufen“, fordert die Gewerkschafterin. Denn nur, weil die Kinder Tablets oder Laptops zur Verfügung hätten, bedeute das lange noch nicht, dass sie auch damit umgehen könnten. In der derzeitigen Situation sorge das deshalb für zusätzliche Verunsicherung.

Lehrkräfte profitieren erstmal nicht

Außerdem gebe es eine Grauzone bei der Wartung und der Sicherheit der Geräte, sagt Schüll. Ihre Erfahrung habe gezeigt, dass es lange dauert, bis ein Gerät gewartet sei. Dass Lehrkräfte zunächst nicht von den Bundesmitteln profitieren, sieht die GEW-Landesvorstandssprecherin ebenfalls sehr kritisch: „Es ist Lehrmaterial, so wie es Tafeln und Kreide auch sind.“ Schüll arbeitet selbst als Lehrerin; von ihren Geräten könne sie sagen, dass diese nicht besonders tauglich seien.

Bis 2022 sollte Bremen ursprünglich 50 Millionen Euro im Zuge des Digitalpakts bekommen, um Schulen mit digitalen Geräten und Software auszurüsten. Wenn eine Schule Geld aus dem Bundestopf bekommen wollte, musste sie bisher ein entsprechendes Medienkonzept vorlegen. Das sei bei der Soforthilfe für mobile Endgeräte jetzt nicht der Fall, wie Behördensprecherin Kemp bestätigt. Zuletzt hatten etwa 87 der 178 Schulen in Bremen und Bremerhaven vom Digitalpakt Schule profitiert. Im Januar waren knapp 900 000 Euro in die Schulen geflossen, um damit unter anderem Tablets, Beamer interaktive Tafelsysteme und andere Technik für den Unterricht anzuschaffen.

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