Bürgerempfang auf Schloss Bellevue

Bundespräsident ehrt Bremer Bürger

Sie setzen sich für die erste deutsche Frau im All ein, gründen eine Tafel für Bedürftige und organisieren ein Mentorenprogramm für Kinder: Der Bundespräsident würdigt das Engagement dieser Bremer.
02.09.2018, 20:32
Lesedauer: 4 Min
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Bundespräsident ehrt Bremer Bürger
Von Sara Sundermann
Bundespräsident ehrt Bremer Bürger

Der Bundespräsident hat die Ehrenamtlichen zum Bürgerfest in das Schloss Bellevue geladen.

Lukas Schulze /dpa

Mehrere Bremerinnen und Bremer werden in Berlin für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt: Zwei Frauen und zwei Männer sind eingeladen zum Bürgerfest des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue. Am Freitag, 7. September, dankt Frank-Walter Steinmeier insgesamt rund 4000 Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland mit einem Empfang und einem Fest auf dem Gelände seines Amtssitzes. Schloss Bellevue steht im Zentrum Berlins nahe dem Tiergarten-Park. Bei dem Empfang sollen sich Ehrenamtliche auch unterein­ander austauschen können. Am Sonntag, 8. September, spielen verschiedene Bands beim Bürgerfest auf dem Schlossgelände. Auch verschiedene gemeinnützige Organisationen stellen sich vor.

Eine fürs All: Claudia Kessler aus Bremen ist Gründerin der Stiftung „Erste deutsche Astronautin“. Seit 2016 setzt sie sich dafür ein, dass erstmals eine Frau aus Deutschland ins All fliegt und dort forscht. Bislang waren nur elf deutsche Männer im All. Astronautinnen zum Beispiel aus den USA, aus Russland, Frankreich, Italien und Japan waren aber durchaus schon an Weltraum-Missionen beteiligt. Kessler arbeitet mit ihrem Unterstützer-Team daran, nun selbst eine Mission ins All auf die Beine zu stellen, bei der eine Frau mitfliegt. Einer der Partner ist Airbus. In einem Bewerbungsverfahren der Stiftung stellten sich 400 Bewerberinnen für die Mission vor – zwei Wissenschaftlerinnen wurden ausgewählt und werden derzeit für eine Raumfahrtmission trainiert.

Claudia Kessler

Claudia Kessler setzt sich dafür ein, dass eine deutsche Astronautin ins All fliegen kann.

Foto: Christina Kuhaupt

Kessler ist ausgebildete Luft- und Raumfahrtingenieurin. Sie wäre am liebsten selbst ins All gereist. „Astronautin zu werden, ist mein Kindheitstraum, seit ich vier Jahre alt war und im Fernsehen die Mondlandung gesehen habe“, beschreibt sie. Doch sie sei zu den Zeitpunkten, als deutsche Raumfahrer gesucht wurden, stets entweder zu jung oder zu alt gewesen, sagt die heute 53-Jährige.

Nun will sie Mädchen und Frauen ermutigen, Berufe aus den Bereichen Technik, Naturwissenschaften und Raumfahrt zu ergreifen. „Es melden sich viele Bremer Eltern bei uns, deren Töchter Astronautin werden wollen, das Interesse an unserem Projekt ist riesig", sagt Kessler. Sie ist sehr stolz, nun zum Bürgerfest des Bundespräsidenten eingeladen zu sein: „Das ist eine der höchsten Ehren, die man bekommen kann. Ich bin gespannt auf den Austausch mit den anderen Ehrenamtlichen.“

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Eine Tafel in Athen: Manfred Jabs leitet die Tafel in Bremerhaven, über die derzeit rund 14 000 Menschen in Bremerhaven mit Lebensmittel versorgt werden und ist hauptberuflich Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Bremerhaven. Geehrt werden Jabs und der griechische Gastronom Alexis Vaiou aus Bremerhaven für ihren ehrenamtlichen Einsatz für Athen, beide reisen nach Berlin zum Bürgerempfang an.

Manfred Jabs leitet die Bremerhavener Tafel.

Manfred Jabs leitet die Bremerhavener Tafel.

Foto: Sandelmann

Ihr gemeinsames Projekt: Jabs erfuhr von Vaiou, dass ein System der Tafel, bei dem gespendete Lebensmittel, die sonst oft weggeworfen würden, an Bedürftige verteilt werden, in Griechenland nicht existiert. Daraufhin halfen beide dabei, in Athen eine solche Tafel aufzubauen. „Mittlerweile sind wir mit dem Bürgermei­ster von Athen befreundet“, erzählt Jabs. Das Projekt blieb nicht das Einzige: „Auch jetzt nach der Brandkatastrophe in Athen haben wir Salbe für Brandwunden und Verbände organisiert und nach Griechenland geschickt“, sagt der 65-Jährige. Und eine Zahnärztin aus dem Viertel, die mit ihrer Praxis umzog, spendete die Ausstattung ihrer alten Räume, inklusive zweier Behandlungsstühle und einem Röntgengerät. Die komplette Ausrüstung wurde nach Athen transportiert.

Auch in Norddeutschland engagieren sich Jabs und Vaiou: Gemeinsam organisieren sie zweimal im Jahr ein großes Festessen für bedürftige Menschen in Bremerhaven. Von der Einladung des Bundespräsidenten fühlt sich Jabs geehrt: „Das ist die erste Einladung meines Lebens mit Kleiderordnung. Ich muss mich in Schale werfen, das ist schon etwas Besonderes.“

Junge Erwachsene unterstützen Kinder: Konstanze von Oesen bringt angehende Erzieherinnen und Erzieher mit Kindern in Kontakt, die Zeit und Zuwendung gut gebrauchen können. Die 41-Jährige ist Lehrerin in Bremerhaven und dort auch Koordinatorin für das Projekt „Balu und Du“, das – in Anlehnung an die Geschichte „Dschungelbuch“ – ältere, unternehmungslustige Balus und jüngere, spielfreudige Moglis in Kontakt bringt. „Der kleine Mogli hat im Dschungel Ängste, der große Balu hat Erfahrung und verrückte Ideen“, beschreibt von Oesen die Grundidee. Das bundesweite Mentorenprogramm fördert Grundschulkinder jenseits des Unterrichts.

Konstanze von Oesen hilft mit dem Programm "Balu & Du" Kindern.

Konstanze von Oesen hilft mit dem Programm "Balu & Du" Kindern.

Foto: Privat

Das Prinzip des Programms: Junge Erwachsene zwischen 17 und 30 Jahren treffen sich mindestens ein Jahr lang einmal pro Woche für ein bis drei Stunden mit einem Grundschulkind, unternehmen etwas mit ihm und haben ein offenes Ohr für das Kind. Von Oesen, die als Berufsschullehrerin angehende Erzieher unterrichtet, vermittelt Balus und Moglis aneinander und begleitet das Mentorenprogramm. In den vergangenen drei Jahren hat sie bereits rund 50 Gespanne in Kontakt gebracht und begleitet. „Es gibt zum Beispiel Kinder, deren Mutter alleinerziehend ist und aufgrund Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt. So ein Kind kann zum Beispiel nachmittags nicht raus, weil niemand da ist, der mit ihm draußen spielen kann. Das kann ein Balu gut mit dem Kind machen“, sagt von Oesen.

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