Zwei Bremerinnen suchen Unterstützer

Per App: Schnelle Hilfe auch auf dem Land

Zwei Bremerinnen haben eine Corona-App entwickelt, die schnelle und unkomplizierte Hilfe auch in ländliche Gebiete bringen soll und sind dafür noch auf der Suche nach Investoren.
17.04.2020, 06:35
Lesedauer: 3 Min
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Per App: Schnelle Hilfe auch auf dem Land
Von Sigrid Schuer

In Städten und Ballungsgebieten gibt es bereits eine ganze Reihe an Nachbarschafts-Hilfsangeboten für Menschen, die in der Corona-Krise besonders gefährdet oder von ihr besonders betroffen sind. Aber wie sieht es eigentlich in ländlichen Gebieten aus? „Meine Eltern wohnen beispielsweise in einem kleinen Dorf, das von dem nächsten Ort 20 Kilometer entfernt liegt. Dort gibt es solche Nachbarschaftshilfe nicht“, erzählt Verena Pfannenschmidt, die als Lehrerin an der Wilhelm-Olbers-Oberschule arbeitet. Gemeinsam mit ihrer befreundeten Kollegin Nesil Yasar, die am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium unterrichtet, entwickelt sie zurzeit mit der Bremer Software-Firma 28Apps eine entsprechende App, die Hilfesuchende und Helfende unkompliziert zusammenbringen soll.

Persönliche Erfahrung als Ideengeber

Auslöser sei eine persönliche Erfahrung gleich zu Beginn der Corona-Krise gewesen. „Die Vorräte meiner Großmutter waren aufgebraucht, sie benötigte dringend Lebensmittel, also bin ich mehrere Stunden zu ihr gefahren und habe die Einkäufe erledigt“, erzählt Pfannenschmidt. Das brachte die befreundeten Kolleginnen auf die Idee mit der App, die sich ausdrücklich nicht nur an hilfsbedürftige, ältere Menschen wendet, sondern gerade auch an Menschen mit Beeinträchtigungen, für die es ohnehin schwierig ist, größere Einkäufe zu tätigen. Und noch eine weitere Zielgruppe soll mit der App angesprochen werden: Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und deshalb in häuslicher Quarantäne sind.

Bis 28Apps ihnen schließlich ihre Unterstützung anbot, gingen die Bremerinnen mit viel Tüftelarbeit in Vorleistung. „Wir hätten nie gedacht, wie viel Arbeit tatsächlich in der Entwicklung einer solchen App steckt“, sagen sie. Und genau da liegt bislang noch die Schwierigkeit: Um die App „Heyco“ in einigen Wochen an den Markt bringen zu können, sind rund 15.000 Euro notwendig, für eine zweisprachige Version wären es noch einmal 10.000 Euro mehr, rechnen die beiden Lehrerinnen vor. Einiges an Geld sei bereits über die Crowdfunding-Kampagne www.gofundme.com zusammengekommen. „Aber wir würden uns natürlich sehr darüber freuen, wenn es uns gelänge, einen oder mehrere Sponsoren für unser Projekt zu gewinnen“, betont Yasar. „Der soziale Aspekt steht für uns im Vordergrund.“

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Den Frauen ist es wichtig, dass das Angebot nicht-kommerziell bleibt und ohne Werbung auskommt. Nach eigenen Angaben wollen sie mit der App kein Geld verdienen. Ihre bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass bei vielen Menschen die Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten, trotz Not meistens hoch sei. „Aber die Angst vor einer Ablehnung gibt es bei unserer App nicht“, betont Yasar. Die App funktioniere auch in Bremen und umzu – und zwar so: Wer Hilfe benötigt, öffnet die App, erstellt eine Einkaufsliste und schickt die Anfrage ab.

App informiert nur Helfer aus dem direkten Umkreis

Diejenigen, die sich als Helfer in der App registriert haben und sich in der Nähe befinden, werden informiert und erledigen die Besorgungen. Das Programm soll durch die genutzte Standorterkennung so konzipiert sein, dass nur Helfer aus dem unmittelbaren Umkreis informiert werden. Eine doppelte Vergabe von Einkaufslisten sei ausgeschlossen. „Das Vorteilhafte: Wer helfen will, kann den Radius, in dem er oder sie Unterstützung anbietet, eingrenzen“, sagt Pfannenschmidt. Um die Sicherheit der Daten müsse sich niemand Sorgen machen, da sie verschlüsselt würden.

„Es gibt an unserer App schon weltweit Interesse, beispielsweise in den USA, in Australien und in Südafrika“, sagt Yasar. Teilweise seien das Kontakte, die sie schon seit ihrer Studienzeit gepflegt hätten. Und: Sollte die Corona-Pandemie mit Glück irgendwann endlich passé sein, könnte die App als ganz normales Instrument für Nachbarschaftshilfe fungieren.

Wer Interesse an weiteren Informationen zur App hat, kann sich an Nesil Yasar (Telefon: 0176 / 45 92 18 55) oder Verena Pfannenschmidt (Telefon: 0176 / 343 47 26 20) wenden.

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