Klare Regeln für Veranstaltungen

Messe Bremen fordert Sonderweg

Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Bremer Messegesellschaft M3B, fordert, dass die Corona-Regeln und Auflagen für Messen angepasst werden. Konzepte, wie die Events laufen können, liegen vor.
22.08.2020, 05:00
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Messe Bremen fordert Sonderweg
Von Pascal Faltermann
Messe Bremen fordert Sonderweg

Mit zahlreichen Maßnahmen, Hygiene- und Abstandsregeln soll die Messe Reiselust in diesem Jahr stattfinden. Dafür braucht es aber angepasste Corona-Vorschriften.

Messe Bremen Rathke

Die nächste Absage trudelte am Freitagnachmittag ein: Die Space Tech Expo 2020, eine Veranstaltung für Technologien rund um die Raumfahrt, wird verschoben. 2019 führte sie mehr als 400 Aussteller und 5000 Experten aus aller Welt nach Bremen. Nach dem Aus der Sixdays und anderer Veranstaltungen war es die nächste Hiobsbotschaft für Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der Bremer Messegesellschaft M3B. Für die Zukunft sieht es nicht besser aus.

„Die derzeitige Gesetzeslage lässt bei Veranstaltungen drinnen nur 250 Personen zu. Damit kann man keine Messen veranstalten“, sagt Schneider. Er fordert, dass wie in anderen Bundesländern die Corona-Regeln für Messen separat betrachtet werden. Die Personenzahl sei dabei in Relation zur Quadratmeterzahl der genutzten Fläche zu setzen. Eine entsprechende Vorlage ist im Wirtschaftsressort erarbeitet worden und soll am Dienstag im Senat beraten werden.

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In Bundesländern wie Niedersachsen, Hamburg, Berlin, Bayern oder Thüringen sind Messen und andere gewerbliche Ausstellungen erlaubt, wenn genehmigte Infektionsschutzkonzepte vorliegen. Zudem sind unterschiedliche Sollwerte vorgeschrieben, was die Quadratmeterzahl pro Besucher angeht. In Hamburg ist geplant, die Konsumgütermesse Nordstil mit entsprechenden Maßnahmen und Konzept stattfinden zu lassen. Trotz aller Auflagen und Widrigkeiten soll Ende Oktober auch die Verbrauchermesse Infa in Hannover über die Bühne gehen.

Die niedersächsischen Behörden haben dem Hygienekonzept zugestimmt. „In fast allen Bundesländern sind die Messen mit Sonderregelungen möglich“, sagt Schneider. Um Planungssicherheit zu haben, hofft der M3B-Chef, dass dies auch bald in den Hallen an der Bürgerweide möglich ist. Nur so könnten Aussteller akquiriert und Stände verkauft werden. Entsprechende Konzepte seien seit Wochen und Monaten erarbeitet worden. Was Schneider nicht sagt: Bislang ist kein Konzept zugelassen.

Hans Peter Schneider, Chef der Messegesellschaft M3B.

Hans Peter Schneider, Chef der Messegesellschaft M3B.

Foto: Frank Thomas Koch

Zuversicht bei Reiselust und Caravan

Aus diesem Grund hält die Bremer Gesellschaft auch an den Plänen für die Urlaubsmesse Reiselust sowie die Caravan vom 6. bis 8. November fest. Eigentlich hätte das Messe-Duo zusammen mit Fisch und Feines, dem Craft Beer Event und dem Bottle Market ausgerichtet werden sollen. „Wir haben aber ohne Druck diese Veranstaltungen selbst abgesagt“, sagt Schneider. So seien Flächen freigeworden. Bei Reiselust und Caravan sei er zuversichtlich, dass sein Team die Veranstaltungen inhaltlich, hygienisch und gesundheitlich verantwortlich durchführen könne.

Zum ersten Mal sollen die Veranstaltungen in sämtlichen sieben Hallen an der Bürgerweide organisiert werden, um alles wegen der Corona-Auflagen weitläufiger gestalten zu können. In einem umfangreichen Maßnahmenkatalog hat die Messe Bremen Punkte wie die Einlass-Situation, Mund-Nasen-Bedeckung, Abständen zwischen Ständen, Wartebereiche, Online-Registrierung, Datenerfassung und Reinigung bis ins Detail geplant. „Wir wollen mit Argumenten überzeugen“, sagt Sprecherin Christine Glander.

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Doch Stand jetzt sind in der Hansestadt größere Veranstaltungen mit 1000 Personen und mehr mindestens bis einschließlich 31. Oktober 2020 verboten. „Es bedarf einer Änderung der Regeln“, so Schneider. Wenn dies nicht passiere, werde es im Frühjahr keine Events wie die Hansebau, die Bremen Classic Motorshow oder die Freizeitmesse Rufus geben. Klar sei aber auch, dass der Senat die Gesundheitsfürsorge habe und dort eine kollektive Entscheidung getroffen werden müsse.

In diesem Jahr summieren sich bei der Messe Bremen laut dem Geschäftsführer durch ausgefallene Veranstaltungen bereits Mindererträge von 6,5 Millionen Euro. Wenn beispielsweise im kommenden Jahr die Classic Motorshow ausfalle, könnte dies einen Verlust von 1,2 Millionen Euro bedeuten.

Veranstaltungen derzeit stark reglementiert

„Veranstaltungen sind aus Gründen des Infektionsschutzes derzeit stark reglementiert“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Vor dem Hintergrund der aktuell steigenden Infektionszahlen sei es schwer vorstellbar, große Veranstaltungen zu genehmigen. „Wir stehen in einem engen Austausch“, sagt Fuhrmann bezogen auf die vorgelegten Konzepte. Ohne eine Tendenz preiszugeben, verweist der Behördensprecher auf die Senatssitzung in der kommenden Woche, bei der die erarbeitete Tischvorlage diskutiert werden soll.

Zu Bedenken gibt Fuhrmann, dass Messen ein internationales Publikum anziehen. Ein Punkt, den die Messegesellschaft als Argument für ihre Veranstaltungen nennt. Laut einem Gutachten werden die sogenannten regionalwirtschaftlichen Effekte der Messe für Bremen auf 64 Millionen Euro beziffert. Eine solche Messe ist die eingangs erwähnte Space Tech Expo, die auf den 16. bis 18. November 2021 verlegt ist.

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