Zu wenig Kontaktpolizisten in Bremen Das lange Warten auf Kops

Kontaktpolizisten (Kops) erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Bürgern, werden von Polizeiführung wie Innensenator gleichermaßen wertgeschätzt. Trotzdem gibt es deutlich weniger Kops in Bremen als geplant.
25.02.2019, 06:00
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Das lange Warten auf Kops
Von Ralf Michel

Auf die große Bedeutung von Kontaktpolizisten (Kops) lassen Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und Polizeipräsident Lutz Müller nichts kommen. Als „wesentlichen Baustein für die regionale Polizeiarbeit“ bezeichnen beide die Beamten, die zu Fuß in ihren Revieren unterwegs sind, ein wachsames Auge auf alles und jeden haben und zugleich als ständiger Ansprechpartner für die Bürger fungieren.

Trotzdem gibt es in Bremen nach wie vor weniger Kops als vorgesehen. 110 sollten es laut Plan sein, tatsächlich waren es Ende vergangenen Jahres 75. Kurzfristig sollen 13 dazu kommen, das Auswahlverfahren läuft bereits. Doch auch das ändert nichts daran: Auch in diesem Jahr wird’s nichts mehr werden mit der vollständigen Nachbesetzung der vakanten Kop-Stellen. „Bis 2020 zu erwarten“, lautet aktuell die offizielle Sprachregelung der Innenbehörde.

Mehr altersbedingte Abgänge

Der generelle Personalmangel bei der Bremer Polizei ist bekannt. Doch im Falle der Kops komme erschwerend hinzu, „dass gerade diese Funktion von erfahrenen und lebensälteren Polizisten besetzt werde“, erklärt Pressesprecher Nils Matthiesen. „Deshalb kommt es hier altersbedingt auch zu mehr Abgängen.“ Grundsätzlich habe die Polizei aber großes Interesse daran, dass alle Kontaktpolizistenstellen für die ortsteilbezogene bürgernahe Polizeiarbeit nach Ende des Personalengpasses wieder aufgefüllt werden. „Bis zum Jahresende werden wir mindestens 100 Kop-Stellen wieder besetzt haben.“

Was sich so eben noch im Rahmen dessen bewegt, was Bremens Innensenator bei der Vorstellung der Pläne für die „Polizeireform 2600“ im Juli 2016 angekündigt hatte. „Bis 2018/19 wird es 100 Stellen für Kontaktpolizisten geben“, lautete seinerzeit die Ansage Mäurers. Abgewendet ist damit zumindest ein Szenario, das Mitte 2016 noch drohte. Damals war befürchtet worden, dass die Zahl der Kops durch altersbedingte Abgänge bis Ende 2018 auf 58 zurückgehen würde.

Mäurer bittet Bürger um Verständnis

Dafür, dass es noch dauern wird, bis alle vakanten Kop-Stellen nachbesetzt sind, bittet Mäurer die Bürger um Verständnis. Die derzeitige Personalsituation, insbesondere die hohe Zahl der anstehenden Pensionierungen, ließe im Moment wenig Spielraum für die Aufstockung der Kops. Denn klar sei ebenfalls, dass man die Kops zwar zugesagt habe, aber nicht auf Kosten des Einsatzdienstes. „Die Streifenwagen bleiben zu 100 Prozent besetzt, da gehen wir nicht ran.“

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Bis zur kompletten personellen Besetzung der Fehlstellen sollen die Aufgaben durch die vorhandenen Kontaktpolizisten, den Einsatzdienst und die zunächst verbleibenden Revierkräfte bewältigt werden. Die 13 Kops, für die derzeit das Auswahlverfahren läuft, sollen nach derzeitiger Planung auf acht Standorte verteilt werden. Demnach werden im Innenstadtrevier drei Kop-Stellen nachbesetzt, in Gröpelingen, Hemelingen und Horn je zwei sowie in Findorff, Vahr, Woltmershausen und Vegesack je eine.

Kleinräumige Präventions- und Netzwerkarbeit

Zur Aufgabenbeschreibung von Kops findet sich im Bericht der Innenbehörde zur Polizeireform die Formulierung „objektive und subjektive Sicherheitslage im Revierbereich ermöglichen“. Dies insbesondere durch Fuß- und Fahrradstreifen. Zudem sollen Kops weiterhin „für kleinräumige polizeiliche Präventions- und Netzwerkarbeit in den Stadtteilen zur Verfügung stehen“. Es ist aber auch die Rede davon, dass an den Revieren künftig eine Bürgersprechstunde „als Erweiterung des Portfolios realisiert“ werden muss. Täglich zwei Stunden sind dafür vorgesehen.

Zwei Stunden, die die Kontaktpolizisten dann weniger auf der Straße sind, merkt hierzu Volkmar Sattler an, Revierleiter Neustadt und Beauftragter für die Kops im gesamten Bremer Süden. „Klassische Bürozeiten gab es für die Kops bisher nicht.“

Dass die Kops für das Ansehen der Polizei bei der Bevölkerung zentrale Bedeutung haben, steht für Sattler fest. Kops bedienen zentrale Netzwerke, gehen in die Kitas, Schulen, Altenheime oder auch Flüchtlingsunterkünfte, erläutert der Revierleiter den Arbeitsalltag der Kontaktpolizisten. „Die gehören da einfach dazu.“ Umso mehr falle es dann auf, wenn in dem einen oder anderen Revier Kop-Stellen nicht nachbesetzt würden. „Diese Lücken werden in der Bevölkerung sofort wahrgenommen.“

Kop der ersten Stunde

Einer, der dafür gesorgt hat, dass es im Revier Kattenturm zumindest eine dieser ­Lücken in den letzten Jahren nicht gab, ist Thomas Kothe. Schon vor vier Jahren hätte er in den Ruhestand gehen sollen, hat dann aber für fünf Jahre verlängert. Damals sei klar gewesen, dass seine Stelle auf Jahre hinaus nicht nachbesetzt worden wäre, erzählt er. „Wenn ich jetzt 2020 gehe, wird das hoffentlich anders sein.“

Kothe ist einer der Kops der ersten Stunde, also seit gut zwei Jahrzehnten dabei. Und das mit Leib und Seele, wie er betont. „Ich denke wirklich, dass wir was bewegen.“ Wer Bürgernähe propagiere, müsse für die Bürger auch sichtbar sein. „Ich gehe deshalb so viel wie möglich auf die Straße.“ Sicher, die Bürger könnten auch zur Wache kommen. „Aber das Meiste bekomme ich unterwegs mit.“ Dabei ginge es um nichts Dramatisches. Ein abgestelltes Schrottauto auf einem Parkplatz, Hunde, die ohne Leine herumliefen ... Aber das seien eben die Sorgen und Nöte der Bürger. „Und dass sie die bei mir loswerden und ich mich dann kümmere, ist den Leuten wichtig.“

Info

Es geht auch gemeinsam: 13 Kops an 210 Haustüren

Zumeist sind Kontaktpolizisten allein unterwegs, es geht aber auch gemeinsam: In einer konzertierten Aktion informierten die 13 Kontaktpolizisten aus Kattenturm, Huchting und der Neustadt in der vergangenen Woche Bürger aus Obervieland zum Thema Einbruchschutz. Nachdem es in diesem Bereich in den Tagen ­zuvor immer wieder zu Einbrüchen gekommen war, klingelten die 13 Beamten zwischen 13 und 18 Uhr an rund 210 Haustüren im Wohnge-
biet der Heinrich-Gross-Straße, Georg-Strube-Straße und Im Arster Felde. Den Hausbesitzern wurden Informationen und gezielte Beratungen zum Einbruchschutz angeboten. Nach Angaben der Polizei nahmen fast alle Angesprochenen diese Beratung gerne an. Etwa 80 Prozent der Anwohner wurden bei der Aktion angetroffen. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause war, erhielt eine Nachricht und entsprechendes Informationsmaterial.

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